sexismus, missbrauch, rassismus: die kritik an hollywood wird immer lauter

Nach Chloë Sevigny hat jetzt auch Elijah Wood über seine negativen Erfahrungen in Hollywood gesprochen.

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23 Mai 2016, 2:05pm

Image via Wikipedia

Bereits im Februar hat die Grand Dame des Films Meryl Streep während der Berlinale die fehlende Diversity in Hollywood kritisiert. Gestern ging nun das Filmfestival in Cannes zu Ende. Während der Starfaktor beim Eröffnungsfilm Café Society von Woody Allen wieder mal hoch war, erhob der Sohn des Regisseurs Ronan Farrow schwere Vorwürfe gegen seinen Vater und die Medien: dass er endlich für die Anschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs zur Rechenschaft gezogen wird. Dass Cannes nicht nur Glamour und roter Teppich ist, bewies die Jury mit der Vergabe der Goldenen Palme an das Sozialdrama I, Daniel Blake des britischen Regisseurs Ken Loach. Auch abseits der Kinosäle wurde dieses Jahr Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen geäußert. i-D Fav und Schauspielerin Chloë Sevigny hat offen über aufdringliche Regisseure, Sexismus und die ungeschriebenen, aber sehr bedenklichen Gesetze in Hollywood gesprochen. Chloë war in Cannes, um ihren sechsminütigen Kurzfilm Kitty vorzustellen. Beim Variety-Talk sagte sie, dass drei männliche Regisseure während eines Castings definitiv die Grenze überschritten hätten: „Es gab diese Unterhaltung, was ich denn nach dem Vorsprechen mache. Ob ich nicht shoppen gehen wollte, etwas anprobieren möchte und sie mir in der Umkleide etwas kaufen könnten. Da wurde einfach die Grenze unangenehmer Situationen überschritten", so die Schauspielerin. Außerdem hat sie darüber gesprochen, dass es negative Auswirkungen auf die Karrieren von Frauen hat, wenn sie es ablehnen, mehr Haut zu zeigen: „Du solltest deinen Körper mehr zeigen. Du solltest nicht warten, bis du so alt bist, wie eine gewisse Schauspielerin, die gerade nackt in einem Film zu sehen war. Du solltest jetzt nackt im Film sein", so ein Regisseur zu der Schauspielerin. Das wollte Sevigny nicht und sie bekam die Rolle nicht. Zwar hat sie keine Namen öffentlich genannt und es vermieden, die Situationen als sexuelle Belästigung zu bezeichnen, aber ihre Kritik an den Machenschaften in Hollywood wurde trotzdem deutlich.

 Jetzt hat sich auch Schauspieler Elijah Wood zu Wort gemeldet und wirft Hollywood vor, dass Thema Kindesmissbrauch zu verharmlosen. In einem Interview mit der Sunday Times hat der frühere Kinderstar beschrieben, dass es in Hollywood ein regelrechtes System gebe, in dem junge Schauspieler von Leuten aus der Filmbranche ausgebeutet werden würden: „Es gibt in dieser Industrie viele Schlangen; Leute, die nur ihre eigenen Interessen im Kopf haben." Der 35-jährige Schauspieler sei aber persönlich von jeglichem Missbrauch vor seiner Mutter geschützt worden, die ihm nicht erlaubt hat, an brancheninternen Partys teilzunehmen. „Sie war mehr damit beschäftigt, mich zu einem guten Menschen zu erziehen, anstatt meine Karriere im Kopf zu haben", so der Schauspieler. 

Er beschreibt eine Kultur von Unterdrückung und Missbrauch und vergleicht es mit der Situation von Jimmy Savile in Großbritannien. Als der frühere BBC-Moderator 2011 starb, bewahrheiteten sich die langjährigen Gerüchte über sexuellen Missbrauch: Über Jahrzehnte hinweg hatte er Leute missbraucht. Auf die Filmbranche in Hollywood angesprochen, antwortete Elijah Wood: „Es gibt diese Schattenseiten. Wenn man es sich vorstellen kann, dann ist es wahrscheinlich auch schon passiert."
Die Missbräuche können entstehen, weil die Straftäter geschützt werden, während „die Opfer nicht so laut sein können, wie die Leute, die die Macht haben." 

Credits


Einleitung: Michael Sader
Text: Wendy Syfret
Foto: Marcelo Krasilcic, 1994

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