kreativ zu sein bedeutet nicht, dass du pleite sein musst

Herzlichen Glückwunsch, du bist nicht länger Student oder Praktikant. Jetzt musst du nur noch herausfinden, wie du tatsächlich Geld verdienst.

von Wendy Syfret
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28 Juli 2016, 12:51pm

Es gehen viele coole Dinge damit einher, in der Kreativbranche zu arbeiten. Gute Bezahlung gehört meistens leider nicht dazu. Wenn du nicht länger Student oder Praktikant sein sondern ein Erwachsener mit richtigem Einkommen werden willst, kann es knifflig sein, über Geld zu reden. Die Wahrheit ist, viele von uns werden mit Erfahrung oder kreativer Freiheit bezahlt; und umsonst zu arbeiten ist Teil eines jeden frühen Arbeitslebens. Es ist jedoch wichtig zu wissen, wann du sagen solltest, dass es genug ist und die Hand aufhalten solltest.

Wir wissen, dass Geld kein einfaches Thema ist. Wir wissen auch, dass es nicht leicht ist, für angemessene Bezahlung einzustehen. Um dir dabei zu helfen, dich in der manchmal merkwürdigen Welt des Geldes zurecht zu finden, haben wir mit Kreativen aus Kunst, Musik und Verlagswesen gesprochen, um zu erfahren, wie sie sichergehen, vernünftig bezahlt zu werden.

Wann änderst du dich?
Wenn du anfängst und es in Ordnung für dich ist, umsonst zu arbeiten, dann sind die Jobs zahlreich. Aber nach einer Weile musst auch du Geld verdienen, um im Geschäft zu bleiben. Das Wichtigste, was du dir hier merken solltest, ist, dass dieser Prozess nicht merkwürdig sein muss. Wenn du dich so verhältst, dass du dich wohl fühlst, dann werden sich alle anderen auch so fühlen. Musikerin Martha Brown, aka Banoffee, erinnert sich daran, dass sich die Leute entspannt haben, als sie anfing, locker und mit Autorität über Geld zu sprechen.

„Ich habe mir vorher überlegt, was ich sagen werde und womit ich mich wohl fühle, und sie im Prinzip wiederholt", sagt sie. Es half ihr, eine Liste an Fragen und Bedingungen zu erstellen, um diese Interaktionen zu normalisieren und mit der Zeit weniger einschüchternd zu machen. Es ist nicht nur gut für dich selbst, wenn du sicherstellst, bezahlt zu werden, es hilft auch all den nervösen jungen Leuten, die nach dir kommen. „Die Unterhaltung darüber, was Kreative für ihre Arbeit berechnen, wird so geheim geführt, dass daraus viel Unsicherheit entsteht", so Fotograf Ben Clements. „Das wirkt sich auch auf andere Leute aus und erschafft eine neue Basis, wie Leute bezahlt werden." Wenn du auf dich selbst achtest, dann hilfst du auch, einen Standard zu erschaffen, durch den alle besser behandelt werden.

Was ist mit Preisen?
Herzlichen Glückwunsch, du hast den Mut aufgebracht, nach Geld zu fragen. Aber wie viel ist angemessen? Das ist wahrscheinlich der schwierigste Teil, weil es keine festgelegte Antwort gibt. Abhängig davon, wo du wohnst, deiner Branche, deinen Fähigkeiten, deinen Erfahrungen und deinem Klienten kann der letztendliche Verdienst sich massiv unterscheiden. Die einzige Lösung ist hier, Recherche zu betreiben und viele Fragen zu stellen.

Ben erinnert sich: „Ich habe mit Leuten gesprochen, die ähnliche Arbeiten wie ich gemacht und mit ähnlichen Klienten gearbeitet haben. Auch das Internet ist dabei hilfreich." Es ist wichtig, sich mit Leuten auszutauschen, die in verschiedenen Bereichen deiner Branche arbeiten, da sie verschiedene Sichtweisen haben. „Ich habe Manager und andere Künstler auf einem ähnlichem Level wie meinem gefragt", so Martha.

Realistischerweise wirst du trotzdem (manchmal) ohne Bezahlung arbeiten
Egal, wie erfolgreich du wirst, die Chancen sind hoch, dass du trotzdem manchmal gebeten wirst, ohne Bezahlung zu arbeiten. Und manchmal lohnt es sich auch. Einige Projekte bieten vernünftige Alternativen wie Erfahrung, kreative Freiheit oder die Chance, der Community etwas zurückzugeben. In diesen Fällen ist es nur eine Frage, die Balance zu halten, sodass du die Arbeit machen kannst, die du magst, und trotzdem deine Miete bezahlen kannst.

