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der hashtag #imnotafraidtosayit hilft ukrainerinnen dabei, über sexuellen missbrauch zu reden

In einem Land, in dem es immer noch als Tabu gilt, über Sex zu sprechen, zeigen Leute unter dem Hashtag ihre Solidarität mit Missbrauchsopfern.

von Hannah Ongley
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11 Juli 2016, 8:53am

Sexueller Missbrauch und der Opfer-Täter-Austausch—und die damit einhergehenden verheerenden Folgen—kennen keine Grenzen. So war es im Fall auf dem Campus der Uni Stanford. Brock Turner ist für die von ihm begangene Vergewaltigung mit einer milden Haftstrafe davongekommen. Und Emma Sulkowicz hat sich mutig gegen ihn gewehrt und den Fall öffentlich gemacht. In Regionen auf der Welt, die noch patriarchalischer sind,—wie Russland oder die Ukraine—stehen Frauen unter einem noch größeren Druck zu schweigen. Ein Hashtag, der gerade die Sozialen Medien beherrscht, hilft diesen Frauen. Sie veröffentlichen unter dem Hashtag #imnotafraidtosayit ihre Geschichten von sexuellen Missbrauch.

Entstanden ist #ImNotAfraidToSpeak, als die Ukrainerin Anastasiya Melnychenko, die eine Menschenrechtsorganisation leitet, auf Facebook einen Post eines Mannes sah, der sagte, dass ein Opfer von Gewalt „einfach nicht alleine nachts im Park rumhängen hätte sollen". Melnychenko machte daraufhin öffentlich ihrem Ärger Luft: „Uns trifft keine Schuld, der Vergewaltiger hat immer die Schuld. Ich habe keine Angst darüber zu sprechen. Und ich fühle mich nicht schuldig. Wissen Männer überhaupt, wie es ist, in einer Atmosphäre aufzuwachsen, in der man wie Fleisch behandelt wird? Man macht nichts, aber jeder hat das Gefühl, dass es ihm zusteht, zu ficken und uns unseren Körper wegzuwerfen." Sie ermutigt Missbrauchsopfer mit ihren Geschichten an Öffentlichkeit zu gehen: „Es ist für uns Frauen wichtig, dass wir über unsere Erlebnisse sprechen. Es wichtig, dass wir das öffentlich machen. Bitte redet."

Melnychenkos Post wurde über 300 Mal von Frauen (und einigen Männern) geteilt, die genug davon haben, in einer Gesellschaft zu leben, die aus Angst und Verschweigen besteht. „Ich dachte, dass die Gegenreaktion heftig ausfallen würde", sagte sie der Kyiv Post. „Die Geschichten haben mich berührt." Dass die Opfer zu Tätern gemacht werden, ist in der Ukraine nicht nur üblich, sondern wird als normal angesehen. Zu Sowjetzeiten war es tabuisiert, offen über Sex zu sprechen. „Eine Frau muss beweisen, dass sie vergewaltigt wurde. Sie muss erniedrigende Tests, Fragen und sogar körperliche Untersuchungen über sich ergehen lassen. Ansonsten steht ihr Wort gegen seines", sagte Melnychenko weiter.

Die Russin Katya Kermin, die einen Panik-Button fürs Handys entwickelte, nachdem sie ihren eigenen Missbrauch überlebte, kommentierte den Mut der Frauen: „Auf Facebook passiert gerade etwas sehr wichtiges", schreibt sie. „Als ich die Sätze gelesen habe, hat es mir den Atem verschlagen. Und ich weiß, dass es viele mehr da draußen gibt. Ich bewundere den Mut und die Courage, derjenigen, die ihre Geschichte erzählen. Ich sehe, wie andere meine Freunde aufmuntern und wie sie ihre Unterstützung anbieten. Es ist so schön und so beeindruckend."

Credits


Text: Hannah Ongley
Foto: via Flickr