bei den menswear-shows in london geht es romantisch zu

Romantik dominierte bei den Menswear-Shows von Alexander McQueen, J.W. Anderson und James Long, die von fernen Welten träumten.

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16 Juni 2015, 11:00am

Photography Jason Lloyd Evans

Wenn man das große Thema des zweiten Tages bei den London Collections: Men zusammenfassen kann, dann stand der Tag danach ganz im Zeichen der liebsten Denkweise der Mode: der Romantik. „Es ist diese romantische Vorstellung, dass man auf dem Meer verloren geht", sagte Sarah Burton nach ihrer nautischen Alexander McQueen-Show. Die Fantasie einer Wirklichkeitsflucht setzte Burton mit Seefahrer- und Meereskreaturen-Prints sowie von der Seefahrerei inspirierten Schnitten um.

Alexander McQueen spring/summer 16

Für J.W. Anderson war die Flucht aufs Meer nicht weit genug. Er schickte seine Jungs ins Weltall mit Alien-Silhouetten und den Kleinigkeiten, die es eben so im All gibt. Ein transparentes, nudefarbenes Top mit weißen Federn hatte einen gewissen „Hallo-Erde-wir-kommen-in-Frieden"-Vibe, der ganz nett war. Andersons Show hatte den besten Soundtrack der Woche, verantwortlich dafür war kein Geringerer als Michel Gaubert, der den von Björk mitkomponierten futuristischen Madonna-Song „Bedtime Story" mit gesprochenen Worten von Robert Ashley gemixt hat. „He took himself seriously. Hotel rooms had lost their punch for him."

Was die politischen Designer von London angeht, war die fehlende Reaktion auf die Wahlen am überraschendsten - wenn nicht sogar ein bisschen langweilig. Zwar hatte Burtons Kollektion definitiv nichts mit britischer Politik am Hut, aber irgendwie fing sie die Stimmung unter Londons Kreativen nach der Wahl trotzdem ganz gut ein. Die Leute fantasieren darüber, das Land auf der Suche nach einem besseren Ort zu verlassen, oder einfach nur darüber, Ruhe und Frieden vor den aggressiven Debatten und der Rechthaberei zu finden, die während des Wahlkampfes zur Routine wurden.

J.W. Anderson spring/summer 16

Wenn bei Alexander McQueen die verloren gegangen Gelassenheit wiederentdeckt wurde, dann hat sie James Long in einen Kontext gestellt, mit dem sich das junge, männliche Publikum bei LCM identifizieren konnte. „Es [die Kollektion] war Brighton, von einer Party nach Hause laufen, ziemlich trashig", sagte er backstage. „Vor dem Pavillon in Brighton [Royal Pavilion] gibt es diese ganzen schmuddeligen Leute und innen drin ist es prachtvoll. Als dieser Palast entworfen wurde, dachten sie dabei an Indien - also, so wie sie es sich vorgestellt haben." Die Romantik bei Long war persönlich und für junge Fantasten, die seine Kleidung kaufen, total nachvollziehbar. 

Seine Frühjahr-/Sommerkollektion-16 war ein frivoler Sommertraum mit Strand-Settings und Sonnenaufgängen verpackt in Rave-Mustern, Patchwork und Denim und mit mehr als ein paar Verneigungen vor den Neunzigern - das Jahrzehnt, in dem James Long wohl seine ersten Spaziergänge nach Hause nach einer langen Clubnacht am frühen Morgen machte. „Es gab die Idee von Nicht-dazugehören", erklärte er. „ Wenn Leute denken, dass sie dazugehören und keiner denkt weiter, weil in Wahrheit gehört man nicht dazu". Auf gewisse Weise hat er die Mentalität der Londoner Modeszene damit beschrieben: diese urbane Blase, in der selbst die wildesten Outfits keines Blickes gewürdigt werden, aber jeder weiß, was ab geht. 

James Long spring/summer 16

Die großen schwarzen Schleifen, die um die Hüften der Model gebunden waren, sorgten bei Longs Show für den gewissen Chic und zeigten klar die klassische Idee der Mode von Romantik auf. Ähnlich war es auch bei Margaret Howell. Sie zeigte zarte Pariser Dichter-Schals, die lose um den Hals gebunden waren, prüde Hemden und Hosen. Die Sandalen wurden mit Socken getragen. Howells Romantik war nicht so weit draußen im Weltall wie bei J.W.Anderson oder so eskapistisch wie bei Burton, aber dieselbe Geisteshaltung war definitiv da. 

Credits


Text: Anders Christian Madsen
Fotos: Jason Lloyd Evans