1986

die sowjetische punkszene in den 80ern

Fotograf Igor Mukhin hat über sechs Jahre lang Jugendliche in Moskau dokumentiert.

von Emily Manning
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19 Mai 2016, 9:00am

1986

Gosha Rubchinskiy hat sich einen Namen damit gemacht, seine Models zu Hause in der Skate- und Punkszene Russlands zu suchen. Der Designer hat postsowjetischen Chic cool gemacht, dabei zitiert er in seinen Arbeiten oft die Zeit vor dem Fall des Eisernen Vorhangs. Er hat die Werke des Künstlers Timur Novikov aus den 80ern und 90ern verwendet und die Leningrader Punkoutfits der 80er von Auktyon und AVIA gemixt. Fotograf Igor Mukhin hat diese Zeit tiefgreifender Veränderungen selbst miterlebt und dokumentiert: jugendliche Energie am Vorabend des Endes der UdSSR. Er möchte die Aufnahmen in dem Bildband I Saw Rock 'n' Roll veröffentlichen.

1988

„Wir hatten damals keine Ahnung, wie es jenseits des Eisernen Vorhangs aussieht", schreibt Igor auf Website der Crowdfunding-Kampagne. Die Jugendlichen in der Sowjetunion bekamen zwar geschnittene Filmen in den Kinos  zu sehen und hörten Rockmusik bei Stationen wie Voice of America oder BBC, doch Igor erinnert sich: „Ich spürte einfach, dass die Zeit für den Wandel reif war und ich musste einfach raus und fotografieren."

1985

Über sechs Jahre lang dokumentierte Igor die sowjetische Jugend und ihre Rebellion, er fotografierte die Moskauer Untergrund-Rockszene und den Streetstyle, der dazugehörte. „1985 fanden die Weltjugendspiele in Moskau statt: die Konzerte, die Treffen, die Gesichter und das Verhalten der Gäste war einfach bemerkenswert. Wenn es ein Wort beschreiben sollte: Freiheit", so Igor. „Es war einfach erstaunlich. Gäste mit langen Haaren wurden nicht auf das Polizeirevier mitgenommen, um dort ihre Papiere zu überprüfen und ihnen dort unter Zwang die Haare abzurasieren."

1987

Heutzutage unterrichtet er an der Rodchenko School of Photography and Mulitmedia in Moskau, doch seine ersten Aufnahmen waren größtenteils das Ergebnis von intuitiven Experimenten statt einer Ausbildung. „Damals musste ich fotografieren ohne Lehrer oder Orientierungen. Erst Jahre danach kam die Cartier-Bresson-Ausstellung nach Moskau. Ich habe erst 1988 ein Buch von Diane Arbus gesehen, genauso wie ein Buch des tschechischen Fotografiepioniers Josef Koudelka", erklärt er. „Ich habe die UdSSR nur für mich fotografiert."

1987

Auch wenn er keine fotografische Ausbildung hatte, seine Bilder sind durch und durch Punk und ein menschliches Zeugnis in einer der wichtigsten Momente in der Geschichte des Landes, die die jugendliche Energie hinter des Eisernen Vorhangs zelebrierten haben.

Hier geht's zu Crowdfunding-Kampagne für den Bildband I Saw Rock 'n' Roll.

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1977

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Credits


Text: Emily Manning 
Fotos: Igor Mukhin 

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