cathy horyns guide, um in der modebranche weiterzukommen

Plus ihre Ansichten zu Branding, dem Business und Armani in den 80ern.

von i-D Staff
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04 Mai 2015, 10:55am

Die Modekritikerin par excellence ist die neueste Insiderin, die sich den bohrenden Fragen des System Magazine gestellt hat. Wir präsentieren euch ihre zehn besten Beobachtungen über die Modebranche.

1) Gehe nicht zu jeder Show!
„Ich möchte nur über die Shows schreiben, die eine Meldung wert sind. Ich möchte nicht das Gefühl haben, dass ich da hingehen muss. Glaubt mir, das habe ich schon gemacht. Aber wenn man diese Kollektionen Saison nach Saison sieht, dann kannst du in einer Show sitzen und du weißt sofort was neu ist, was auffallend ist und was eine Meldung wert ist."

2) Sage offen, was du denkst!
„Es gibt immer irgendetwas, was einen beeinflusst, aber du solltest immer mit etwas Distanz arbeiten. Sag einfach das, was du dir denkst."

3) Habe keine Angst davor, Leute zu verärgern!
„Tom Ford war so sauer auf mich wegen irgendwas … Aber als ich die New York Times verließ, waren sich viele einsichtig: „Du hast viele schreckliche Dinge gesagt, die mich verletzt haben, aber du hattest recht!"

4) Amüsiere dich!
„Amy [Spindler, die frühere Style-Redakteurin der New York Times] pflegte immer zu mir zu sagen: 'Cathy, halt die Klappe, du sitzt immer vor deinem Bildschirm und lachst über deine eigenen Witze.'"

5) Angeberei macht Spaß!
„Ich finde Modeleute anziehender als die meisten anderen Künstler. Vielleicht liegt es an der Geschäftsseite, die ich sehr spannend finde, vielleicht auch einfach, weil ich die Wichtigtuerei und Angeberei in der Mode mag. Heutzutage ist diese Wichtigtuerei nicht mehr so lustig wie in den 90ern. Bill [Blass] war ein großer Angeber, Oscar [de la Renta] war ein noch größere Angeber. Sie kamen, sie waren Charmeure, sie schwadronierten, sie flirteten mit den Kunden und dennoch waren sie hinter dieser Fassade tolle Leute."

6) Es geht nur um's Business!
„Ich denke, dass die Branche heutzutage vollständig von wirtschaftlichen Erwägungen geprägt wird. Es geht nicht um Ästhetik, es geht nicht um Freude und es geht ganz sicher nicht darum, Leute zu bezaubern …"

7) Ab ins Armani-Archiv!
„Ich denke daran, wie seine [Giorgio Armani] Shows Ende der 80er waren. Sie waren so wundervoll gemacht - neben dieser fantastischen Kleidung. Für diese Jacken und Hosen würde manche heute morden. Die Qualität war unfassbar gut. Seine Präsentationen waren einfach ein wahrer Hochgenuss."

8) Halte Abstand!
„Klar kannst du mit bestimmten Designern rumhängen und eine gewissen Affinität haben, aber sobald du denkst, dass ihr gut befreundet seid, fangen die Probleme an. Außerdem ist es weder für deine Professionalität noch für deinen Text gut."

9) Wo bleibt die neue Generation?
„Wo ist der Kawakubo von Heute? Oder der Martin Margiela oder der Helmut Lang? Diese Leute haben etwas über ihre Zeit ausgesagt. Ich denke nicht, dass mir da jemand widersprechen würde; wir sehen diese Art von Leute aber heutzutage einfach nicht mehr."

10) Branding nervt (und Suzy Menkes hat Schuld daran)!
„Sie [Suzy Menkes] kannte nur ein Thema: Branding. Brande dies, brande das. Natürlich hatte sie recht; das ist passiert und die Bedeutung von Branding wurde zum Schlüssel. Aber dann wurde es zum Teil ihrer Schreibe; sie nahm zu viel von dieser Sprache und Methodologie dieser Unternehmen an. Ich dachte mir irgendwann: „Moment Suzy, wieso arbeitest du für diese Leute? Du arbeitest für eine Zeitung und du bist Kritikerin. Also bitte versuche, etwas Abstand zu dieser Denkweise zu halten und in deiner Meinung unabhängig zu bleiben."

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