Bilder aus einem verborgenen Hippie-Paradies

Eine Gemeinschaft aus Freigeistern veranstaltet seit 25 Jahren jeden Sommer an der Ostküste Englands einen sechswöchigen Rave. Fotografin Lucy Ridgard war dabei.

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Sep. 21 2017, 8:54am

Teile von East Anglia, der östlichen Ausbuchtung von England, wirken noch immer fast unberührt. Moore und weichen Dünen zeichnen die Landschaft und an den Stränden ist es so windig, dass man immer Angst haben muss, etwas zu verlieren. Auf einem dieser Strände treffen sich jedes Jahr Familien und Freude, um gemeinsam den Sommer zu verbringen. Sie kommen mit Wohnwagen oder Wohnanhängern und errichten im Freien ihr Zuhause für die kommenden Wochen. Ihre Siedlung reicht bis runter ans Wasser.


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"Man kommt da einfach hin und ist unglaublich frei. Man muss sich keine Sorgen darüber machen, was für spießige Leute neben einem campen", sagt die Fotografin Lucy Ridgard, die dort diesen Sommer fotografiert hat. Sie erzählt von einer alten Frau, die in den Dünen mit einen Hula-Hoop-Reifen spielt, einen Mann, der einen Vogel als Haustier hat, und einer Frau, die alle nur Sheriff nennen, weil sie den Ort von "schlechtem Juju" freihält, wie sie selbst sagt.

Das Camp muss man sich als Musikfestival vorstellen, allerdings ohne die Bühnen und die Infrastruktur, erklärt Ridgard. Die Atmosphäre sei eher so wie Christiania, nur eben als Camping. Außer von dem einen Mal, als eine Campingtoilette Feuer gefangen hat und die Polizei aus einem Ort in der Nähe anrücken musste, geht es sehr ruhig zu. "Die Community ist sehr eng. Jeder passt auf den anderen auf." Kinder rennen rum, spielen mit den Hunden und jagen die freilaufenden Hühnern vom Bauernhof nebenan.

"Es ist hier schon wie auf einem Rave, aber es dominiert auch stark der Gedanke, sich eins mit der Natur zu fühlen und spirituell zu fühlen", sagt Ridgard. "Die Sonnenuntergänge sind wunderschön und der Nachthimmel ist so klar. Wir haben dieses sogar einen Meteoritenschauer gesehen." Eine Gruppe von Robben lebt am Strand und eine schwimmt davon sogar manchmal mit den Menschen.

Fotografin Lucy Ridgard nennt mittlerweile London ihr Zuhause, sie ist aber in Suffolk aufgewachsen, wo viele Familien ihrer Freunde in den 80ern in Kommunen gelebt haben. "Wir sind auf Partys in den Kommunen gegangen", erinnert sie sich. "Meine Arbeiten haben viel mit meiner Jugend zu tun." Durch Freunde hat sie von dem Camp erfahren. "Jeder kennt da irgendwie jeden. Das sind Leute, die in den 60ern und 70ern als Hippies bezeichnet worden wären."

Lucy durfte die Camper nur unter der Bedingung fotografieren, dass sie den Ort nicht verrät. "Weil ich die ganze Zeit rumgelaufen bin und fotografiert habe, habe ich am Schluss jeden gekannt und die Leute haben mir ihre Geschichte erzählt. Eine der Frauen, Jess, hat für i-D in den frühen 90ern gemodelt und war danach Teil eines Wanderzirkus'. Sie traf auch den Aktivisten Will, der eine Pferdebox sein Zuhause nennt und der extra aus Spanien hierher gekommen ist. Den Rest des Jahres verbringt er in Spanien. Und eine Krankenschwester ist jeden Tag zwischen dem Camp und ihrem Job gependelt. Es gibt so viele, die immer wieder kommen."

Auf einem ihrer Streifzüge hat ihr einer der Besucher gesagt, "dass das ganze Camp am Trippen ist". Die Leute hätten in diesen Feldern ihre Kinder gezeugt, sogar die Hunde wurde hier geboren. Ob das jetzt alles wahr oder ist, kann auch Lucy nicht bestätigen. Das Gras hätte wohl besonders gute Eigenschaften hier, antwortet sie lachend und sagt, dass sie nächstes Jahr auf jeden Fall wiederkommen wird.

@lucyridgardphotography

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.