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a – z … wes anderson

Zum Geburtstag des Regisseurs werfen wir einen genaueren Blick darauf, was Wes Andersons Filme so einzigartig macht. Von den „Simpsons“ bis Scorsese, von Vogel-Entführungen bis zu Prada: Hier ist der ultimative i-D Guide zu Wes Anderson.

von Emily Manning
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03 Mai 2016, 3:25pm

A wie Archer Avenue
Es gibt es eine 111 Archer Avenue. Die Adresse befindet sich in Mt. Vernon im US-Bundesstaat New York, ungefähr 20 Kilometer von dem Haus in Harlem (339 Convent Avenue) entfernt, in dem Anderson Die Royal Tenenbaums gedreht hat.

B wie Bill Murray
Zwar arbeitet Owen Wilson am längsten mit Anderson zusammen, sie gingen zusammen zur Uni, aber Bill Murray ist am häufigsten in Anderson-Filmen zu sehen. Der exzentrische Schauspieler hat in allen Filmen mitgespielt, außer in Andersons erstem: Bottle Rocket. In der neuesten Produktion wird er einer Hundepuppe in einem noch in Produktion befindlichen Films seine Stimme leihen.

C wie Charlie Brown
Es ist allgemein bekannt, dass Anderson in all seinen Filmen gerne ein Peanuts-Zitat einbaut. Bill Melendez zählt er zu seinen Haupteinflüssen. Manche dieser Anspielungen sind explizit (der Hund in Moonrise Kingdom heißt Snoopy). Für Matt Zoller Seitz, der ein Buch über Andersons Filme geschrieben hat, gehen die Einflüsse aber noch tiefer: „Besonders die Rollen, die unabhängig vom Alter, wie die außergewöhnlich eloquenten Kinder bei Schulz, zwischen Kindheit und Erwachsenenalter gefangen zu sein scheinen."

Foto: Snoopy, der tragisch verstorbene Hund aus Moonrise Kingdom. Foto via Flickr-User Wolf Gang.

D wie Dog-Hater
Ende letzten Jahres bestätigte Anderson, dass der Nachfolger zu Grand Budapest Hotel sein zweiter Animationsfilm nach Der fantastische Mr. Fox wird. Bisher wissen wir, dass es im Film um Hunde gehen wird. Eine Tierart, denen er Gerüchten zufolge nicht sonderlich angetan ist. Als Belege gelten dabei die Anzahl an Hunden, die er in seinen Filmen umgebracht hat. Snoopy wurde von einem Pfeil aufgespießt, Spitz aus Der fantastische Mr. Fox verendete an vergifteten Blaubeeren und wer erinnert sich nicht an den Tod von Buckley.

E wie Eric
Andersons Bruder ist Illustrator der Criterion-Collection-Ausgaben von Rushmore, Die Tiefseetaucher, Darjeeling Limited und Die Royal Tenenbaums. In den Filmen hat er nicht nur kurze Gastauftritte als Medizinstudent, sondern auch die Kunst von Richie Tenenbaum gestaltet.

F wie Fans
Andersons Filme haben viele Bewunderer, die dann selbst oft zu kreativen Arbeiten inspiriert werden. Dazu gehört auch der Rapper Angel Haze, der im letzten Jahr den Track „Moonrise Kingdom" herausgebracht hat. 70 Fans haben eine Kunstausstellung auf die Beine gestellt, die durchs Internet ging. Andere haben Supercuts zusammengestellt, in denen es um die depressivsten Szenen, die symmetrischsten Einstellungen oder um ein düsteres Grandhotel geht.

G wie Gelb
Du brauchst nicht im Hotel Chevalier zu übernachten, um zu sehen, wie sehr Anderson die Farbe Geld liebt. Diese Vorliebe war nicht nur bereits Gegenstand wissenschaftlicher Studiendieser Supercut machte die Marketingabteilung von McDonald's auch sehr glücklich.

