perfume genius würde für eine kollaboration mit mariah carey sterben

Die Band, auf die wir uns beim Primavera Sound in Barcelona am meisten freuen, ist eindeutig Perfume Genius. Wir haben sie vorab getroffen und mit ihnen über ihre Kollaboration mit dem kreativen Wunderkind SSION, High Heels und Gefühle gesprochen.

von Alice Newell-Hanson
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28 April 2015, 8:15am

Wenn man sich Interviews mit Mike Hadreas durchliest, stellt man sich einen Typen vor, der jeden Moment zu Wasser zerfließt und im Pool mit seinen eigenen Tränen badet. Journalisten beschreiben den in Seattle lebenden Sänger, besser bekannt unter seinem Bühnennamen Perfume Genius, als „fragil" und „melancholisch". NME hat sein erstes Album Learning als „Reiß-dir-deine-Zehennägel-aus-Trostlosigkeit" beschrieben. Hadreas selbst hat seinen Song „17" von seinem zweiten Album Put Your Back N 2 It als „schwulen Abschiedsbrief bezeichnet".

Aber wenn du dir sein Video zur Single „Queen" - die großartige Single von seinem dritten Album Too Bright - anschaust, fragst du dich, ob das nicht alles Missverständnisse sind. Mit seinem Outfit und Grinser sieht er eher wie jemand aus, den du anrufst, wenn du bis 6 Uhr morgens tanzen gehen willst. Obwohl der Text von derselben Traurigkeit wie in früheren Songs geprägt ist („Don't you know your queen? / Cracked, peelin', riddled with disease"), die Verzweiflung hat sich in Wut und Trotz verwandelt - teilweise zumindest. Der Sound ist düster, krachend, Synthie-geladen und ausgelassen.

In einer Szene im Musikvideo stolziert er in High Heels auf einem Konferenztisch und stopft Hummer in die Gesichter der Anzughengste. Hadreas wehrt sich gegen den Druck im Musikbusiness, „weniger schwul" zu sein. Diese Szene (sogar das ganze Album) ist direkt, ehrlich und brutal.

Dein Künstlername Perfume Genius erschien zuerst auf deiner MySpace-Seite. Wieso nennst du dich so?
Als ich mein MySpace-Profil erstellt habe, schaute ich den Film Perfume. Ein Freund von mir machte sich über den Film lustig (das Buch ist aber gut!) und nannte die Hauptdarstellerin „a fucking perfume genius"! Als ich das Profil erstellt habe, habe ich keinen Gedanken daran verschwendet, einen Plattenvertrag zu bekommen, und dass der Name hängen bleiben würde erst recht nicht. Also habe ich mir nicht viel Gedanken darum gemacht. Es wäre noch peinlicher, wenn es tatsächlich Absicht gewesen wäre. Das hätte so überheblich geklungen. Ich habe mal sehr viele ernsthafte Bücher gelesen.

Was inspiriert dich außer Musik noch?
Viele Filmemacher: David Lynch, Lars von Trier, Michael Haneke. Ich lese auch viele Gedichte. Seitdem ich Musik mache, höre ich eigentlich nur noch Top 40, schaue nur Trash-TV und lese Trash-Bücher. Ich weiß nicht, was passiert ist! Ich nehme an, dass mein Bedürfnis nach Zerstreuung größer geworden ist. Die Entspannung, die ich gesucht habe, und die düsteren Sachen; das mache ich jetzt alles alleine.

Was hast du als Kind gehört?
Viel Mutti-Musik. Als ich dann 12 oder 13 war, bekam ich eine CD von Liz Phair und fing an, mich wirklich für Musik zu interessieren. Ihre ersten Alben waren für mich als Kind eine große Sache. Ich habe auch traurig-weinerliche Typen wie Elliot Smith gehört. Und die Breeders sind wahrscheinlich immer noch meine Lieblingsband. Ich war auch von Cat Power besessen. Wenn sie jemals einen Song live im Radio gesungen hat, dann hatte ich das auf meinem Discman aufgenommen und habe daraus einen Mix gemacht.

Wie sieht dein Aufnahmeprozess jetzt aus?
Für Too Bright habe ich ein Haus gemietet und alle Songs in einem kleinen Raum geschrieben. Das war ein schräger Prozess. Davor war ich mit meinem zweiten Album auf Tour und mein Ego hätte nicht größer sein können. Ich hatte keine Zeit, die ganzen Eindrücke zu verarbeiten; dass ich plötzlich eine Karriere habe; dass sich ein Musiker bin und Konzerte gebe. Als ich nach der Tour nach Hause kam, blickte ich erstmals auf das zurück, was ich erreicht hatte. Es war ein viel bewussterer Prozess bei Too Bright und mir war klar, dass ich es mit zig Leuten teilen werde - mit Fans, aber auch mit Leuten, die es vielleicht hassen werden.

Du hast auch mit Adrian Utley von Portishead zusammengearbeitet, oder?
Ich habe mein zweites Album im englischen Bristol aufgenommen, zusammen mit dem Produzenten Ali Chant. Als ich die Demos für das Album gemacht hatte, habe ich sie Ali geschickt und gefragt, ob er vielleicht Ideen hätte. Er hatte Adrian im Kopf, wegen der ganzen Synthie-Sounds, mit denen ich gearbeitet habe, und wegen der düsteren und hässlicheren Qualität einiger meiner Songs. Wir fingen an zu schreiben und zu skypen.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Cody Critcheloe von SSION, der Regie beim Musikvideo zu „Queen" führte?
Ich bin einfach ein Fan von ihm. Ich habe ihn online angeschrieben. Wir waren Internetfreunde. Er ist toll. Als es um das Video ging, wollte ich etwas Verrücktes und Cooles machen und er ist nur mal der Verrückteste und Coolste.

Was waren die anfänglichen Ideen für das Video?
Das Video ist einfach voller schrägem Scheiß! Wir haben uns verrückte Ideen hin und her geschickt und sie in einer traumhaften Collage zusammengefügt. Aber meine Hauptidee war die Szene im Konferenzraum und diese weißen Typen in Anzügen zu terrorisieren. Ich habe nichts gegen ein bisschen Tuntigkeit, aber die Szene sollte auch unheimlich und kinematisch wirken. Ich finde, dass ein Mix aus seriös und lustig gut ist.

Hat es Spaß gemacht, diese Szene zu filmen?
Ich will so etwas jeden Tag machen. Das wäre wie Sport für mich. Natürlich mache ich das nicht, aber es wäre eine Art Erlösung.

Nachdem du jetzt mit Adrian und Cody zusammengearbeitet hast, wer steht als Nächstes auf deiner Liste mit Traumkollaborationen?
Ich bin einfach ehrlich. Die erste Person, an die ich gedacht habe, ist Mariah Carey. Ich weiß nicht, was wir zusammen machen würden. Aber Mariah: Das ist einfach ein Bauchgefühl.

Live kannst du Perfume Genius am 29. Mai 2015 im Zuge des Primavera Sound 2015 sehen. 

@perfumegenius

Credits


Text: Alice Newell-Hanson
Foto: Matthew Leifheit