Pornhub präsentiert… einen Dokumentarfilm über einen queeren Stripclub der Nullerjahre

Der Nischenhit ‘Shakedown’ von Leilah Weinraub ist nach einer schwarzen lesbischen Striptease-Clubnacht in Los Angeles benannt.

von Douglas Greenwood
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23 März 2020, 5:00am

Leilah Weinraub/Shakedown

Vorbei die Zeit, als so genannte Pornofilme von den hohen Weihen der Kunstwelt kategorisch ausgenommen waren: Im Jahr 2020 ist alles erlaubt. Porno, so stellt sich heraus, kann genauso künstlerisch wertvoll sein wie ein legendäres Caravaggio-Gemälde, und auch die Räume, in denen Pornografie existiert—von geilen Webseiten bis zu seriösen Galerien—sind im Wandel begriffen.

Richtig gehört: Pornhub, unser aller liebste Masturbationsvorlage, hat eben bekannt gegeben, dass sie diesen Monat einen experimentellen Dokumentarfilm veröffentlichen werden, angesiedelt im berauschenden Milieu queerer Stripclubs im Los Angeles der frühen 2000er Jahre.

Der Dokumentarfilm mit dem Titel Shakedown ist nach einer schwarzen lesbischen Striptease-Clubnacht in L.A. benannt; sie dient als Drehpunkt eines Films, der uns auf eine schwindelerregende Tour durch die Striptease-Kultur der Ära führt. Es ist eine pulsierende Collage von Szene aus dem Leben von Sexarbeitern, mit einer bunt gemischten Truppe von Tänzern in den Hauptrollen—Transfrauen, schwule Cismänner, Frauen—, die Regisseurin Leilah über einen Zeitraum von 15 Jahren begleitet hat. Der Film erreicht Pornhub, nachdem er als Teil von Kunstinstallationen am MoMa in New York und am Londoner Institute of Contemporary Arts (ICA) zu sehen war. Auf dem Porno-Onlineportal erlebt der Film nun eine zweite Blüte. Denn beim Versuch, den Film auf anderen Websites zu platzieren, hatte Leilah überall mit Zensurmaßnahmen gegen Nacktheit zu kämpfen.

“Es kommt öfter vor, dass Künstler Content auf die Seite hochladen, der an Orten wie YouTube oder Vimeo, die Nacktheit untersagen, keinen Platz findet”, erklärte Alex Klein, der Brand Director von Pornhub, gegenüber Variety. “Aber eine Spielfilmpremiere ist etwas Neues für uns. Wir sind sehr begeistert darüber.”

Obwohl das Unternehmen schon in der Vergangenheit aus dem Pornogeschäft in neue Märkte eingebrochen ist—mit der Premiere von Musikvideos von Brooke Candy zum Beispiel, oder der Zusammenarbeit mit Modemarken wie Namilia und Hood By Air für ihre SS17 Shows—, ist dies das bislang ambitionierteste Projekt, wenn es darum geht, die Grenzen auszutesten, was herkömmliche Pornoseiten zu leisten vermögen.

“Es gibt im Moment mehr Gelegenheit, Filme in Kunstkontexten zu zeigen”, sagt Leilah. “Es gibt mehr Offenheit gegenüber Vielfalt und Content, und gegenüber verschiedenen Arten, eine Geschichte zu erzählen.” Der Film wird auf Pornhub seine Online-Premiere feiern, wo er für einen Monat gratis gestreamt werden kann, um hinterher, was nicht der Ironie entbehrt, ins prätentiöse Arthouse-Reich des Criterion Channel überzuwechseln—in direkte Nachbarschaft der Sonderbarkeiten eines Wes Anderson. Ein Beweis mehr (wenn wir ihn denn bräuchten), dass Nacktheit die neue Norm ist, und Sexualität auf dem Bildschirm nicht länger schamvoll.

Klickt euch durch zur offiziellen Website des Films, wo ihr ihn ab sofort sehen könnt.

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