diese fotografin hat überall auf der welt damentoiletten fotografiert

Vom australischen Outback über Sambia bis Tel Aviv, Maxi Cohen dokumentiert die weibliche Solidarität auf dem stillen Örtchen.

von i-D Staff
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05 April 2016, 7:45am

Auf dem Sterbebett sind alle gleich—auf dem Klo auch: Egal, wie viel Geld du hast, die Spülung geht trotzdem nicht schneller, deine Hände trocknen auch nicht schneller und dein Spiegelbild ist auch nicht besser und/oder schlechter, als es bereits der Fall ist. Die in New York lebende Fotografin Maxi Cohen scheint es auch so zu sehen, und hat im Laufe ihrer 40-jährigen Karriere viele dieser Orte dokumentiert. Angefangen hat alles mit den Klos eines Filmfestivals in Miami in den 70er Jahren und geht bis zu den nach Hautfarbe getrennten Toiletten der Clubs in Sambia. „Mich hat das Miteinander angezogen, was in Damenklos zwischen völlig fremden Frauen entsteht", sagt die Fotografin über das Projekt, was sie um den halben Erdball getragen hat. „Frauen teilen auf Damenklos die intimsten Geheimnisse mit Leuten, die sie vorher nie gesehen haben." Wir haben Maxi Cohen zum Interview getroffen und präsentieren dir eine Auswahl ihrer Fotos.

Wann hast du damit angefangen, Damentoiletten zu fotografieren? Und warum?
Das war 1979. Ich habe Joe and Maxi, meinen ersten Dokumentarfilm über die Beziehung zu meinem Vater, auf dem Filmfestival in Miami gezeigt. Das Abendessen der Preisverleihung war so langweilig, ich bin auf die Toilette, und da habe ich diese älteren Ladys getroffen, die ihre Wimpern nachgetuscht und ihre Korsetts gerichtet haben. Ich bin dann dageblieben und habe den halben Abend damit verbracht, auf der Damentoilette zu fotografieren. So fing es an.

Wonach suchst du deine Locations aus?
Ich fotografiere einfach da, wo ich auch auf Toilette gehe. Ich suche sie nicht extra. Auf eine gewisse Art und Weise ist das eine autobiografische Fotoreihe, die die Orte dokumentiert, die ich besucht habe. Natürlich fotografiere ich nicht überall. Die Szenerie, die Frauen, die Architektur, die ganze Atmosphäre spielen alle eine Rolle bei der Entscheidung, ob ich meine Kamera zücke oder nicht.

Wohin auf der Welt hat dich diese Reihe schon überall hingeführt?
Ich habe die Serie mal Ladies Rooms Around the World (As Far As I Have Gone) genannt. Ich habe Damentoiletten vom australischen Outback bis nach Sambia fotografiert, von Iguazu über Paris bis Tel Aviv. Von einer Samba-Schule in Rio bis zum Busbahnhof in Atlantic City. 

Was war der bisher ungewöhnlichste Ort, an dem du fotografiert hast?
Ich habe die Damentoilette beim Black and Blue Ball in New York fotografiert, ein Latex- und Leder-Event der New Yorker Fetischszene. Ich war sehr neugierig. Überall waren Männer und Frauen im kompletten Latexlook, mit Kugeln, Ballknebeln, Ketten und Peitschen. Interessanterweise hatten viele der Frauen ganz alltägliche Jobs, aber eine reiche Fantasie.

Was ist das Verbindende?
Die ganze Fotoreihe ahmt denselben Stil nach, den ich im ersten Foto hatte. Eine Postkartenaufnahme von mir mit dem ganzen Körper, der einen privaten Moment festhält.

Gab es besondere Momente, an denen du uns teilhaben lassen möchtest?
Als ich auf der Toilette in Livingstone, Sambia war, habe ich eine Frau getroffen, die mir gedroht hat, dass ich aufgrund meiner weißen Hautfarbe umgebracht werden könnte. Sie dachte, dass ich CIA-Agentin bin. Dann habe ich erfahren, dass sie unter US-Präsident Clinton in Amerika einen Master gemacht hat, aber seit [George W.] Bush Präsident wurde, hasst sie alle Amerikaner. Ich habe dann begriffen, dass sie es nicht wirklich ernst gemeint, Weiße umzubringen. Dann sagte sie mir, dass sie Parlamentsmitglied sei. Anschließend habe ich sie gefragt, wie sie als gebildete Frau nicht zwischen guten und bösen Weißen unterscheiden kann. Ihre einfache Antwort: „Der Ku-Klux-Klan hat auch nicht unterschieden". Woraufhin ich ihr sagte, dass sie damit Recht habe, aber mit vielem anderen nicht. Jedenfalls ist die Unterhaltung dann relativ schnell eskaliert und ich habe sie gefragt, ob ich ihr Filme zu schicken soll, in denen gezeigt wird, wie Präsident Bush die Wahl gestohlen hat. Es hat eine Weile gedauert, bis ich ihre Adresse hatte. Aber dann habe ich ihr Independent-Filme zu diesem Thema geschickt, die sie im Parlament gezeigt hat. In dieser Situation habe ich habe mich auf der Damentoilette wie eine Botschafterin gefühlt.

Du erscheinst oft im Hintergrund, im Spiegelbild. Sind die Bilder Selbstporträts?
Ich habe die Bilder nie als Selbstporträts betrachtet. Vor zehn Jahren hat mich jemand gefragt, ob sie es denn sind. Das hat mich total überrascht. Ich bin zu sehen, weil ich keinen Unterschied zwischen mir und den Motiven machen möchte. Ich fühle nicht wohl dabei, Menschen zu objektivieren. Ich fühle mich wohler, wenn ich in diesen privaten Momente zu sehen bin. Aber weil diese Bilder auch mein Leben porträtieren, kann ich verstehen, wenn sie als Selbstporträts betrachtet werden.

Haben sich Damentoiletten im Laufe der Zeit verändert?
Es gibt keine Tamponspender mehr. Abgesehen davon, haben sie noch dasselbe Aussehen und dieselbe Funktion.

Wo auf der Welt möchtest du noch fotografieren?
Ich würde gerne in Japan, oder in ganz Asien, fotografieren.

Welche Bedeutung haben Damentoiletten für dich?
Grundsätzlich sind es zwar Orte, um auf Toilette zu gehen, aber für mich und viele andere Frauen sind es auch Orte, in denen du vor jemanden davonlaufen, über die weiteren Schritte nachdenken oder einfach deine Gedanken sortieren kannst. Für einige Frauen sind Badezimmer aber auch ein sicherer Zufluchtsort, wo sie Schutz vor Gewalt, ein Ort der Stille in dieser vollen, anstrengenden und feindlichen Welt finden. Für einige sind es Orte für Gespräche mit Freundinnen oder Fremden, wo das Unerwartete passieren kann. 

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Credits


Fotos: Maxi Cohen 

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