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wie du kleidung kaufst, die ein wirkliches investment ist

Auch wenn deine Mutter vielleicht anderer Meinung ist: Dein Kleiderschrank ist tatsächlich ein guter Ort, um dein Geld sicher aufzubewahren, denn Mode eignet sich hervorragend als Investition. Wir verraten dir, wie das du meiste herausholst.

von Wendy Syfret
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07 Dezember 2016, 3:04pm

In einem Jahrzehnt werden die Stücke aus der Herbst-/Winterkollektion 2016 von Saint Laurent immer noch gute Preise erzielen.

Seit unserer Kindheit wird uns eingetrichtert, dass wir nicht unser ganzes Geld für Klamotten ausgeben sollen. Jeder, der schon mal das ein neues It-Piece gekauft hat, statt die Miete zu bezahlen, wird selbst wissen, dass das nicht immer zu den besten finanziellen Entscheidungen gehört. Das galt jedenfalls bis Anfang dieses Jahrs. Auf einmal war eine Hermes Birkin Bag ein besseres Investment als Gold. Plötzlich waren unsere Kleiderschränke weniger Geldverbrennungsmaschinen als unsere Altersvorsorge.

Zu jedem guten Investment gehört gründliche Recherche, es möchte wohlüberlegt sein und vor allem braucht man dafür: Geduld. Wenn du deine Ersparnisse in Taschen, Schuhe und Kleidung investieren willst, dann solltest du wissen, wie du am besten dabei vorgehst. Cleveres Shopping dreht sich eben nicht immer gleich um Liebe, sondern erfordert genaues Studieren des Marktes, der Trends und des Konsumverhaltens. Und dazu gehört auch die Bereitschaft, deine erstandenen Schätze für eine sehr lange Zeit wegzuschließen.

Um besser zu verstehen, was die ultimativen Investment-Pieces ausmacht, haben wir mit mehreren Leuten gesprochen, die ihren Lebensunterhalt tatsächlich mit ihren Archiven verdienen. Eine gute Nachricht vorab: Du kannst mit Shopping Geld verdienen, du musst nur wirklich, wirklich gut darin sein.

Kollaborationen wie die zwischen dem Tätowierer und Rei Kawakubo sind gute Investments.

Ja, der Wert einiger Kleidungsstücke steigen 
Zuallererst: Nicht alle Kleidungsstücke und Accessoires verlieren gleich am Ende einer Saison ihren Wert. Die Pieces, die zu wertvollen Zeitzeugen der Geschichte einer Marke werden, sind rar gesät, deswegen muss man vorsichtig sein, wenn man etwas in den Schrank packt und hofft, dass es im Laufe der Zeit an Wert gewinnt.

Laut Clare Ferra vom Vintage-Designer-Shop IRRÈVERSIBLE gibt es zwei Wege, wie ein Kleidungsstück an Wert gewinnt: „Der erste ist der natürliche Preisanstieg jedes Vintage-Sammlerstücks." Alles, was schon von vornherein als seltenes Sammlerstück konzipiert wurde, wird seinen Wert halten, wenn man es in gutem Zustand aufbewahrt. Die Händlerin hat schon miterlebt, wie Vintage-Pieces wieder an Wert gewinnen, wenn sie wieder ins öffentliche Bewusstsein treten. So sei es dem Sicherheitsnadel-Kleid von Gianni Versace ergangen. Zwar ist das Kleid, in das sich Liz Hurley in den 90ern gezwängt hat, schon immer Kult gewesen, aber als es Lady Gaga 2012 wieder getragen hat, ist der Bekanntheitsgrad noch einmal gestiegen.

Wenn das Piece Teil einer größeren Erzählung ist, wird es mit Sicherheit auch besonders sein. Lauren Urquhart von Shifting Worlds fügt hinzu, dass Teile einer Kollaboration zwischen einem Künstler und einem Designer immer gute Käufe sind, weil die Kleidungsstücke einen gewissen Wert an sich haben, weil sie der Kunst- wie der Modewelt zugerechnet werden können. Die Kollaborationen von Louis Vuitton mit Takashi Murakami und Yayoi Kusama sind perfekte Beispiele dafür.

Investiere in Accessoires, wie die Taschen von Sonia Rykiel aus der Herbst-/Winterkollektion 2016 

Sind Accessoires immer besser?
Der Grund, warum man in Accessoires investieren sollte, ist ziemlich simpel: Sie sind einfacher zu lagern, verbrauchen weniger Platz und Käufer sind eher bereit, viel Geld für ein Vintage-Piece auszugeben, das sie jeden Tag benutzen können. Vorsicht ist geboten, wenn es um den Kauf von beliebten Designerschuhen geht.

Zwar sind die Tabis von Maison Margiela und die Cage Boots von Saint Laurent bekannt, aber sie lassen sich nicht ohne Weiteres einfach verkaufen. Bei Schuhen seien Beschädigungen nicht nur leichter zu sehen, so Clare, sondern bei ihnen spiele der Faktor Größe auch eine größere Rolle. „Bei Kleidung ist der Spielraum größer, wer sie tragen kann. Bei Schuhgrößen sieht es schon anders aus, sie sind sehr genau. Man kann nicht wirklich eine Nummer größer tragen."

Und ja, deine Vetements-Käufe sind gerechtfertigt.