Autorin Sinead Stubbins findet, dass es in Ordnung ist, umsonst zu arbeiten, wenn die Arbeit „dir genug Erfahrung und Spaß bringt, um sie damit zu rechtfertigen, und du nicht das Gefühl hast, ausgenutzt zu werden". Sie fügt hinzu: „Denk daran, wenn du kein Geld bekommst, dann solltest du trotzdem etwas daraus ziehen können, das von wert ist, wie Erfahrung, Netzwerke, Uni-Credit oder Kleidung, die du dir sonst nicht leisten könntest."

Zeit kann auch ein cooler Weg sein, um mit deiner Community in Kontakt zu kommen. Martha sieht dies so: „Einige der besten Arbeitsumfelder sind voller Freiwilligen—Leute arbeiten besser, wenn sie es machen, weil sie es wollen." Sie ist regelmäßig in den Line-ups von Nonprofit-Shows oder -Events zu finden, aber dies ist ein Luxus, den sie sich erlauben kann, weil sie sichergeht, dass sie den Rest der Zeit angemessen bezahlt wird. „Jetzt, da ich mich für Shows bezahlen lasse, habe ich viel mehr Kapazitäten für Shows, bei denen ich nicht bezahlt werde, weil die größeren für die kleineren Shows mit bezahlen."

Stell sicher, dass du die Umsonstarbeiten zwischen die Projekte steckst, durch die du Geld verdienst. Sinead sagt: „Du musst einfach vorsichtig sein, deine Arbeit nicht zu gering zu schätzen." Frag dich selbst: ‚Werde ich nicht bezahlt, weil es nicht möglich ist oder weil sie das so wollen?' Wenn du zu viel gratis anbietest, kann sich das auf die Möglichkeiten, in Zukunft um Geld zu bitten, auswirken. „Du solltest so etwas nicht zu viel machen, es wird schwierig und du bleibst arm", so der bildende Künstler Gian Manik.

Nimm dich vor Gegenleistungen und Geschenken in acht
Wenn Leute dir Alternativen wie Kleidung, Tickets oder Publicity anstatt Geld anbieten, solltest du das hinterfragen. Wenn es etwas wirklich Besonderes ist, das du dir sonst nicht leisten könntest, dann denk darüber nach—aber lass es nicht ausufern. Gian sagt: „Viele Künstler tauschen ihre Arbeiten ein, was toll ist, außer, wenn du denkst, dass es Mist ist. Es ist deprimierend, viele Dinge zu haben, die du gar nicht haben willst, wie irgendeine spezielle Art von Salz." Martha stimmt zu: „Zu Beginn macht es Spaß, aber dann wird es zu viel! Ich werde von all den gratis Sachen nicht satt und sie können meine Miete nicht bezahlen. Für mich ist das ähnlich, wie ohne Bezahlung zu arbeiten. Es kann heikel werden. „Lass dich auch nicht als dauerhaftes Angebot darauf ein. „Wenn du eine längere Beziehung mit einem Kunden hast, dann sollte er dich wirklich bezahlen", kommentiert Sinead.

Lass dich bezahlen, um respektiert zu werden
Wenn wir uns ehrlich sind, befriedigt Geld noch mehr als deine Grundbedürfnisse: Es sichert dir etwas Immaterielles. Einen Preis festzulegen hilft dabei, eine Beziehung mit deinem Auftraggeber aufzubauen und festigt deine Rolle und deinen Ruf. „Wenn ich mich selbst als Künstlerin nicht ernst nehme, wer macht es dann?", sagt Martha. „Diese Leute kennen das Spiel und sie wollen, dass du denkst, du würdest sie brauchen. Wenn du ihnen aber sagst, dass du Geld willst, dann werden sie dich dafür respektieren."

Geld bringt neue Verantwortung mit sich
Wenn dich jemand bezahlt, dann erwartet die Person ein Level an Professionalität, für das du bereit sein musst. „Ich war so schlecht, als ich anfing", erinnert sich Ben. „Ich hatte nie Verträge, ich habe nie Bedingungen kommuniziert und was erwartet wird." Er rät, dass du dich mit deinem Klienten so gut es geht bekannt machst, damit du sicherstellen kannst, dass du die Erwartungen erfüllst, für die er dich bezahlt. „Erarbeite einen Fragenkatalog, den du Klienten jedes Mal zukommen lassen kannst. Betrachte deine Arbeit aus jedem Blickwinkel und Detail, schau nach Lücken, durch die Dinge nicht funktionieren, und wie du dich verbessern kannst."

„Jede kreative Arbeit benötigt einen gesunden Körper, einen gesunden Geist und angemessene Bedingungen, um zu wachsen", fasst Martha zusammen. „Um Bezahlung zu bitten bedeutet professionelles und persönliches Wachstum. Wenn du einmal die Frage gestellt und den ersten Lohn bekommen hast, fühlst du dich so super und zack! bist du nicht länger Praktikant!"

Credits


Text: Wendy Syfret
Foto: Imago/Entertainment Pictures

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