Adwoa wears T-shirt Saint Laurent. Hat The Leather Man. Earrings (worn throughout) Repossi and model's own. 

„ich projiziere mich immer auf die frau, die ich fotografiere"

Inez van Lamsweerde über Frauen hinter der Kamera.

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23 August 2016, 1:40pm

Adwoa wears T-shirt Saint Laurent. Hat The Leather Man. Earrings (worn throughout) Repossi and model's own. 

Jacke und Hemd: Balenciaga. Rock: Junior Gaultier von Resurrection Vintage. Bandana und Handschuhe: Stylist's studio. Button und Schlüsselanhänger (am Rock): Supreme.

Jacke und Rock: Ronald van der Kamp. Handschuhe: Stylist's studio. Schuhe: Balenciaga. 

Jacke: Junior Gaultier von Resurrection Vintage.

Jacke und T-Shirt: Saint Laurent. Hut: The Leather Man. Sonnenbrille und Bandana: Stylist's studio. 

Jacke und Rock: Anthony Vaccarello. T-Shirt: Saint Laurent. Hut: The Leather Man. Brille: stylist's studio. Schuhe: Balenciaga. 

Who run the world? In unserer neuen Printausgabe The Female Gaze Issue zeigen Frauen, wie sie die Welt sehen. In den kommenden Wochen widmen wir uns in einem Themenschwerpunkt der Frage, was es heutzutage bedeutet, eine Frau zu sein.

Inez van Lamsweerde gehört zu den innovativsten Köpfen der Modefotografie. Sie hat eine Ästhetik geschaffen, die das klassisch Romantische und den Glamour der 70er mit der neuen Welt der Digitaltechnik der 90er verbindet. Erst durch den Surrealismus, der mit der neuen Digitaltechnik möglich wurde, konnte sie die Opulenz und die Sexualität untergraben. Daraus ist dann eine Bildsprache in einer Modewelt einstanden, in der bis dahin noch der dokumentarische Modus von Grunge und Heroin Chic den Ton angaben.

Inez' Mutter war Modejournalistin, sie ist somit also mit Magazinen wie der Vogue aufgewachsen und groß geworden. Dadurch hat sie Fotografen wie Guy Boudin und Helmut Newton kennengelernt, die Inez' Bildsprache maßgeblich geprägt haben, ihre Einflüsse finden sich noch heute oft in ihren Arbeiten wieder.
Zusammen mit ihrer Mutter besuchte sie schon als kleines Kind regelmäßig die Modeschauen in Paris. Irgendwann hat sie angefangen, die Entwürfe von den Laufstegen abzumalen und beschlossen, eines Tages selbst Modedesignerin zu werden. Nach der Schule schrieb sie sich auf einer Modeschule in Amsterdam ein, wechselte aber bald zur Fotografie und traf dort auf Vinoodh, mit dem sie seit fast 30 Jahre eine kreative Partnerschaft verbindet. Angefangen hat alles mit einem Auftrag: Sie sollte die Pressebilder für seine Debütkollektion fotografieren.

Es war Liebe auf den ersten Blick, das Fotografen-Duo Inez and Vinoodh war geboren. Gemeinsam haben sie mit ihrer Ästhetik und Bildsprache die Modewelt erobert. Seit vielen Jahren setzen sie Kampagnen und Editorials für die größten Namen um und und arbeiten dafür stets mit den schönsten Leuten und talentiertesten Newcomern zusammen.

Inez war eine der ersten der Branche, die mit Hilfe von Computertechnik Fotos bearbeitet hat und hat früh verstanden, die neue Technologie als neues künstlerisches Ausdrucksmittel einzusetzen. Berühmt geworden ist sie mit ihrer Aktreihe Thank You Thighmaster, für die sie Brustwarzen und Vaginen bearbeitet hat. Es ist eine Studie über Oberflächen, Manipulation, Mode, Selbstverbesserung und die Vorstellung von Sexualität als etwas Steriles und Schräges. Themen, denen sich Inez immer wieder zuwendet.

