willkommen in der wachsenden skateszene äthiopiens

Durch den Einsatz von Skateboardern und Freiwilligen aus aller Welt wurde im letzten Monat der erste Skatepark in Äthiopien eröffnet. Wir waren vor Ort und haben uns umgehört, wie der Park ankommt.

von Tessa Fox
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04 Mai 2016, 11:15am

Letzten Monat haben über 50 Freiwillige aus 20 Ländern zusammen mit Skateboardern aus Äthiopien den ersten Skatepark in Addis Abeba gebaut. Davor konnten Skateboarder nur auf der Straße ihrer Leidenschaft nachgehen, was so viel bedeutet, wie von Sicherheitskräften von Plätzen vertrieben werden, Polizisten beschlagnahmen die Boards und ständig Autos um einen herum. So ist es auch nicht unverständlich, dass es unter Skateboardern üblich war, Sicherheitskräfte zu bezahlen oder einen Kaffee auszugeben, damit sie wenigstens für ein paar Momente ungestört auf ihren Lieblingsplätzen grinden können. Durch eigene Pipes wurde das alles jetzt wenigstens ein bisschen einfacher.

Angefangen hat alles vor fünf Jahren als Website Ethiopia Skate und Facebook-Gruppe. Über die Jahre wurde die Community immer größer und machte sich gemeinsam auf die Suche, um geeignete Skatepots zu finden. Die Ideen vom eigenen Skatepark hatten sie von Anfang an. 

So kam es auch, dass sich die äthiopische Gruppe an die Hilfsorganisation Make Life Skate Life gewandt hat, die mithilfe von Freiwilligen aus der ganzen Welt bereits Skateparks in Indien, in einem Flüchtlingslager in Jordanien, Bolivien und Myanmar gebaut hat. 

Der fertige Park hatte alle Erwartungen übertroffen. „Ich habe gedacht, dass der Park kleiner sein würde und nicht so groß. Das war unerwartet", sagte uns der 13-jährige Eyob Desta. Wie kommt der Park in der Skateboardszene an? „So viele Kids schreiben mir oder rufen mich an und sagen mir, dass es der beste Tag ihres Lebens war. Jeder ist verrückt danach. Darauf haben wir jahrelang gewartet", so der Gründer von Ethiopia Skate, Addisu Haile Michael.

Skateboarden auf der Baustelle 

Vor zehn Jahren wäre das noch undenkbar gewesen. Als Addisu mit dem Skateboarden anfing, wussten viele in Äthiopien nichts mit dem Sport anzufangen. „Damals dachten die Leute noch, dass es sehr gefährlich ist", erinnert sich Addisu. Eyob Destas Eltern denken das noch immer: „Meine Familie will nicht, dass ich skateboarde. Die Leute in Äthiopien sehen das nicht als Sport, sondern als etwas Gefährliches oder Gangstermäßiges."

Trotz anfänglichem Zögern verändern sich in dem afrikanischen Land die Einstellungen zu Skateboarding. „Es verändert sich rasant", so Addisu. „Zum Skatepark kommen so viele Leute. Jeder ist jetzt interessiert daran."

Make Life Skate Life sorgte außerdem mit Boards, Achsen, Kleidung und Schuhe für neues Equipment, was die Anzahl der Skateboarder ständig wachsen lässt. Ethiopia Skate hat jetzt über 150 Mitglieder und jedes Wochenende kommen mehr Jugendliche dazu. Addisu freut sich über den positiven Einfluss, den der Park auf junge Leute hat. „Ich war schüchtern und ich habe viele Freunde dadurch gefunden. Dasselbe will ich auch für diese Kids. So haben wir eine Community aufgebaut, ohne es zu wissen. Das ist ziemlich cool."

So denkt auch der 18-jährige Micky Asfw, der auf MTV zum ersten Mal Skateboarding sah: „Wir passen gegenseitig auf uns auf und sind wie Brüdern und Schwester zueinander."

Credits


Text und Fotos: Tessa Fox

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