Kate Moss im Gespräch mit Kim Jones

Dior’s Bossman ist seit Jahren mit Fashion-Ikone und i-D-Coverstar Kate Moss verkumpelt. Seit Jahren! Für die Icons and Idols-Ausgabe unternahmen die beiden Ikonen und Idole einen Ausflug zum Strand, um gemeinsam ihre wilde, glamouröse und blühende Freund

von Felix Petty
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19 Februar 2020, 4:10pm

Dieses Gespräch erschien erstmals in der Icons and Idols-Ausgabe von i-D, Nr. 359, Frühjahr 2020. Bestell dein Exemplar hier.

Niemand kann sich so genau erinnern, wie Kate Moss und Kim Jones einander zum ersten Mal begegneten. Bekannt ist, dass sie die besten Fashion-Freunde sind, und zwar schon seit Langem—mindestens seit 2003, als Kim nach seinem Abschluss am Central Saint Martins College in London sein erstes Label gründete, das die Herrenmode revolutionieren sollte. Sie waren Mitverschworene während seiner Zeit als Kreativdirektor bei Dior, Dunhill und Louis Vuitton—legendär der Abschluss von Kims letzter Show für Vuitton, Arm in Arm mit Kate und Naomie. Es war ein triumphaler Moment—die Siegerrunde eines Designers, der die ganze Modewelt im Sturm erobert hatte.

Bevor Kim die höchsten Fashion-Höhen erklommen hatte, war er ein bescheidener Ladenjunge für Michael Kopelman bei Gimme Five, dem Kult-Unternehmen, das erstmals Supreme und Stüssy nach Großbritannien importierte, lange bevor sie zu den namhaften Marken wurden, als die sie heute bekannt sind.

Und es war Shawn Stussy höchstselbst, mit dem Kim für seine letzte Vorherbstkollektion für Dior zusammenarbeitete; für die spektakuläre Show in Miami Ende 2019 gelang es Kim, den Künstler-Designer aus seiner Semi-Rente zu locken. Es war eine Hommage an das Streetwear-Ethos, das Shawn maßgeblich geprägt hat, und das Kim auch heute noch— angekommen in der High-Fashion-Welt—inspiriert. Es war eine Show voll wilder, psychedelischer und glamouröser Americana, gesehen durch die Linse von Dior.

Es war so toll, dass wir Mario Sorrenti tags darauf einfach dazu bringen mussten, Kate am Strand mit der Kollektion abzulichten. Und dann baten wir Kate, Kim über seine neuesten, absolut fabelhaften Dior-Kreationen auszufragen...

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Kate trägt die Dior Herbstkollektion für Herren 2020.

Kate Moss: Also Kim, eigentlich soll ich ja dich interviewen, aber… reden wir über mich!
Kim Jones: Das ist ein ziemlich guter Anfang!

War nur Spaß! Was ich gern wüsste, Kim, ist, was dich am meisten gereizt hat als du bei Dior angefangen hast.
Es reizte mich, dass ich für ein Modehaus arbeiten würde, in einem Atelier, in einem der größten Häuser von Paris. Für mich sind die beiden großen Modehäuser Chanel und Dior: Erst für Louis Vuitton gearbeitet zu haben und hinterher zu Dior zu kommen, das war schon ein bisschen überwältigend.

Wie würdest du jemandem deine Arbeit für Dior beschreiben, der sie nicht kennt oder nie gesehen hat?
Meine Arbeit hat viel mit dem Haus zu tun, aber sie schaut auch darauf, was im Kulturbereich sonst so geschieht. Ich orientiere mich mehr an Kunst als an Mode, wenn es darum geht, wie die Dinge bei den Leuten ankommen, wie die Leute auf die Dinge blicken. Für mich ist das interessant. Mode ist toll und ich liebe es, mit ihr zu arbeiten, aber ich denke, heute brauchst du ein bisschen mehr als das. Das ist etwas, von dem ich mich inspirieren lasse. Ich schaue mir Kulturschaffende aus aller Welt an.

Es war großartig, Shawn Stussy hinzuzuziehen—er ist so ein guter Typ.
Oh mein Gott, er war traumhaft! Ich kannte ihn und war ihm auch schon mal über den Weg gelaufen, weil ich für Michael Kopelman gearbeitet habe und Michael betrieb Gimme Five, die Firma, die Stüssy in Großbritannien abgesetzt hat damals. Ich erinnere mich daran, wie ich mit vierzehn nach London kam, um in der Lagerhalle von Gimme Five ein T-Shirt für 35 Pfund zu erstehen—da gingen viele Stunden meines Tellerwäscher-Lohns drauf. Und dann kam Shawn zur Sommer-Show!

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Du warst also schon immer ein Riesenfan von ihm?
Ja, denn er ist eine echte Ikone unserer Ära. Ich hab meine Schulbücher mit seinem Logo eingedeckt.

Er war ein Pionier.
Mit ihm fing alles an. Weißt du, er ist schon so lange dabei, sogar vor James von Supreme oder Nigo von A Bathing Ape—sie alle sehen zu ihm auf und zollen ihm Respekt. Ich wollte außerdem etwas machen, das auf den amerikanischen Markt zielt. Man kommt nicht oft in die Gelegenheit, eine Show in Miami auszurichten, und so dachte ich, nun gut, dann mache ich es sehr amerikanisch, richtig fun. Es war keine klassische Dior-Schau.