H wie Haie
Schauspieler Seymour Cassel sagte Filmkritiker Roger Ebert einmal, dass er immer davon geträumt hat, dass einer seiner Rollen von einem Hai gefressen wird. Anderson machte diesen bizarren Traum wahr, als seine Rolle in Die Tiefseetaucher von einem Meeresmonster getötet wird.

I wie Irische Zigaretten
Auf den ersten Blick scheint Margot in Die Royal Tenenbaums gelbe American Spirits Kette zu rauchen (das ist gar nicht so weit hergeholt, wenn man an ihre Beziehung zum Cowboy-Schriftsteller Eli Cash und Andersons Vorliebe für die Farbe denkt). Wie sich herausstellt, wurde die Marke in den 70ern eingestellt und nur in Irland verkauft. Anderson hat sie ausgewählt, um an den Filmzitaten aus dem Jahrzehnt festzuhalten.

J wie Jagd auf den Vogel
Viele von Andersons Filme sind sogenannte Caper-Movies, Geschichten von Überfällen oder Entführungen. Am Set von Die Royal Tenenbaums ahmt Kunst das Leben nach. Am Set wurde der Falke entführt, für ihn würde Lösegeld gefordert. Die Produktion konnte aber nicht auf den ursprünglichen Vogel warten, deshalb taucht er später im Film noch einmal auf, „mit mehr weißen Federn". Dabei ist es ein komplett anderes Tier. Gerüchten zufolge wurde der ursprüngliche Vogel nie gefunden.

Foto via Kanye Wes Tumblr

K wie Kanye
Wir warten auf die Pablo-Versionen, aber diese Website wird nie langweilig.

L wie Limetten
In Darjeeling Limited spielt Owen Wilson Francis, der mehrere Kopfbandagen trägt. Damit er humpelt, ist Wilson während der gesamten Dreharbeiten auf einer Scheibe Limette gelaufen.

M wie Martin Scorsese
Martin Scorsese ist ein großer Anderson-Fan. Der Debütfilm von Wes Anderson, Bottle Rocket, bezeichnete er als einen seiner Lieblingsfilme der 90er und nannte den jungen Regiekollegen sogar „den nächsten Martin Scorsese". Auf Anraten des Altmeisters ist Anderson nach Indien gefahren, was dann zu Darjeeling Limited führte.

N wie Neuntausend
So viel erhielt Bill Murray als Gage für seine Nebenrolle in Rushmore. Das war ihm natürlich egal. Er lieh dem Regisseur sogar persönlich 25.000 Dollar für eine Helikopter-Einstellung, für die Disney nicht zahlen wollte. Letztlich wurde die Szene rausgeschnitten, doch Anderson hat den Check nie eingelöst. Angeblich hat er ihn noch.

O wie Outdoor
Auf der Besetzungsliste für Der fantastische Mr. Fox stand ein Star nach dem anderen (darunter, wie sollte es auch anders sein: Meryl Streep), aber Anderson hat den Stars keinen roten Teppich ausgerollt. Stattdessen brachte er alle auf eine Farm in Connecticut, damit sie in ihre Rollen finden konnten. Hier kannst du dir ein YouTube-Video mit George Clooney anschauen, wie er in einem Hühnerstall seinen Text lernt.

P wie Prada
Das italienische Modehaus hat bei Anderson einen Kurzfilm in Auftrag gegeben, er hat für Werbespots für das Candy-Parfüm gedreht und die Bar in der Fondazione gestaltet. Prada ist aber nicht die einzige Luxusmarke, die ein Fan von Anderson ist. Marc Jacobs hat das Gepäck aus Darjeeling Limited während seiner Zeit bei Louis Vuitton entworfen und Lacoste zollte mit seiner Herbst-/Winterkollektion 2015 Hommage an das Tennisgenie Richie Tenenbaum.

Q wie Quälend lange warten
Auf lange Warteschlangen darfst du dich mit absoluter Sicherheit gefasst machen, falls der Vergnügungspark, den Anderson mit seinem langjährigen Musikmenschen Mark Mothersbaugh, ehemaliger Devo-Frontmann aufmachen will, jemals Realität werden sollte.

