der beste bad-taste-film des jahres ist endlich da

„The Greasy Strangler“ überzeugt nicht nur durch seinen Style, sondern auch durch seine eklige und gleichzeitig faszinierende Verdorbenheit.

von Colin Crummy
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14 Oktober 2016, 6:15am

Das Wort Kult reicht bei Weitem nicht aus, um die Nische zu beschreiben, in die sich Jim Hoskings Debütfilm einordnen wird. The Greasy Strangler ist ein schmuddeliger 90-Minuten-Streifen voller Monster- und Mikropenis-Prothesen, Todesgefahr durch den eingefettetsten Bösewicht aller Zeiten sowie anzüglicher und kindischer Furzwitze. Untermalt wird dieser bunte Cocktail von einem Soundtrack aus der Schmiede des Elektronik-Duos Fuck Buttons. Na, haben wir dein Interesse geweckt?

In The Greasy Strangler dreht sich alles um das Vater-Sohn-Gespann Big Ronnie und Big Brayden sowie deren Arbeit als Disco-Tourführer in passenden pinken Rollkragenpullovern und Shorts. Die beiden Protagonisten werden schließlich zu Rivalen, als eine einsame Schönheit namens Janet auftaucht und sich nach Liebe sehnt. Big Brayden hat vielleicht das größere Herz, aber sein Vater (brillant gespielt von Michael St. Michaels, einem Kultschauspieler der 80er Jahre) kann dafür in der Hose mehr vorweisen—und ist womöglich auch der sogenannte „Greasy Strangler". Dabei handelt es sich um einen Mörder, der bei seinen Verbrechen einzig und allein mit einer Schicht Vaseline eingeschmiert ist. Obwohl die ganze Story sehr skurril und hanebüchen anmutet, kann man The Greasy Strangler eine gehörige Portion Style nicht absprechen—auch wenn dieser Style von Darmwinden geprägt ist. Regisseur Jim Hosking hat uns im Interview verraten, was hinter dem schmutzigsten Film des Jahres steckt.

In welches Genre lässt sich The Greasy Strangler einordnen?
Während des Drehs war ich der Meinung, dass es sich dabei um eine Komödie handelt. Und das denke ich auch heute noch. Ich bin inzwischen allerdings etwas genauer geworden und spreche nur noch von einer sexy Komödie. Ich meine, The Greasy Strangler ist kein Gruselfilm, kein Horrorfilm, kein Thriller. Vielleicht ist er ein Drama, aber definitiv nichts für Kinder. Als Dokumentation würde ich das Ganze auch nicht bezeichnen. Sexy ist er aber allemal.

Wir lieben Braydens und Big Ronnies abgestimmte Outfits. Wie seid ihr darauf gekommen?
Die Inspiration für die Kleidung kam zu gleichen Teilen von alten Fassbinder-Filmen, erotischen Fotos aus Russland, Crumb-Bildern, Puppenkleidern und Erinnerungen an meinen Vater in seinem grauen Jogginganzug. Die pinken Disco-Tour-Outfits sollen traurige „Fun"-Kostüme darstellen, die die Touren auflockern. Pink ist eine witzige Farbe und in Ronnies und Braydens Welt steht sie für Disco. Das Kostümdesign stammt von Christina Blackaller. Wir wollten, dass sich Ronnie und Brayden futuristisch fühlen. Ronnie glaubt ja auch immer noch daran, dass Disco die Musik der Zukunft ist.

Gab es etwas, das du aufgrund des guten Geschmacks nicht in den Film eingebaut hast?
Aufgrund des guten Geschmacks nicht, nein. Einige Schauspieler waren in Bezug auf die Sexszenen aber nicht wirklich bereit, so weit zu gehen, wie ich gehen wollte. Ich musste da ja aber auch nicht aktiv drin mitspielen. Das alles hat zur Folge, dass es ausführliche Szenen, in denen besonders ungewöhnliche Körperstellen geleckt oder angeknabbert werden sollten, nicht in den Film geschafft haben. Dieser Umstand verleiht The Greasy Strangler jedoch einen Touch Keuschheit—und das gefällt mir. Für einen explizit sexuellen Film ist das Ganze bemerkenswert unschuldig und züchtig.

Wer sind deine Bad-Taste-Vorbilder und warum?
So etwas habe ich nicht, denn ich will schlechten Geschmack nicht verherrlichen. Ich stehe auf guten Geschmack. Und das meine ich nicht sarkastisch. Ich fühle mich zu Dingen hingezogen, die ich schön finde. The Greasy Strangler ist für mich etwas Schönes. Vielleicht ist der Film auf gewisse Art und Weise auch pervers oder schmutzig, aber so ist doch auch das Leben.

Was hat es mit den Monster- und Mikropenissen auf sich?
Ich neige nicht dazu, viel nachzudenken. Stattdessen mache ich einfach das, was sich richtig anfühlt. Ich fand es eben witzig und irgendwie auch selbstverständlich, dem Vater ein großes und dem Sohn einen kleines Glied zu verpassen.

In welche Richtung sollte sich Andrew Hund von Fuck Buttons mit dem Soundtrack bewegen?
Beim Schneiden des Films habe ich ein paar Szenen mit Andys Musik unterlegt und die beiden Dinge haben auf eine brillante sowie lustige Art und Weise zusammengepasst. Gleichzeitig fühlte sich das Ganze total unruhig und eindringlich an. Der Film bekam dadurch noch eine extra Portion Komik und Verrücktheit verpasst. Ich habe dann mit Andy gesprochen und ihm gesagt, was mir an seiner Musik gefällt. Ich ließ ihm beim Soundtrack aber auch so viel Freiraum wie nur möglich. Eigentlich meinte ich nur, dass ich die singenden Mäuse am Anfang von „Bagpuss" richtig gut fände und der Soundtrack doch auch irgendwelche kleinen, singenden Kreaturen enthalten könnte.

Der Film besitzt einen wirklich auffälligen visuellen Stil. Er ist hip. Wie denkst du darüber?
Das ist witzig, denn meiner Meinung nach trifft eher das Gegenteil zu. Wenn der Film wirklich hip ist, dann nur aus Versehen. Eigentlich kann er nur hip sein, weil er so unhip ist. Nichts ist weniger hip als ein hipper Film, wenn du verstehst, was ich meine.

Was steckt hinter dem Gegensatz von visueller Anmut und ekligen Inhalten?
Ich habe mir bei den Szenen, die süß, niedlich oder unschuldig wirken und dann durch einen Furz oder einen unhöflichen Spruch ruiniert werden, schon etwas gedacht. Für mich haben diese Szenen nämlich etwas Reales an sich. So verhalten sich Leute im Kreis ihrer Familie oder unter Freunden—zumindest meiner Erfahrung nach. Ich weiß auch gar nicht, was beim Publikum ankommen würde. Ein solches Kalkül liegt mir nicht. Ich hätte echt keine Lust darauf, etwas meiner Meinung nach Trendiges oder Cooles zu machen, nur um mich dem Publikum anzubiedern. Nein, ich versuche erst gar nicht, mich des Zeitgeists zu bedienen.

Credits


Text: Colin Crummy

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