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über das aufwachsen auf der leinwand

i-D's Treffen mit dem „Boyhood“ Star Ellar Coltrane.

von Francesca Dunn
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15 Januar 2015, 9:50am

Boyhood ist der wundervoll ehrliche über zwölf Jahre gedrehte Film von Richard Linklaters, der unsere Herzen eroberte und nun die größten Auszeichnungen der Filmbranche abstaubt. Nominiert für fünf Golden Globes, konnte er auch auch drei (Bestes Drama, Beste Regie und Beste Nebendarstellerin) mit nach Hause nehmen. Grund genug für i-D mit dem Kind, dem wir auf der Kinoleinwand beim Aufwachsen zugeschaut haben, zu plaudern. Ein sehr süßer und vernünftiger 20-jähriger Ellar Coltrane spricht über seine Dreherinnerungen, Lektionen von seinen Filmeltern und seinen Geburtstag am Burning Man.

Du hast während des zwölfjährigen Drehs keine Aufnahmen zu Gesicht bekommen. Es muss sehr emotional gewesen sein, diese dann zu sehen? 
Es war ein intensives Erlebnis. Das erste Mal war sehr kathartisch: pure Emotionen. Nicht negativ oder positiv, einfach alles zusammen. 

Hast du eine Lieblingsszene?
Das letzte Gespräch zwischen Mason und seinem Vater bedeutet mir sehr viel. Es hat so viel Spaß gemacht, die Szene, in der Mason Senior seine Kinder zum Baseball-Spiel und ins Museum mitnimmt, zu drehen. Aber die letzte Einsetellung war am wichtigsten für mich und der Dreh war unglaublich. Die Art und Weise, wie es im Film dargestellt wird, zeigt wie ich mich beim Dreh gefühlt habe. Es war einfach nur unglaublich.

Wann hast du die Filme von Patricia und Ethan zum ersten Mal gesehen und gedachte, wie cool sind die denn?
Vor dem Dreh haben mir meine Eltern ein paar von ihren Filmen gezeigt. So habe ich einen Eindruck bekommen, wer sie sind. Als Kind versteht man das Konzept Promi nicht wirklich, aber irgendwann kam dann der Punkt, an dem ich es begriffen habe. Sie sind sehr entspannt und ich habe mit ihnen über einen so langen Zeitraum eng zusammengearbeitet, dass sie immer einfach Freunde für mich waren und sind.

Was hast du von beiden gelernt?
So viel! Ich habe gelernt, mich auf neue Herausforderungen einzulassen und wie man zusammenarbeitet. Es war mehr als bloßes Schauspielern, denn es ging darum Figuren zusammen zu entwickeln. Außerdem habe ich gelernt, die Schauspielerei als eine Art Therapie zu nutzen, als ein Mittel das eigene Leben durch den fiktiven Charakter kennenzulernen.

Wie gefallen dir die Premieren und Pressetermine?
Ich gewöhne mich langsam daran, aber da ich eine ziemlich reservierte Person bin, ist es merkwürdig, mit Fremden über mich selbst zu reden. Es kann in beide Richtungen gehen. Manchmal ist es stressig oder aber wie bei der Schauspielerei, kann es sehr therapeutisch wirken. Man muss es nur richtig angeht. Ich freue mich aber trotzdem, nach Hause zurückkehren zu können.

Wo ist zu Hause?
Austin. Ich plane auch nicht, so bald von dort wegzuziehen. Ich werde immer viel reisen, aber Austin fühlt sich nach Heimat an.

Wie sieht dein Alltag momentan aus?
Ich habe gar keinen. Die Frage ist schwierig zu beantworten, weil ich davor Vollzeit im Landschaftsbau gearbeitet habe und ein ziemlich normales Leben hatte … Ich weiß nicht … Ich schwimme viel?

Im Film möchte Mason Fotograf werden. Bist du daran persönlich interessiert?
Nicht mehr so stark wie früher. Als ich jünger war, hat es einen großen Teil meines Lebens ausgemacht, weshalb es auch im Film ein Thema ist. Jetzt bin ich mehr an abstrakter Malerei und Zeichnung interessiert.

Du bist jetzt 20 … Was hast du zum Geburtstag gemacht?
Ich war zum ersten Mal am Burning Man. Die Leute, mit denen ich da war, waren in einer Zigeunerband und sie haben mich mit auf einen dieser Kräne genommen, von denen man einen Überblick über die ganze Neon-City hat. Sie haben mir Songs über Zombies vorgespielt. Es war fantastisch. Das beste Geburtstagsgeschenk überhaupt.

Wenn Richard dir vorschlagen würde, Filme wie Boyhood für den Rest deines Lebens zu machen, würdest du mitmachen?
Ich weiß nicht, ob ich es für immer machen würde, aber ich habe die letzten zwölf Jahre sehr genossen. Wenn er die nächsten Jahre filmen möchte, dann würde ich auf jeden Fall ernsthaft darüber nachdenken.

Boyhood ist bereits auf DVD erschienen und läuft ab dem 22. Januar wieder in ausgewählten Kinos.

Credits


Text und Interview: Francesca Dunn