„sub culture“ wirft einen un­ver­blümten blick auf die skinhead-szene

1979 dokumentierte Iain McKell die Skinhead-Szene in dem Buch, das später zu einem begehrten Sammlerstück werden sollte. Jetzt wurde es endlich wieder neu aufgelegt.

von James Anderson
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20 März 2015, 2:15pm

Ursprünglich erschien das Buch Sub Culture 1979. Der Fotograf Iain McKell begleitete die Skinheads der britischen 2 Tone-Bewegung, wie sie auf den Straßen von London herumstreunen, auf Tagestrips nach Southend unterwegs sind und in der legendären Boutique The Last Resort abhängen. 

Das Buch war heiß begehrt, da nur eine kleine Auflage im bekannten Buchladen Claire de Rouen verkauft wurde, wobei die restlichen Exemplare jahrelang in McKells Archiv schlummerten. 36 Jahre später gibt es nun eine Neuauflage, die bei Wild Life Press erscheint und in einem neuen, stylischen Format zu kaufen ist. Wir sprachen mit Steve Terry von Wild Life Press, um mehr darüber zu erfahren.

Wann bist du das erste Mal auf diese Fotografien von Iain gestoßen?
Das erste Mal habe ich von Sub Culture erfahren, als ich im Internet nach Büchern für meine persönliche Sammlung gesucht habe. Ich brauchte dieses Buch! Es hat mich fünf Jahre gekostet, eines aufzutreiben. 

Kanntest du andere Arbeiten von ihm?
Nicht wirklich, aber ich hab mir dann andere Veröffentlichungen von ihm angeschaut, wie The New Gypsies.

Wieso hast du dich dazu entschieden, Sub Culture neu aufzulegen? Wie hat Iain McKell auf die Idee reagiert?
Ich mag die Fotos und dachte mir, dass sie ein größeres Publikum verdient haben. Es ist ein echtes Zeitdokument, das für die reinste Form von Selbstdarstellung steht. Iain hat die Idee von Anfang an gemocht. Ich bin mit ihm durch mein Archiv gegangen und hatte bereits eine klare Vorstellung davon, wie die 150 Exemplare neu verpackt werden sollten. Wir packten ein Exemplar des Originalbuchs von 1979 in eine maßgeschneiderte Mappe mit einem neuen Bromidprint, die in einer Plastiktüte eingepackt war, um das Gefühl einer Schallplatte nachzuempfinden.

Gefällt ihm das Ergebnis?
Er freut sich riesig über die neue Verpackung und das wundervolle Feedback, das wir bekommen. Ich habe auch gleich eine „Sub Culture"-Ausstellung in L.A. organisiert.

Welche Bilder bewegen dich am meisten?
Mein Lieblingsbild ist die Skinhead-Aufnahme, die wir für das Cover und den Print genommen haben. Nick Knight hat es später dann in seinem eigenen Buch über die Bewegung verwendet.

Weiß man, was die Typen in den Bildern heute machen?
Nein, nicht wirklich, obwohl Iain selbst Skin und Teil der Szene war. Er war mit einigen Leuten auf den Fotos befreundet.

Du hast verschiedenste Subkulturen in deinen Büchern unter die Lupe genommen. Was interessiert dich so sehr an ihnen?
Ich veröffentliche nur das, was ich mir auch persönlich anschauen würde. Mir wurden kommerziellere Projekte angeboten, aber ich habe sie abgelehnt, weil mir der Inhalt nicht wirklich gefallen hat.

Wer kauft die Bücher? Sind es vor allem Nostalgikern oder auch jüngere Leute?
Auch junge Leute kaufen die Bücher, genauso wie Büchersammler und Leute aus der Buchszene.

Was sagst du zu der Aussage, dass keine neuen Subkulturen mehr entstehen können? Das Internet hat alles verwässert und es gibt keine Nischen, in denen sie entstehen könnten. 
Subversion wurde in vielerlei Hinsicht gesichtsloser und subtiler. Vieles ist in den tiefen Gefilden des Internets verschwunden. Ich finde, dass Hacker und Hardcore-Gamer als neue Subkultur durchaus durchgehen. Was ist mit Rohkostfanatikern und Straight Edgern? Es gibt sie noch, nur tragen sie keinen engen Hosen mehr!

Warum sind also Skinheads ein zeitloses popkulturelles Symbol?
Skins sind Symbole, die eine sofortige emotionale Reaktion hervorrufen, die von deinem Kenntnisstand der Bewegung abhängt. Und einigen gefällt einfach nur der Look!

Was hast du als nächstes geplant? 
Ich arbeite gerade an ein paar Projekten. Jetzt steht mal die Veröffentlichung eines Buches über Fiona Cartleges heißgeliebte Clubnacht Sign of the Times an.

wildlifepress.com

Credits


Text: James Anderson

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