sobald sie ihre kleinen brüste bekam, konnte ich sie zeichnen

Die New Yorker Illustratorin Joana Avillez spricht über ihre Zusammenarbeit mit ihre Busenfreundin Lena Dunham, exzentrische Kleidung, falsche Fingernägel und die Kultfigur Eloise.

von Alice Hines
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08 Januar 2015, 8:15am

Photography Kathy Lo

Schuhe. Verräterisch lange Fingernägel. Blumen und Eierbecher als Hüte. Eloise. Lena Dunham. Am Anfang scheinen die Gegenstände und Personen in Joana Avillez' Illustrationen unbekannt, aber wenn du sie dir lange genug anschaust, entdeckst du die Ähnlichkeiten. „Ich zeichne gerne Leute, die verrückt aussehen, und damit okay sind", sagt Joana. „New York ist dafür eine sehr gute Inspirationsquelle."

Auf Joana trifft diese Beschreibung nicht ganz zu. Als ich die 28-Jährige in ihrem Loft im New Yorker Stadtteil Tribeca treffe, trägt sie einen maßgeschneiderten Overall und ein Gingham-Hemd - mehr Jane Birkin als verrückte, farbbeschmierte Künstlerin. Aber als New Yorkerin in vierter Generation kennt sie viele von der letzten Sorte. Eine Freundin der Familie hat sich die Haare für Jahrzehnte lila gefärbt. Eine Babysitterin hatte lange, beängstigend lange Fingernägel - Joana hat sie in frühenen Zeichnungen verewigt. Joanas Urgroßmutter, die Dichterin Blanche Oelrichs, war eine Exzentrikerin. In den Zwanzigern hätte man wahrscheinlich gesagt: „Sie trug nur maßgeschneiderte Anzüge und Krawatten. Sie war lesbisch."

In ihren Arbeiten lässt sich Joana von Freunden und von berühmten Mode-Exzentrikern wie Knight Landesman, Grace Coddington und Zandra Rhodes inspirieren, die sie auch für die Vogue und den New Yorker gezeichnet hat. Allgemein ist sie mehr an Style als an Mode interessiert. „Wirklich schöne Menschen geben keine gute Zeichnung ab. Faszinierender sind die Leute auf der Straße, die sich äußerlich so kleiden, wie sie sich innerlich fühlen." 

Ihre langjährige Freundin Lena Dunham gehört zu Joanas Lieblingsvorlagen. Die beiden kennen einander seit ihrer Vorschulzeit in Tribeca 1989. Joana hat sogar in Lenas Internet-TV-Sendung Delusional Downtown Divas mitgespielt. Über viele Jahre hatte Joana jedoch Problem Lena abzubilden. „Ich habe mich auf ihren Mund, oder etwas Anderes, konzentriert, aber es sah nie so aus wie sie", sagt Joana. „Sobald sie ihre kleinen Brüste bekam, konnte ich sie zeichnen. Illustrationen sind Karikaturen. Ich zeichne die Personen so, wie ich sie sehe und nicht wie sie wirklich aussehen."

Joanas bisher größtes Projekt umfasste mehr als 70 Zeichnungen von Lena, für deren Buch Not that Kind of Girl, das im Oktober erschienen ist. „Wir haben ein ähnliches ästhetisches Empfinden. Ich weiß, was sie anspricht", sagt Joana. In der Einleitung des Buchs ist zum Beispiel eine Zeichnung von Lena, die auf ihrem Kopf einen Eierbecher balanciert, zu sehen - eine Hommage an Eloise, die berühmteste Bewohnerin des Plaza Hotels und Kinderbuchheldin aus den 50ern. „Lena ist auf ihre Art Eloise", meint Joana. In einer Strecke für den New Yorker 2013 lebte Eloise statt im Plaza im Wythe Hotel in Brooklyn. Im Prinzip ist es „Girls" für 6-jährige. „Ich weigere mich total mein Adderall [ ADHS-Medikament] zu nehmen. Stattdessen hinterlasse ich es überall als Trinkgeld", sagt Eloise.

Während des Entstehungsprozess des Buches waren Lena und sie im ständigen Email Kontakt und tauschten sich über die Illustration aus. „Wir waren wie Brieffreunde", sagt Joana. Normalerweise sind ihre Aufträge mit nicht so viel Arbeit verbunden: ihre Zeichnungen erscheinen oft in Magazinen [unter anderem im Zeit Magazin], daneben gestaltet sie Einladungskarten und man kann sie als Live-Zeichnerin für Events buchen, wie beim Met Ball. „Ich mag, dass Illustrationen kommerziell sind", sagt sie. „Ich bezeichne mich selbst nicht als Künstlerin. Ich bin kein verrücktes Genie, dass auf Inspiration wartet."

Joanas Mutter ist die Künstlerin und Fotografin Gwenn Thomas. Ihr Vater, Martim Avillez, war Illustrator. Das Loft in der New Yorker Read Street, in dem Joana lebt, ist eigentlich ein Familienarchiv. Über den Schreibtischen hängen Bilder ihrer Mum und überall liegen Wasserfarben, Pinsel und Papierverschnitte. In den Regalen auf der anderen Seite des Raumes stehen tausende Bücher über Comics, Theorie und Kunst, die ihrem Vater gehörten. Bevor die Wohnung zum Avillez-Familien-Loft wurde, war es eine Nudelfabrik und davor der Herstellungsort für Kakaobutter.

So wie es schon bei Lena Dunham versucht wurde, läge es nahe Joanas Erfolg auf ihre berühmten Freunde und Künstlereltern zurückzuführen. Doch bei der originellen Qualitätsarbeit greifen solche Erklärungen schnell ins Leere. „Es hat eine Weile gedauert, bis ich begriffen habe, dass man das machen sollte, was man mag und nicht das, von dem man denkt, man mag es", sagt sie. „Alle Ideen stammen aus meiner Kindheit. Wenn mich etwas mit fünf Jahren begeistert hat, dann weiß ich, dass es wahrscheinlich gut ist."

joanaavillez.com
@joana_avillez

Credits


Text: Alice Hines
Fotos: Kathy Lo