Wie diese Künstlerin das Selfie mit Hilfe von Spiegeln neu definiert

"Wir sehen zwar ständig Bilder von Leuten, aber das heißt nicht, dass wir irgendwas über sie wissen." – Michele Bisaillon.

von Zio Barritaux
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01 Oktober 2018, 1:25pm

So wie viele Teenager und Mittzwanziger auch postet die kalifornische Künstlerin Michele Bisaillon Bilder von sich auf Instagram. Mit dem einzigen Unterschied, dass die 28-Jährige das klassische Selfie dabei neu definiert. Alles, was Bisaillon dafür braucht, sind Spiegel in verschiedenen Formen und Farben, die unterschiedliche Teile ihres Körpers reflektieren. Manchmal siehst du nur ihre Finger, manchmal blitzen lediglich ihre Zehenspitzen hervor. "Ich benutze Spiegel, weil sie verschiedene Perspektiven zeigen", erklärt die amerikanische Künstlerin. "Ich mag es, den Körper zu unterbrechen."


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Trotzdem möchte Bisaillon klarstellen, dass sie der Welt nicht ihr komplettes Ich offenbart: "Wir sehen zwar ständig Bilder von Leuten, aber das heißt nicht, dass wir irgendwas über sie wissen." Auch wenn ihre Fotografien intimer und informativer als die meisten anderen wirken, behält die Künstlerin mit dieser Aussage Recht. "Mir ist es wichtig, zu zeigen, dass unsere Körper wunderschön sind", erklärt die Amerikanerin weiter. "Wir sind so, wie wir sind – und das ist auch gut so." Wir wollten mehr über ihre Kunst-Selfies und die Beweggründe dahinter erfahren, und haben Bisaillon zum Interview getroffen.

Warum wolltest du dich selbst in den Mittelpunkt der Fotos rücken?
Um ganz ehrlich zu sein, mache ich das, weil ich ständig als Model verfügbar bin. Wenn ich alleine zu Hause bin und mich plötzlich inspiriert fühle, kann ich einfach loslegen. Ich plane nicht alle meiner Bilder im Voraus, deswegen macht es das Ganze einfacher, selbst vor der Kamera zu stehen. So liegt auch weniger Druck auf mir.

Inwiefern sind deine Arbeiten eine Antwort auf die digitale Bearbeitung von Bildern?
Wir bearbeiten ständig Fotos und entscheiden uns dazu, nur gewisse Dinge zu sagen. Das macht die Menschheit schon seit Jahrhunderten. Problematisch ist nur die Tatsache, dass extrem stark bearbeitete Bilder dafür benutzt werden, Produkte zu verkaufen. Das lässt uns schnell unsicher fühlen – vor allem Frauen. Für mich ist es wichtig, einen Weg zu finden, mich wohlzufühlen und anderen zu zeigen, dass sie das auch schaffen können.

Glaubst du, dass Selfies und Selbstwert miteinander zusammenhängen?
Für einige Menschen bestimmt. Wenn ich ein Foto von mir mache, das ich mag, fühle ich mich gleich viel besser. Ich glaube, dass es extrem wichtig ist, sich in seiner eigenen Haut wohlzufühlen. Das ist etwas, mit dem ich wirklich lange zu kämpfen hatte. Im Endeffekt kannst du so viel mehr bewegen, wenn du dich wohl in deiner eigenen Haut fühlst.

Welche Botschaft steckt hinter deinen Arbeiten?
Es steckt viel Power dahinter. Frauen, die sich selbstsicher fühlen, das zu tun, was sie lieben und dafür zu kämpfen, ist der Nährboden für neue Generationen. Ich will viele Dinge bewegen, aber besonders wichtig ist mir, zu zeigen, dass unsere Körper wunderschön sind. Sie sind ein unglaublich tolles Produkt der Evolution. Zwar sind sie manchmal schwer zu kontrollieren, aber das bedeutet nicht, dass wir das nicht genießen können. Wir sind, wie wir sind – und das ist großartig!

@michael_e_b

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

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