Foto: Screenshot von YouTube aus dem Video "Eternal Sunshine of the Spotless Mind Trailer" von Kevin Grin

So lernst du, nach einer Trennung richtig loszulassen

Liebe tut manchmal weh, aber Trennungen haben tatsächlich auch positiven Seiten. Diese Erkenntnisse hält die Wissenschaft zu deinen Gefühlen bereit.

von Doug Main
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02 Januar 2018, 3:31pm

Foto: Screenshot von YouTube aus dem Video "Eternal Sunshine of the Spotless Mind Trailer" von Kevin Grin

Ich habe vor Kurzem eine schmerzhafte Trennung durchgemacht, die sehr unerwartet kam. Im Laufe dieser Zeit habe ich aber auch ein paar harte Wahrheiten gelernt und musste herausfinden, wer ich bin und was ich eigentlich will. Weil ich mich für Wissenschaft interessiere, habe ich mich gefragt, wie Psychologen dieses Phänomen erklären. Was ich dabei herausgefunden habe, möchte ich dir selbstverständlich nicht vorenthalten.


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Ihr werdet Stimmungsschwankungen erleben
Im Vergleich zu anderen Trennungen war dieses Mal eines besonders auffällig: wie schnell und unvorhersehbar sich meine Stimmung änderte. In einem Moment fühlte ich mich gut und dachte mir, dass es trotz allem das Beste war. Im nächsten übernahmen andere Gedanken die Kontrolle und ich fühlte mich wieder traurig und habe daran gezweifelt, ob es die richtige Entscheidung war. Solche Gefühle und Gedanken sind völlig normal. Aber was verursacht diese Stimmungsschwankungen?

Grace Larson, Doktorandin an der Northwestern University erklärt mir, dass uns enge Partner dabei helfen, unsere Emotionen, unseren Rhythmus – also wann wir schlafen, wann wir aufwachen und wann wir Hunger haben –, und andere Aspekte unseres Körpers zu regulieren. Wir sehen im Partner eine "Bezugsperson", durch die wir uns sicher fühlen und mit der wir viele Aktivitäten teilen. Wenn diese Beziehung vorbei ist, gerät unser Alltag durcheinander, wir verlieren unsere Struktur. "Deshalb macht es Sinn, dass unsere Gefühle ohne diese Beziehung für eine Weile außer Kontrolle geraten."

"Trennungen sind – wie andere Lebensumstände auch – eine Mischung aus positiven und negativen Erfahrungen", sagt Gary Lewandowksi, Professor und Dekan der psychologischen Fakultät der Monmouth University. "Auch wenn man traurig über das Beziehungsende ist, hat eine Trennung auch etwas Positives: mehr Zeit, um sich mit sich selbst und anderen auseinanderzusetzen. Das gilt auch, wenn man derjenige ist, der sich getrennt hat", so Lewandowski weiter. "Zwar kann man sich dann besser fühlen, weil man auf das Ende vorbereitet war, trotzdem wird man negative Emotionen und Gewissensbisse dem Partner gegenüber empfinden und sich fragen, ob das die richtige Entscheidung war."

Ihr werdet körperliche Schmerzen spüren
Zu den negativen Emotionen bei einer Trennung gehört der Schmerz. Untersuchungen haben gezeigt, dass ein emotionaler Verlust im Gehirn genauso verarbeitet wird wie körperlicher Schmerz. In einer in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichten Studie aus dem Jahr 2011 haben Wissenschaftler die Gehirnaktivitäten der Teilnehmer gemessen, während sie sich Bilder ihrer Ex-Partner ansehen mussten, von denen sie sich erst kürzlich getrennt hatten. Danach haben sie die Probanden einer schmerzhaften, aber nicht gefährlichen Hitze ausgesetzt. Beide Situationen wurden vom Gehirn auf ähnliche Art und Weise verarbeitet. "Diese Ergebnisse unterstreichen, dass Trennungen schmerzhaft sind", schlussfolgerten die Wissenschaftler.

Ihr werdet Entzugserscheinungen haben
Neben Schmerz spürt man auch eine Art Entzug. Untersuchungen legen den Schluss nahe, dass Liebe wie süchtig machende Drogen für das Gehirn wirkt und ihr Verlust ähnliche Effekte wie ein Entzug hat. Ich mag diesen Vergleich nicht, weil etwas Gesundes und Lebensbejahendes mit etwas Destruktivem in Verbindung gebracht wird. Unabhängig davon existieren tatsächlich biochemische Parallelen zwischen der Liebe und einer Drogen-Abhängigkeit sowie zwischen einer Trennung und einem Entzug. Trotzdem gehören Sport und Freunde zu den Dingen, mit denen man diese Zeit besser übersteht.

