Foto: Screenshot von Instagram

Das ist die Künstlerin, deren Bilder gerade Instagram überfluten

Mit ihren Film-Still-Fotos hat Sarah Bahbah die Herzen der Internetwelt erobert. Wir stellen dir die Frau genauer vor, deren Bilder du wahrscheinlich bereits geteilt hast.

von Roisin Lanigan
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15 Februar 2018, 2:09pm

Foto: Screenshot von Instagram

Mit Sicherheit kennst du die übersättigten Fotos auf Instagram, die aussehen wie frisch aus einem Indie-Film entsprungen, der so Underground ist, dass du ihn gerade nicht zuordnen kannst. Wir scrollen fast täglich durch diese Art von Bilder, teilen, speichern und identifizieren uns mit ihnen. Doch fragen wir uns nie so wirklich, wer eigentlich derjenige ist, der unsere Gefühlslage so gut auf den Punkt bringt.

Die palästinensische Künstlerin Sarah Bahbah ist eine von ihnen. In Australien aufgewachsen, lebt sie zur Zeit in Los Angeles und hatte ihren ersten großen Durchbruch mit der Reihe Sex and Takeout. Seitdem ist Sarah zur viralen Sensation geworden. "Im Grunde habe ich Memes im Werbeformat gemacht", sagt sie. "Es war nicht meine Absicht, Kunst für Instagram zu machen, aber der Creative Director in mir findet unterbewusst immer wieder seinen Weg an die Oberfläche."

Die vertrauten Bildunterschriften ihrer Fotos kommen aber nicht von ungefähr. Sarah vergleicht den Entstehungsprozess mit einem echten Film oder Theaterstück: "An erster Stelle bin ich Autorin, an zweiter visuelle Künstlerin." Ihre filmischen Einflüsse kommen aus Filmen wie No Country for Old Men oder The Big Lebowski. "Die Texte schreibe ich über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Nachdem ich intensive Gespräche verinnerlicht habe, die ich mit Leuten geführt habe, die mir wichtig sind und waren. Oder solche, zu denen es nie gekommen ist, die ich mir aber gewünscht hätte. In meinem Kopf spiele ich diese Gespräche durch. Es geht darum, das Unausgesprochene aus ihnen herauszufiltern."


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Während viele Künstler besorgt darüber sind, wie Instagram und Social Media die Kunstwelt verändern, positioniert sich Sarah genau in der Mitte davon: "Stell dir vor, du müsstest einen typischen Kunsthändler, der mit Arbeiten von Basquiat und Warhol handelt, davon überzeugen, in eine Künstlerin zu investieren, die ihre Kunstwerke so gestaltet, dass sie von allen gesehen und geteilt werden können", sagt sie über die Exklusivität in der Kunstwelt. "Es ist nicht unmöglich, aber es ist unnötig kompliziert."

Es ist vielleicht modern, seine Arbeiten auf Instagram zu teilen, aber es hat auch seine Nachteile. In der Bio von Sarah heißt es: "Wahrscheinlich hast du meine Kunst auf dem Account von jemand anderem gesehen." Plagiate sind nach wie vor ein großes Problem für Künstler auf Instagram. "Es ist echt nervig, zu sehen, wie meine Kunst oder die von Kollegen viral geht oder jahrelang als Werbung benutzt wird, aber an keiner Stelle erwähnt wird, von wem sie stammt."

Instagram versucht gegen diese Nachahmungs-Kultur vorzugehen. In den Nutzungsbedingungen heißt es, dass Nutzer Inhalte auf Instagram nur posten dürfen, wenn sie nicht das geistige Eigentum anderer verletzen, und Inhalte anderer Leute nur mit deren Erlaubnis posten dürfen. In anderen, nicht-juristischen Worten, heißt das: ohne Tag des Künstlers geht nichts mehr.

Sarahs bisherigen Reihen Sex and Takeout, This Is Not For You und I Love You, Me Neither sind der perfekte Kompromiss zwischen emotionaler Verletzlichkeit und Stärke (z.B. du Pizza essend nach einer Trennung, aber eben auch du als wunderschöne, Seidenpyjama-tragende Version von dir). Ihre Kunst ist eine eigene Welt. Eine dramatischere Version, die im Gegensatz zu unseren alltäglichen Feeds steht. "Meine oberste Priorität ist, meinen Gefühlen treu zu bleiben", sagt Sarah. "Dadurch ermutige ich andere, das Gleiche zu tun. Meine Kunst ist meine Art, Gefühle auszudrücken, die ich täglich unterdrücke."

"Meine Kunst spiegelt meine eigene Entwicklung", erklärt sie. "Mein ganzes Leben lang wollte ich nie als Palästinenserin identifiziert werden. Ich habe unterbewusst meine wahre Identität unterdrückt, weil sie für mich mit Schmerz und Leid verbunden war. Erst Ende 2016 habe ich mich dafür entschieden, meine Erinnerungen zuzulassen und das Trauma zu verarbeiten. Auch wenn dieser Prozess der Heilung noch nicht abgeschlossen ist."

Ihre Erfahrungen werden einen wichtigen Teil ihrer neuen Arbeiten ausmachen, so Sarah. "Diese Geschichten warten noch darauf, erzählt zu werden, und wenn sie kommen, werden sie POC, und Frauen aus dem Nahen Osten erzählen. Die Geschichten werden kommen, sobald ich dafür bereit bin."

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

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