wird die künstliche veränderung der augenfarbe das neue permanent-make-up?

Permanente Iris-Implantate sind zwar nicht 100 Prozent medizinisch sicher, aber das hält viele Amerikaner nicht davon ab, nach Mexiko, Panama, Afrika oder Indien zu fliegen, um sich dort ihren Traum von türkisfarbenen oder saphirblauen Augen...

von Monica Jaramillo Duarte
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11 Januar 2016, 11:45am

Marilyn Manson ist das Aushängeschild für eine unnatürliche Augenfarbe. Seine monoweiße Kontaktlinse ist so berühmt, wie sie ihn dämonisch aussehen lässt. Jetzt scheint es, als hätte ihn die plastische Schönheitschirurgie übertroffen und etwas Extremeres erfunden hat. Bei dem neuen Trend handelt es sich um chirurgische Eingriffe, um die Augenfarbe permanent zu ändern. Dafür sind keine Linsen erforderlich. Dafür reichen 8.000 Dollar und ein Flugticket nach Mexiko.

So funktioniert die Prozedur: Es erfolgt ein Einschnitt in die Augapfeloberfläche (Schau dir dieses Video nicht an, wenn du schwache Nerven hast). Durch diesen Schnitt wird ein gefaltetes Implantat eingefügt und entpackt, um die Iris zu bedecken. Die Stelle wird wieder zugenäht und deine Augen sind jetzt „Ice Grey", „Baby Blue", „Amber", oder welche Farbe du dir auch aussuchst.

Zwar ist dieser Eingriff offiziell nicht von der amerikanischen Gesundheitsbehörde freigegeben, aber eine zunehmende Zahl an Leuten ist bereit, dafür zu bezahlen und die Reisekosten in ein Land, wo es legal ist, aufzubringen. Sie fliegen nach Mexiko, Panama und Indien und kehren mit Science-Fiction-Augen zurück.

Letztes Jahr flog R 'n' B-Sängerin Tiny Harris (Eherfrau von Rapper T.I.) nach Tunesien und ließ sich dort ihre braunen Augen durch ein Iris-Implantat ice grey färben. „Das ist die Farbe, die ich gekauft habe", sagte sie ABC News. Auf die Frage, wie sie sich denn jetzt mit ihren neuen Augen fühle, antwortete sie: „Sie sind toll, ich liebe sie." Ihre Tochter Zoonique ließ sich vor Kurzem auch die Augen ice grey färben. 

Aber nicht für jeden verlief die Operation so problemlos. Eine Patientin, die anonym bleiben möchte, gibt in einem YouTube-Video zu, dass sie im letzten Jahr ihre Augenfarbe operativ verändert hat und ihre Entscheidung mittlerweile bereut. Sie sagt: „Meine Pupillen weiten sich nicht mehr und ich habe das Gefühl, dass ich ein Vampir bin. Kinder haben Angst vor mir."

Und dann gibt es da noch die vielen Geschichten von Leuten, die sich die Implantate nach Komplikationen entfernen lassen wollten. Eine Person, mit der ich gesprochen habe, flog nach Panama für die Operation. Er sagte mir, dass er unter einer Trübung der Augenlinsen, roten Augen und Glaukom leidet. Nur dadurch, dass die Implantate in deinem Auge seien, würden sie anschwellen. „Du musst für den Rest deines Lebens entzündungshemmende Tropfen nehmen", warnt er. „Bitte seid nicht so dumm. Eure Gesundheit ist viel wichtiger."

Die Praxen, die diesen Eingriff anbieten, widersprechen dem natürlich. Sibi Joice, eine Sprecherin von Dr. Shibu Varkey, ein indischer Schönheitschirurg, schrieb mir per E-Mail: „Wir führen diesen Eingriff erfolgreich und mit höchster Patientenzufriedenheit bereits seit fünf Jahren durch."

Zu den bekanntesten der internationalen Websiten, die den sogenannten Permanent Eye Colour Change bewerben, gehört BrightOcular. Die Firma mit einer Adresse in Los Angeles produziert „intraokulare Implantate". Ein Warnhinweis auf der Website liest sich so: „Diese Methode wird nicht für rein kosmetische Eingriffe empfohlen. Trotzdem haben bereits Hunderte Patienten aus aller Welt damit die Farbe ihrer Iris aus kosmetischen Gründen erfolgreich verändert." Zu den medizinischen Anwendungen heißt es, dass damit Leuten mit Iris-Heterochromie (Störung der Pigmentierung) und okulärem Albinismus geholfen würde.

Vice war in Teheran, das die Hauptstadt der Nasenkorrekturen ist.

Die Kunden konzentrieren sich wenig überraschend bei ihrer Beurteilung vor allem auf die ästhetischen Resultate. Die junge Japanerin Chizu schreibt zum Beispiel: „Das war der erfüllendste Eingriff, den ich jemals hatte, und den ich wahrscheinlich auch jemals haben werde. Seit meiner Jugend trage ich farbige Kontaktlinsen, die in Asien sehr beliebt sind. Jetzt können mir die Leute in meine zart-babyblauen Augen schauen und es sind wirklich meine!" Das Freelance-Model Brian mit neuen grünen Augen schreibt: „Seit dem Eingriff habe ich mehr Aufträge bekommen und ich fühle mich bei den Aufnahmen selbstsicherer." Toryn Green, früher Frontmann der Hardrockband Fuel, lässt sich mit den Worten zitieren, dass er seine neuen eisgrauen Augen, die ihm in Indien verpasst wurden, lieben würde. „Bei Brightocular bist du in guten Händen", versichert er.

Jedoch sind die Risiken sehr hoch, sagt mir die geprüfte Schönheitschirurgin aus New York Dr. Tracy Pfeifer. „Die Leute denken, dass diese Art von Eingriff so einfach ist, als ob man sich einen anderen Mascara aufträgt. Dabei sind sie mit ernsthaften medizinischen Konsequenzen verbunden. Für einen schnellen und zeitlich begrenzten Wechsel der Augenfarbe gibt es farbige Kontaktlinsen, wieso sollte man sich dann dem Risiko eines Eingriffes aussetzen?" Aber wie sie sagt, Kontaktlinsen sind nur vorübergehend und für manche ist das nicht genug.

Wird die künstliche Veränderung der Augenfarbe ähnlich populär wie andere Körpermodifikationen? Das ist eher unwahrscheinlich. Die amerikanische Praxis für kosmetische Schönheitschirurgie Stroma Medical entwickelte eine neue Methode, mit der kein großer Eingriff notwendig ist. Angeblich soll der Eingriff weniger als 30 Sekunden dauern und dafür sei nur eine lokale Betäubung erforderlich. Sie benutzen einen Laser, um das Melanin in der Iris wegzubrennen. Es gibt wenig bis gar keine Studien darüber, welche Komplikationen bei diesem Eingriff auftreten können. Abschließend sagt mir Dr. Pfeifer: „Ich glaube einfach, dass kein Risiko, egal wie klein, es wert ist."

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Credits


Text:  Monica Jaramillo Duarte
Foto: Paulo Philippidis via Flickr

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