Ihr müsst euch selbst neu justieren – und darüber sprechen
Wenn man mit jemandem eine intime Beziehung eingeht, kann sich die eigene Identität dadurch verändern – das ist an sich wenig überraschend. Ich habe eine Frau gedatet, deren Familie mir sehr deutlich gemacht hat, dass sie der Liebe nicht zustimmen würden, solange ich nicht zum Judentum konvertiere. Auch wenn die Beziehung letzten Endes gescheitert ist, habe ich dennoch ernsthaft über eine Veränderung meiner Identität nachgedacht. Zu den größten Herausforderungen einer Trennung gehört daher die Beantwortung der Frage: Wer bin ich jetzt ohne meinen Partner?

Psychologen nennen diesen Prozess "Self-Concept Reorganization" oder die Erneuerung des Ichs. Für eine Studie, die in der Zeitschrift Social Psychologial and Personality Science veröffentlicht wurde, haben Grace Larson und der amerikanische Psychologe David Sbarra ein Experiment mit 210 Studierenden durchgeführt. Die Teilnehmer mussten sich im Labor voneinander trennen. 120 der Studierenden haben im Verlauf von neun Wochen vier Mal mit den Wissenschaftlern über ihre Trennung gesprochen und ihren Blutdruck dabei messen lassen. Mit den restlichen 90 Studenten wurde lediglich am Anfang und am Ende des Experiments das Gespräch gesucht. Die erste Gruppe hat besser abgeschnitten – bei ihnen wurden weniger "Probleme mit der eigenen Identität im Verlauf des Experiments" beobachtet. Mit anderen Worten: Die Probanden in dieser Gruppe waren sich bewusster darüber, wie ihre Identität jenseits ihres Ex-Partners aussieht. Ob man nun mit einem Psychologen über seine Trennung redet oder nicht, eins steht fest: Es hilft, sich Freunden und Familie zu öffnen und darüber zu sprechen, was man durchmacht. Das dient nicht nur der emotionalen Unterstützung, sondern auch dem kognitiven Verarbeitungsprozess.

Eine Zurückweisung beeinflusst tatsächlich euer Herz
Eine Trennung beschäftigt nicht nur das Gehirn, sondern den ganzen Körper. Die Zeitschrift Psychological Science hat 2010 einen Artikel über ein Experiment veröffentlicht, in dem Wissenschaftler den Probanden Bilder von Unbekannten gezeigt haben. Nachdem den Teilnehmern gesagt wurde, dass sie von der Person auf dem Bild ausgemustert wurden, sank ihr Puls. Die Ergebnisse legen eine Störung des parasympathischen Nervensystems nahe, das den Körper im Ruhezustand reguliert und für die Erholung zuständig ist.

In einem anderen Experiment, der Artikel ist im Psychosomatic Medicine erschienen, haben die Psychologen 70 geschiedene Männer und Frauen untersucht. Die Teilnehmer wurden gebeten, über ihre Scheidung zu sprechen. Dabei wurde ihr Blutdruck gemessen. Bei den Männern, die immer noch traurig über die Scheidung waren, wurde ein Anstieg des Blutdrucks beobachtet, bei den Frauen blieb die Werte hingegen gleich.

Es hilft, Emotionen auszuleben
Egal wie lange man mit einer anderen Person zusammen war, die Trennung ist immer schwer. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass man nach einer Trennung gestärkt und mit einem besseren Selbst-Bewusstsein rausgeht, liegt höher, wenn man weiß, wer man ist und was man will. Laut Wissenschaftlern ist die beste Art, mit einer Trennung fertig zu werden, wenn man sich selbst erlaubt, die Emotionen auszuleben, anstatt vor ihnen wegzulaufen. Diese These stützen auch die Untersuchungen von Gary Lewandowski. "Über das Erfahrene zu schreiben und sich besonders auf die positiven Aspekte zu konzentrieren, fördert eine positive Gefühlswelt nach einer Trennung", so der Psychologe.

Und dann gibt es auch noch den größten Faktor: Zeit. Die Zeit heilt bekanntlich alle Wunden. Die Dauer ist bei jedem unterschiedlich, schließlich ist jede Person und Situation anders. Doch die gute Nachricht zum Schluss: Laut wissenschaftlicher Untersuchungen überschätzen die meisten Menschen die Dauer, wie lange sie brauchen, um über eine Trennung hinwegzukommen. Und mit ein bisschen Glück wird die nächste Beziehung auch noch besser. Um es mit Adeles Worten zu beschreiben: "Sometimes it lasts in love, but sometimes it hurts instead."

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

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