Ihren ersten Job hatte Inez bei The Face und die dabei entstandene Fotoreihe For Your Pleasure war damals, zu Beginn der 90er, eine Rebellion gegen die dominante Grunge-Ästhetik. Inez' Ästhetik war futuristisch und glamourös, die Fotos hatten etwas Unheimliches an sich. Die Models und die Hintergründe wurden voneinander getrennt, die Fotos wurden digital manipuliert.

Als sich daraufhin die Aufträge auffallend vermehrten, haben Inez und Vinnodh beschlossen, gemeinsam nach New York auszuwandern. Im Big Apple sind sie dann schnell zu den gefragtesten Fotografen der Modewelt aufgestiegen. Sie haben für fast jedes Magazin und jedes Modehaus gearbeitet—natürlich auch für i-D—, aber auch für Vogue, Pop, Harper's Bazaar, Fantastic Man und Purple, neben vielen anderen. Seit vielen Jahren arbeiten sie mit Künstlerinnen wie Björk und Lady Gaga zusammen. Zu den letzten Kollaborationen gehören Projekte mit Rihanna, Kanye West und Paul McCartney. Modehäuser wie Saint Laurent, Dior, Givenchy, Balenciaga, Yohji Yamamoto, Louis Vuitton und Helmut Lang haben alle auf das Können und das Wissen der beiden Kreativen zurückgegriffen.

Für unsere neue The Female Gaze Issue, in der wir Frauen hinter der Kamera feiern, war es daher nur logisch, unseren Coverstar Adwoa von einer der größten Modefotografinnen unserer Zeit in Szene setzen zu lassen. „Meine Motive zeige ich immer stark, heroisch, überraschend und schön, auch wenn das Foto Verletzlichkeit zeigt", erklärt uns Inez ihren Ansatz, Frauen zu fotografieren. Wir haben sie zum Interview getroffen.

Als du Vinoodh zum ersten Mal getroffen hast, hast du damals daran gedacht, dass daraus mal so eine lange Beziehung, sowohl persönlich als auch kreativ, entstehen würde?
Wir haben uns gleich ineinander verliebt und es hat auf der kreativen Ebene sofort so sehr gepasst. Wir überraschen uns ständig gegenseitig mit unseren Arbeiten. Als wir anfingen, zusammen zu arbeiten, hatten wir jeder andere Partner. Es hat sechs Jahre gedauert, bevor wir ein Paar wurden.

Warum ist eure Beziehung so fruchtbar?
Wir sind beide sehr leidenschaftlich, das trifft auf unsere Arbeit, unseren Sohn und unser gemeinsames Leben zu.

Gibt es etwas, das du aus den Anfangszeiten vermisst?
Damals hatten wir für jedes Foto mehr Zeit. Für die Editorials und Kampagnen wurde uns mehr Zeit eingeräumt, Ideen zu entwickeln und verschiedene Ansätze umzusetzen, weil wir an weniger Projekten gearbeitet haben.

Wie kommst du auf die Ideen für die Fotos?
Die kommen mir, sobald ich still bin.

Was würdest du heute deinem jüngeren Ich von damals raten?
Das Verhältnis zu den Leuten, mit denen du arbeitest, ist am wichtigsten.

Wer hat dich beeinflusst, als du angefangen hast?
Guy Bourdin, Helmut Newton, Richard Avedon, Irving Penn, Deborah Turberville, Sarah Moon, Rainer Werner Fassbinder, Luchino Visconti, CNN, Anzeigen für Newport Cigarettes, Pablo Picasso, Jeff Wall und Jeffrey Deitch.

Wer hatte den größten Einfluss auf deine Ästhetik?
Den Computer zur Bildbearbeitung einsetzen, damit das Bild zeitlich nicht mehr verortet werden kann.

Gibt es ein Foto aus deiner Anfangszeit, bei dem alles stimmt?
Ja, aus einer Ausgabe von The Face aus dem Jahr 1994: Zwei Mädchen auf Bikes und im Hintergrund hebt eine Rakete ab.

