new yorks rashaad newsome verwandelt hiphop in kunst

Rashaad Newsome ist zu gleichen Teilen Komponist und Künstler. In den vergangenen fünf Jahren hat er vieles gemacht: Er hat das Albumcover der ersten Compilation „Saint Heron“ von Solange Knowles’ Musiklabel gestaltet, er hat für seine berühmte...

von i-D Team
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27 Oktober 2014, 11:45am

Kaum zurück von der neuesten Shade-Performance beim Festival „Steirischer Herbst" in ?-sterreich steckt Rashaad Newsome mitten in den Vorbereitungen zu seiner Einzelausstellung und arbeitet nebenbei noch an einem Geheimprojekt mit Solange Knowles. i-D sprach mit dem New Yorker Künstler über Kunst, Mode und HipHop und wie fließend die Grenzen zwischen ihnen sind.

Erzähle uns mehr über deine Signature-Performance Shade Compositions.

Ich bin mittlerweile mehrmals damit aufgetreten. Es geht um einen Dialog über afroamerikanische Kultur, körperliche Ausdrucksweisen und Aktivitäten und wer Zugang zu ihnen hat. Irgendwann wurden Dinge wie mit der Zunge schnalzen, die eigentlich den Stempel „Straße/Bitch/Unterschicht" aufgedrückt bekommen haben, Teil der zeitgenössischen Popkultur, Leute haben sie positiv besetzt und sie wurden für jeden zugänglich. In der Bühnenshow nehme ich diese Gesten und kreiere mit ihnen akustische Neuarrangements. Wenn du so willst, die moderne Variante von Kammermusik aus körperlichen Gesten, Sounds und Beats aus den 90ern.

Die Kleidung bei der Performance in ?-sterreich war von DKNY oder?

Ja, die Kleidung stammte von DKNY. Alle meine Performer haben Teile der DKNY X Opening Ceremony Capsule Kollektion getragen, die wirklich 90er und total hiphopmäßig ist. Denke da nur an das Video zu „Real Love" von Mary J. Blige. Was Shade angeht: Kleidung spielte von Anfang an eine wichtige Rolle, weil ich glaube, dass die Performance ein umfassendes Erlebnis sein sollte, sowohl akustisch als auch visuell.

Du hast 2010 die Performance schon mal in New York im MoMA P.S.1 gezeigt und damals hast du bei den Kostümen mit Alexander Wang zusammengearbeitet. Wie kam es dazu?

Das ist einfach so passiert. Alex gefiel die Performance und es hat dann Sinn gemacht zusammenzuarbeiten. Weil ich mit körperlichen Ausdrucksweisen arbeite, die mit dem Stigma „Straße" verbunden sind, war es mir wichtig mit einem Designer zusammenzuarbeiten, dessen Ästhetik dieses Stigma konterkariert. Und da Shade eine Bühnenshow ist, können Modedesigner sie einfach als Modenschau nutzen. So können sie ihre Kollektionen in einem wirklich neuen und experimentalen Umfeld zeigen.

Du hast schon oft mit Shayne Oliver von Hood by Air zusammengearbeitet. Wie wurdet ihr Freunde?

Shayne ist wie ein kleiner Bruder für mich. Ich habe ihn vor Jahren getroffen, als ich nach New York gezogen bin. Da hatte er gerade angefangen. Zu der Zeit bin ich bei ihm in SoHo untergekommen. Er hatte tolle Möglichkeiten zur Filmbearbeitung, also war ich eigentlich die ganze Zeit da. Er und noch andere kamen vorbei und haben da abgehangen. Mein Studio wurde zum Ort, wo sich alle getroffen haben und ich wurde so zum inoffiziellen Hood-By-Air-Videotyp. Ich habe Videos von den Kleidungsstücken gemacht und seitdem sind wir Freunde. Als ich dann 2010 mein erstes Kunstvideo über Voguing gemacht habe, hat Shayne mitgemacht. Das Video wurde übrigens im Rahmen der Whitney Biennale gezeigt. Es ist großartig, weil er jetzt ähnliche Dialoge über Voguing, HipHop-Kultur und Streetdance, die ich durch meine Kunst führe, durch seine Mode führt.

Wie sieht dein kreativer Schaffensprozess aus?

Es macht Spaß. Wäre auch schlimm, wenn nicht! Ich mag, dass jedes Projekt ein großes Experiment ist. Shade z. B. ist jedes Mal anders. Es unterscheidet sich je nach Aufführungsort und ich wähle Menschen aus dem jeweiligen Ort aus, die dann performen. Es hängt von so vielen Faktoren ab.

Ich weiß, was ich machen möchte. Das Stück hat eine Struktur, aber es kann auch beängstigend sein, weil wenn man am Anfang nicht die Synergie zwischen den Leuten spürt, dann geht das Projekt daneben. Der Druck ist groß, aber es macht immer noch Spaß und ich freue mich auf die Herausforderung.

Was waren deine ersten Kunstwerke?

Ich wuchs in New Orleans auf und habe schon immer Kunst gemacht. Ich habe die ganze Zeit gemalt und gezeichnet. Ich denke nicht, dass meine Bilder damals gut waren, aber meine Mutter hat sie immer noch alle bei sich im Haus zu hängen.

Was kommt als nächstes für dich?

Ich stecke gerade in den Vorbereitungen für meine Einzelausstellung in der Marlborough Gallery 57th Street, die am 9. Dezember eröffnet. Außerdem plane ich gerade ein Projekt mit Solange Knowles. Es wird eine Fortsetzung dessen sein, was wir für das Albumcover von Saint Heron gemacht haben, ergänzt um Performanceelemente. Seid gespannt!

rashaadnewsome.com

Credits


Interview: Carlene Thomas-Bailey