phoebe english kreiert ein neues, sagenhaftes frauenbild für großbritannien nach dem brexit

In Phoebe Englishs Spring/Summer Kollektion 17 verleihen eine Bogenschützin, eine Wasserträgerin, eine Fragestellerin, eine Schmugglerin, eine Sängerin, eine Würgerin und eine Trauernde den Gefühlen und Ereignissen in Großbritannien symbolischen...

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21 September 2016, 12:20pm

„Es gibt sieben unterschiedliche Figuren, und jede steht als Metapher für ein Gefühl oder ein Ereignis, die sich innerhalb von sieben Tagen abgespielt haben", erklärt die Modedesignerin Phoebe English i-D bei der Präsentation ihrer neuen Kollektion. Es geht nicht um sieben Tage, die sie persönlich erlebt hat, sondern um sieben Tage, die das ganze Land geprägt haben: „Es geht allgemein darum, was gerade passiert—es verändert sich gerade so vieles", sagt sie. „Ich denke, es ist für mich auf gewisse Weise ein befreiender Weg, um diese Dinge zu verarbeiten."

Die sieben Frauen stehen nebeneinander, doch jede ist von ihrer eigenen Kulisse umgeben; die Bogenschützin mit Pfeil und Bogen steht vor Äpfeln und Ästen und soll den Schock symbolisieren; die Wasserträgerin gießt Wasser aus einer Wasserkaraffe in Plastikfolie und stellt so das Weinen dar; eine verwegene Schmugglerin steht für die Lügen; die Fragestellerin mit den Papierrollen und einem Stempel symbolisiert die Suche nach der Wahrheit; die Würgerin, die ein Seil strickt, ist die Metapher für die Angst; die Sängerin steht für den Protest; und die Trauernde stellt den Verlust dar.  

„Ich möchte die Dinge nicht zu detailliert beschreiben, doch bei jeder Figur geht es darum, weitreichende Veränderungen im Land und das Verhalten der Leute, der Politiker, zu verarbeiten", fügt English hinzu. Es geht auch nicht speziell um den Brexit, sagt sie, sondern um ihre Wahrnehmung eines allgemeinen Wandels—die wachsende Zahl an Hassverbrechen beispielsweise: „Man beobachtet einen Ort, den man als sein Zuhause erachtet hat, der sich plötzlich sehr schnell und sehr stark verändert."

Phoebe Englishs typischer Stil zieht sich wie ein roter Faden durch die Kollektion. Es gibt viele Teile mit asymmetrischen Schnitten, Oberteile und Röcke, die mit Bändern und Schnüren am Körper befestigt werden, und das alles im Layer-Look; außerdem treffen unterschiedliche Texturen aufeinander—glatte Stoffe lassen eine Anhäufung von Fäden darunter durchscheinen; ein steifes Baumwoll-Oberteil erinnert an den Kittel eines Kochs und wird mit Druckknöpfen zugemacht. Eine Neuheit in dieser Saison sind T-Shirts mit Slogans—aber keine auffälligen, kreischenden. Der Begriff „travesty" ist zum Beispiel in so kleinen, schwarzen Buchstaben auf ein weißes Shirt gedruckt, dass man der Person schon sehr nahe kommen muss, um es lesen zu können. Auf einem anderen Teil steht der Satz „all proportions are distorted by a small percent", und das dritte ist eine Liste der Figuren und ihrer Handlungen in Form eines Kurzgedichts. 

Credits


Text: Charlotte Gush
Fotos: Mitchell Sams