Was definiert deiner Meinung nach ein Inez-Foto?
Emotionale Lebendigkeit und Fragilität, Surrealismus und Wahrheit, Heroismus und Verletzlichkeit. Im Grunde genommen jegliche Dualität.

Hattest du jemals das Gefühl, dass es deiner Karriere geschadet hat, dass du eine Frau bist?
Ganz am Anfang glaubten die Leute, dass ich die Technik und schwere Ausrüstung nicht selbst tragen kann. Damals haben aber schon Frauen wie Annie Leibovitz und Cindy Sherman Pionierarbeit geleistet.

Was würdest du jungen Fotografinnen raten?
Studiert so lange, wie ihr könnt, und findet eure eigene Bildsprache, ohne dass ihr in einem kommerziellen Umfeld arbeiten müsst.

Welche Perspektive bringen Frauen in die Modefotografie mit ein?
Eine persönliche Geschichte.

Es gibt immer mehr Fotografinnen. Wie ist es dazu gekommen?
Ich denke, die Welt braucht eine sensible Sichtweise auf die Realität.

Wie kann sich die neue Generation Fotografinnen Gehör verschaffen?
Indem sie fantastische Fotos machen und jeden ignorieren, der sie aufgrund ihres Aussehens verurteilt.

Warum interessieren dich nach wie vor Image-Making, Mode, Kunst und Fotografie?
Wegen den spannenden Persönlichkeiten, die wir fotografieren!

Wie würdest du die Beziehung zwischen Mode und Kunst in deiner Fotografie beschreiben?
Es ist ein und dasselbe.

Was ist die größte Veränderung in der Industrie, seitdem du angefangen hast?
Digitalität. In jeder Hinsicht.

Magst du Social Media Kanäle wie Instagram als Plattform oder als Ästhetik?
Ich liebe es. Mit meinen Arbeiten kommuniziere ich Ideen und kann andere inspirieren. Durch Instagram habe ich einen direkten Kontakt zu meinem Publikum. Das sorgt für Unabhängigkeit.

Was macht ein Foto erfolgreich?
Emotionen.

Ihr seid auch in Bereiche jenseits der Fotografie vorgestoßen, nämlich in den Schmuck- und Parfümbereich. Was erhofft ihr euch davon?
In all den Jahren, die wir mit so talentierten Leuten zusammengearbeitet und so viel gelernt haben, haben wir viel über Design erfahren. Was uns aber gefehlt hat, war ein persönlicher Bezug zu Schmuck und Parfümen. Also haben wir uns dazu entschlossen, diese Lücke zu schließen.

Abgesehen von der Fotografie, worin würdest du dich gerne kreativ austoben?
Wir interessieren uns für Möbeldesign, aber auch dafür, ein Restaurant zu eröffnen oder ein Hotel zu entwerfen. Wir haben so viele Ideen fürs Wohnen. Und auch das Thema Filme machen reizt uns sehr.

Was sind deiner Meinung nach eure bekanntesten Bilder?
Die Fotos, auf denen ich Vinoodh küsse.

Hier findest du alles aus unserer The Female Gaze Issue.

Credits


Fotos: Inez van Lamsweerde 
Fashion Director: Alastair McKimm 
Kreativdirektion: Vinoodh Matadin
Haare: Ward at The Wall Group verwendete Living Proof. 
Make-up: Kabuki verwendete M.A.C Cosmetics.
Nägel: Michelle Saunders at Forward Artists verwendete Essie. 
Licht: Jodokus Driessen.
Studio Manager: Marc Kroop.
Studio Koordination: Tucker Birbilis.
Fotoassistenz: Joe Hume.
Digitaltechnik: Brian Anderson.
Stylingassistenz: Lauren Davis, Sydney Rose Thomas.
Make-up-Assistenz: Jenny Clemens.
Produktion: Stephanie Bargas und Eva Harte at VLM Productions, Gabe Hill und Suzy Kang at GE Projects.
Model: Adwoa Aboah at Tess Management und The Lions.