amber rose kritisiert die sexistische doppelmoral

Wieso verfolgt Amber Rose ihre Vergangenheit als Stripperin bis heute, während es bei Channing Tatum nicht der Fall ist? Die Amerikanerin hat da ein paar Ideen.

|
15 März 2016, 12:05pm

Bevor Channing Tatum seinen Durchbruch 2006 mit dem Film Step Up feierte, arbeitete er als Model für Abercrombie & Fitch, war in Dolce & Gabbana-Kampagnen und in Pepsi-Werbespots zu sehen. Davor arbeitete er acht Monate lang als Stripper in Tampa in Florida. Der mittlerweile als Schauspieler erfolgreiche Tatum scheint nicht von einer Kultur, die Sexarbeit stigmatisiert und Sexarbeitern keine Stimme gibt, tangiert zu sein. Er hat zusammen mit dem gefeierten Regisseur Steven Soderbergh an Magic Mike und der XXL-Fortsetzunggearbeitet. Der Schauspieler geht offenherzig genug mit seiner Vergangenheit um, um zwei Filme über seine Erfahrungen in der Erotikbranche zu machen. Doch bei ihm gelten anscheinend andere Maßstäbe. Wenn er als „ehemaliger Stripper Channing Tatum" bezeichnet wurde, war das immer im Zusammenhang mit dem lukrativen Filmfranchise, was er aufbaut—und das ist bereits über 300 Millionen Dollar schwer.

Das kann man nicht von der ehemaligen Stripperin, Unternehmerin und Aktivistin Amber Rose behaupten. Der Zusatz „ehemalige Stripperin" verfolgt Rose in vielen Artikeln bis heute. Bestes Beispiel dafür ist, was die amerikanische GQ in einem Profil im Oktober über sie geschrieben hat. Die Autoren reduzierten sie auf ihre Rolle als „Teen-Stripperin, die sich zu einer größenwahnsinnigen Muse gewandelt habe", „Kanyes berüchtigte Ex" und „die Mutter des Babys von Wiz Khalifa". Amber Rose sieht das zu Recht als sexistische Doppelmoral an. „Keiner interessiert sich dafür, dass Channing Tatum ein Stripper war. Er ist ein etablierter Schauspieler, der auf Vanity Fair-Partys und zu den Oscars geht", sagte sie zu The Daily Beast während des SXSW Festivals am Wochenende. „Ich werde allerdings, ganz egal was ich tue, in Artikeln immer noch als „die ehemalige Stripperin" bezeichnet. Bei Channing Tatum heißt es nicht, „der ehemalige Stripper" und Brad Pitt wird nicht als „ehemalige McDonald's-Angestellte" bezeichnet. Niemand tut das bei Männern."

Rose denkt, dass der Grund, wieso ihre Vergangenheit immer noch einen Schatten über ihr Leben wirft, darin liegt, dass die Sexarbeit von ihr nicht salonfähiger gewesen sei—wie bei ihrer aktuellen Unterstützerin Kim Kardashian. „Sie gehen mit mir und Kim so hart um, weil ich eine Stripperin war und es von ihr ein Sexvideo gab", erklärte sie. „Wenn wir singen könnten, wäre es OK, dass wir halbnackt auf der Bühne sind. Wir alle lieben Beyoncé, aber auf der Bühne ist sie halbnackt und twerkt die ganze Zeit. Die Leute sagen dennoch ‚Oh, sie hat Talent, sie darf das'. Wir haben nicht das Talent von Beyoncé, deshalb können wir als ehemalige Sexarbeiterinnen kritisiert werden", sagte Rose weiter in dem Interview.

In einem ausführlichen Essay, den Kim Kardashian am Weltfrauentag auf ihrer eigenen Website veröffentlicht hat, beschreibt sie, wie das Video, das sie gemacht hat und das ohne ihr Einverständnis geleakt wurde, die Debatte um ihre Person bestimmt. „Ich habe in Scham und Angst gelebt. Dann habe ich entschieden, dass es mir egal ist; dass ich mich bessern will und mein Leben weiterleben will. Ich sollte mich nicht ständig verteidigen müssen, meine Erfolge auflisten, nur um zu zeigen, dass ich besser als das bin, was vor über 13 Jahren passiert ist", schrieb sie.

Amber Rose kämpft dafür, dass Sexarbeit sein Stigma verliert und legt Sexismus durch Dialog und Überbetonung offen. Kürzlich hat sie Kim Kardashian eingeladen, am nächsten SlutWalk teilzunehmen. Der SlutWalk ist ein Protestmarsch für Emanzipation, bei dem Frauen, die Opfer von sexueller Belästigung, Körperverletzung und Missbrauch wurden, gemeinsam demonstrieren.

In einer amerikanischen Talkshow im letzten Monat klärte sie die Moderatoren Rev Run und Tyrese darüber auf, dass der Kleidungsstil nichts mit der Einwilligung zu Sex zu tun. Als GQ den verharmlosenden und sexistischen Artikel veröffentlichte, hielt Rose mit ihrer Verärgerung nicht hinter dem Berg. Sie hat das Magazin wissen lassen, warum der Artikel so schädlich ist. „Ich war einfach wütend und wollte sie zur Rechenschaft stellen. Es war mir egal, ob ich nie wieder in der GQ erscheine. Jeder stand in der Sache hinter mir. Jetzt verstehen sie es. Sie bezeichnen mich nicht mehr so", sagte sie.

Credits


Text: Emily Manning
Foto: Paul Buck via EPA