R wie Rückwärts
Das Instrumentalstück „Let me tell you about my boat" von Mark Mothersbaugh, das als Intro für Steve Zissou in Die Tiefseetaucher dient, ist tatsächlich die rückwärts abgespielte Version von einem anderen Anderson-Stück: „Scrapping & Yelling" aus Die Royal Tenenbaums.

S wie Simpsons
Abgesehen von der Vorliebe für Gelb, scheint es auf den ersten Blick kaum Gemeinsamkeiten zwischen Andersons Mittelschichtsfamilien im Krisenmodus und der amerikanischen Alltäglichkeit der Simpsons zu geben. Wäre da nicht Produzent James L. Brooks. Denn ohne ihn wäre Anderson nicht da, wo er heute ist. Der Produzent beauftragte Matt Groening damit, Cartoons für die Tracey Ullman Show zu kreieren. Daraus wurden dann später Die Simpsons. Nachdem Brooks 1996 eine Kurzversion von Bottle Rocket auf dem Sundance Filmfestival gesehen hat, gab er Anderson 5 Millionen Dollar, damit der den den Film zu Ende drehen konnte. Hier findest du den Brief, den der junge Anderson an Brooks geschickt hat, um ihm zu danken. Und der Brief sieht genauso aus, wie man sich einen Brief von Anderson vorstellt.

T wie Tunes
Andersons einzigartige Ästhetik wird durch die pastellfarbenen Sets, Retro-Requisiten und durch tolle Musik lebendig. Zwar hat er eine Vorliebe für Popsongs aus den 50ern und 60ern, aber er ist Songs aus den 70ern (Die Royal Tenenbaums) und aktueller Musik (Elliot Smith mit „Needle in the Hay") nicht abgeneigt. Hier findest du die vielleicht beste Playliste aller Zeiten.

U wie University of Texas
Das ist Andersons Alma Mater, von der er einen Bachelor in Philosophie hat und wo er Owen Wilson zum ersten Mal in einem Theaterseminar traf. In einem seiner Film erwähnte er seine Universität sogar, auch wenn sich die Unileitung eine andere Erwähnung erhofft haben dürften: Einige Piraten in Die Tiefseetaucher tragen Longhornes-Basecaps.

V wie Videospiele
Du kannst vielleicht nicht im wahren Leben in der schrägen und bunten Wes-Anderson-Welt leben, aber das geht virtuell. Studenten aus New York haben mit Masquiard ein Videospiel erschaffen, das im Grand Budapest Hotel spielt. Spieler müssen die Gäste belauschen, um herauszufinden, wer die geheimen Dokumente besitzt. 

W wie Wilson Nummer drei
Wenn du dachtest, dass Owen und Luke die einzigen Wilsons im Anderson-Universum sind, dann solltest du dir Die Royal Tenenbaums noch einmal genauer anschauen. Das ist nicht Ben Stillers Hand mit einer Kugel, sondern ihr Bruder Andrew Wilson. Owen Wilson hat ihn als Kind angeschossen und seitdem steckt die Kugel da drin.

X wie XXX
Ja, es gibt eine Pornoparodie auf Wes Anderson. Hier geht's zum Meisterwerk The Great Sausage Party.

Y wie KennY Rogers
Anderson hat wie Max Fischer in Rushmore ebenso gerne Theaterstücke während der Schulzeit auf die Bühne gebracht. Eines davon war eine Handpuppen-Variante von Kenny Rogers Album The Gambler aus 1978.

Z wie Zissou
Auch wenn Bill Murray in allen Wes-Anderson-Filmen außer Bottle Rocket mitspielt, hat er nur in Die Tiefseetaucher die Hauptrolle übernommen: Steve Zissou, eine Parodie und Hommage an den französischen Meeresforscher Jacques Cousteau.

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Credits


Text: Emily Manning
Foto: Still aus The Grand Budapest Hotel