Es hat echt Spaß gemacht und war so anders als die Shows in Paris. In Paris scheint immer noch das Atelier und die hohe Kunst der Couture durch. Natürlich wurden deine Entwürfe auch diesmal in Paris angefertigt, aber die Farben waren sehr “Miami”.
Ja, ich ließ mich von Art Deco inspirieren und sah mir all die Autos an auf den Werbeplakaten, die Christian Dior gemacht hat, als er noch am Leben war—ich dachte, das ist ein guter Ansatz. Und dann dachte ich, nun gut, nur weil in Miami gerade die Art Basel stattfindet, muss ich nicht gleich mit Künstlern zusammenarbeiten, aber ich denke, was Shawn macht, hat genau die Kühnheit, die wir bei Künstler suchen, die mit Dior zusammenarbeiten, und so sagte ich mir, lass uns mit Shawn arbeiten. Er hat zwar seit 1997 keine Kleidung mehr produziert, aber er schafft unglaubliche Sachen nur mit Stift und Papier, und das ist für mich Kunst. Dann dachte ich, ich mach was ganz anderes, und ich dachte, lass uns eine Jordans-Kollaboration machen, weil was würde Christian Dior heute interessieren? Sneaker und Apple und lauter so Sachen. Ich dachte, das ist ein unglaublich guter Ausgangspunkt.

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Wurdest du in Miami oft angehalten?
Ich werde überall oft angehalten heutzutage, aber es sind immer Leute, die meine Arbeit schätzen, und es ist schön, wenn die Leute mögen, was du machst. Mir gibt das richtig Energie. Ich mag es, wenn Menschen, die ich nicht kenne, meine Sachen tragen. Die Sneaker-Sache ist ein bisschen außer Kontrolle geraten, hat aber echt Spaß gemacht. Es sind meine berühmtesten Sportschuhe und ich trage sie die ganze Zeit.

Sie sind hinreißend. Ich bin eigentlich keine Turnschuhträgerin, aber ich würde sagen, mit diesen hier kann ich mich sehen lassen.
Du hast diese Schuhe in Miami gekauft!

Ja, ich weiß, aber ich habe dich kopiert!
Die Miami-Show war echt lustig, weil wir einfach mal was komplett anderes machen konnten—es musste nicht völlig Dior sein. Das war das Besondere daran.

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Es war so eine aufregende Atmosphäre! Aber alle deine Shows sind aufregend, weil du gern Grenzen austestest—in Miami mehr noch als sonst. Es waren so viele Leute dort, speziell um die Dior-Show zu sehen. Wahnsinn!
Es hat Spaß gemacht, und das ganze Studio war froh, an einem sonnigen Ort arbeiten zu dürfen. Wenn wir Pause machten zwischen den Anpassproben, saßen alle um den Pool herum und haben gequatscht. Ich arbeite sehr eng mit meinem Studio, wir kommen alle gut miteinander aus und machen Quatsch, darum war es schön, mal woanders mit ihnen zu sein als immer nur in Paris. Du lernst neue Dinge über deine Leute und dann kannst du besser mit ihnen arbeiten. Vorteile wohin das Auge reicht—es war fantastisch!

Hast du ein Lieblingsstück in der Kollektion?
Ich liebe die perlenbestickten Hemden. Und die Hüte, die Stephen Jones entworfen hat.

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Oh, ich liebe diese Hüte!
Und ich liebe die Stricksachen. Das war etwas, das wir vermutlich nirgendwo sonst und zu keinem anderen Zeitpunkt so gemacht hätten. Es war sehr psychedelisch, Americana-Vibes wie in den Sixties.

War da nicht auch dieses eine handgestrickte Stück, das eine Woche gebraucht hat, um fertig zu werden. Strickware hin oder her, es ist immer noch Haute Couture, oder?
Alles wird nach denselben Standards gefertigt. Wir hatten zum Beispiel Hemden, die in der Herstellung über 1200 Stunden in Anspruch genommen haben. Wir haben uns von amerikanischer Sportbekleidung inspirieren lassen, die für mich auch geschneiderte Elemente beinhaltet. Wir haben versucht, diesen Sixties-Vibe einzufangen, dieses glamouröse Hollywood-Ding—Marlon Brando in Kuba, oder James Dean in Miami. Christian Dior hat sich das in den 40ern und 50ern angesehen und für mich ist das die höchste Form von Glamour—im Flieger zu sitzen, rauchend, mit einem Drink in der Hand auf einem Riesensessel.

Du hast mit vielen Künstlern gearbeitet, die du verehrst, nicht wahr, aber ist da jemand—vielleicht sogar jemand, der nicht mehr unter uns weilt—, mit dem oder der du gern arbeiten würdest?
Nun ja, eine Person fällt mir sofort ein, oder eigentlich zwei. Und mit diesen beiden bin ich momentan im Gespräch—ich kann also noch nichts verraten!

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Oh wow!
Ich sag’s dir, wenn i-D nicht zuhört.

Okay. Wenn du mir einen Look aus der Kollektion schenken könntest, welcher wäre das und warum?
Warum nicht Look Nummer 3. Der, den Ludwig anhatte, mit dem metallenen Sattelbeutel, dem Strick, dem hübschen Hut und den Python-Shorts.

Oh ja! Den fand ich umwerfend!
Ich denke, es ist ein toller Look für einen Urlaubsspaziergang.

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Credits


Fotos Mario Sorrenti
Styling Alastair McKimm

Haare Bob Recine / The Wall Group (Rodin).
Make-up Kanako Takase / Streeters (ADDICTION Beauty).
Nägel Andrea Vieira.
Lichttechnik Lars Beaulieu.
Foto-Assistenz Mikhail Yusufov und Ido Eyo.
Digitaltechnik Kotaro Kawashima.
Styling-Assistenz Madison Matusich.
Make-up-Assistenz Megumi Onishi.
Produktion Select Production.
Produktion Roly Diaz und Julian Allison.
Casting Samuel Ellis Scheinman für DMCASTING.

Model Kate Moss / Kate Moss Agency.

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