„It-Pieces" zahlen sich aus
Es wird immer gut geschnittene schwarze Hosen und weiße Hemden geben, aber besondere, extravagante Designerstücke sind selten und werden im Laufe der Zeit an Wert gewinnen. Man darf in diesem Zusammenhang auch nicht vergessen, dass die heutigen Designer ständig ihre eigenen zum Kult gewordenen Pieces aus ihren Archiven in ihren Kollektionen selbst zitieren. Wenn ein Designer einen Style neu interpretiert und dir gehört das Original, hältst du plötzlich ein Stück Modegeschichte in deiner Hand und dein Kleidungsstück darf als historisch gelten.

Aber auch wenn ein Designer sein Archiv nicht nutzen sollte, werden sich die Leute an Außergewöhnliches erinnern. „Ich achte definitiv auf Pieces, die einzigartig sind oder die etwas Besonders haben", erklärt Clare. „Ich entscheide mich auch für Kleidungsstücke, die in einer Unterhaltung als Eisbrecher dienen können."

Unterschätze niemals die Macht von Pieces, die sich langsam aber stetig steigender Beliebtheit erfreuen.

Nur weil es nicht gleich angesagt ist, heißt das nicht, dass es das nicht in der Zukunft sein kann
Wir sollten, laut Lauren, in Kleidung investieren, deren Qualität und Design überzeugt und die dieses gewisse Etwas hat, „Je ne sais quoi", wie sie es nennt. Als Käufer muss man in die Zukunft investieren. Auch wenn etwas nicht sofort weltweite Begeisterung auslöst, wenn es zum ersten Mal auf dem Laufsteg zu sehen ist, ist wichtig zu wissen, „dass das Werk im Laufe der Zeit gewürdigt und seine Sprache verstanden wird. Das hofft man zumindest." Oder mit anderen Worten: Vertraue deinem Bauchgefühl. Andere Leute bekommen diese besonderen Momente nicht mit—oder erst Jahre später.

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Echte Renditen brauchen sehr viel Zeit
Damit dir ein Kleidungsstück eine schöne Rendite verschafft, musst du es länger als eine Saison behalten. In der Regel braucht es zehn Jahre, bevor ein Piece den Status Second Hand verliert und zu einem Vintage oder gar Sammlerstück wird.

Manchmal muss man nicht so lange warten, dann muss es aber extrem begehrt sein. „Wenn ein Piece besonders begehrt und ausverkauft ist, kann man es sofort höher als die UVE (Unverbindliche Preisempfehlung) des Herstellers verkaufen", so der Stylist, Sammler und Gründer von Ppenny Lane, Ruken Elif. Doch er schickt als Warnung hinterher: „Sobald das Piece in Verkauf ist, musst du Glück haben, dass du überhaupt in die Nähe der UVE kommst. Das trifft besonders auf beliebte Streetwear zu. Gosha Rubchinskiy bringt sofort mehr ein als die UVE, der Wiederverkaufswert ist also höher, weil sich die Pieces schnell wiederverkaufen lassen. Das Gleiche gilt für Supreme-Kollaborationen und die bekannteren Stücke von Vetements. Der schwarze Hoodie, den Kanye West und Rihanna getragen haben, ist das beste Beispiel dafür. 

Als Faustregel gilt: „Schuhe verlieren zuerst an Wert, es sei denn, es sind seltene oder limitierte Sneaker oder ein Tabi von Margiela." Einige Stücke wie Chanel-Taschen behalten ihren Wert, der nach einem Jahrzehnt sogar steigt. Webeseiten wie 1stdibs.com geben eine erste Eindruck davon, wie groß das Interesse an bestimmten Pieces, Styles oder Materialien ist. Wenn man im Hinterkopf behält, was Leute kaufen, kann man Markttrends besser einschätzen.

Wie die meisten guten Dinge, so findet man die guten Investments im Internet

Nutze Offline und Online
Die Vorstellung für das perfekte, seltene, vergessene und unter Wert verkaufte Piece in überfüllten Märkten und Charity-Shops zu finden, ist zwar nett, aber auch sehr unrealistisch. Jede und jeden, den wir gefragt haben, hat gesagt, dass man nach Investments im Internet suchen muss. „Im Internet spielt die Musik. Dort öffnen Leute aus der ganzen Welt ihre Kleiderschränke." Zwar kostet jede Suche Zeit, aber durch das Internet kann man weltweit suchen und kann in Ländern Schnäppchen ergattern, die einen anderen Geschmack haben oder in denen andere Marken beliebter sind. 

Außerdem besteht laut Lauren die Gefahr, dass in Second-Hand-Shops immer mehr Fast Fashion landet, die nur sehr schwer wiederkäuflich ist. „In Shops etwas Besonders zu finden, ist ziemlich selten, weil das Angebot dort schon sehr ausgesucht ist", so Ruken. Flohmärkte sind da noch besser, kosten aber auch mehr Zeit. 

Du solltest Basics meiden.

Dinge, die es zu vermeiden gilt
Wenn du dein Geld investieren willst, sehe dich vor Imitaten vor, dabei sind nicht unbedingt Fakes gemeint. Wenn Designer zu sehr von Trends beeinflusst sind, können ihre Kreationen im Laufe der Zeit fade wirken und für Kunden nicht mehr interessant sein. Clare geht sogar weiter und rät von Basics ganz und gar ab. Diese Stücke liegen in Vintage-Stores rum, nicht mehr und nicht weniger. Und alles, was einmal zu trendy war, wird langfristig an Wert verlieren.

Credits


Text: Wendy Syfret

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