balmain-schülerin roberta einer macht mode für anspruchsvolle barbie girls

Wir unterhalten uns mit der frisch gebackenen, heiß gehandelten Absolventin aus London darüber, wie es ist, mit 16 von zu Hause auszuziehen, von Olivier Rousteing zu lernen und Kleidung zu entwerfen, die von sowjetischen Filmpostern und Cheerleadern...

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03 September 2015, 12:25pm

Roberta Einer wurde in der estnischen Hauptstadt Tallinn geboren, aber in ihrem baltischen Akzent steckt definitiv ein bisschen Ostlondon. Das überrascht nur wenig, denn sie ist schon als ambitionierte Teenagerin nach Großbritannien gezogen. „Es ist ein bisschen klischeehaft, aber als ich 13 war, beschloss ich, Modedesignerin zu werden", sagt sie. „Ich habe mich heimlich an Internaten in London beworben, einige Zusagen bekommen und dann meinen Eltern gesagt, dass ich nach England ziehen muss."  

Sie ist immer noch erstaunt, dass ihre Eltern auf sie gehört haben, aber ihr Mut zahlte sich aus. Vergangenen Juni machte sie den Bachelorabschluss im Modestudiengang der University of Westminster in London und steht auf fest jeder „Ones to watch"-List (inklusive unserer eigenen). Ihren Lebenslauf schmückt außerdem ein Abschluss vom Central Saint Martins College und Arbeitserfahrung bei Alexander McQueen, Mary Katrantzou und Balmain—wo sie als Designassistentin ihrer charakteristischen Mehr-ist-mehr-, Scheiß-drauf-noch-mehr-Pailletten-Ästhetik den Feinschliff verpasste.

Wenn man sich Robertas Abschlusskollektion ansieht, kann man sich das Lächeln nicht verkneifen. Sie ist eine maximalistische Ode an Cheerleader, russische Haarbänder und Teeniefilme, die sie durch Pastelltweed und türkisgrüne und neonpinke Stickerei realisiert hat. Es gibt Teamjacken im 50er-Jahre-Stil. Auf der Rückseite eines Minikleids steht mit Perlen geschrieben „Calling all girls". Und in die riesige rosa Bolerojacke aus Shearling möchte man sich hineinkuscheln. Alles in allem denkt man bei den Pieces an Meerjungfrauen, Claudia Schiffer 1994 in einem Chanel-Kostüm und die leicht verrückte amerikanische High School-Welt von Cry-Baby.

Wir haben Roberta angerufen, kurz bevor sie in den Eurostar nach Paris einstieg, wo sie ihre Abschlusskollektion beim Who's Next-Showcase präsentiert.

Bis du bereit, deine Frühling/Sommer-Kollektion 2016 diesen Monat in London zu präsentieren?
Die Frühlingskollektion ist eine Weiterentwicklung meiner Abschlusskollektion, deshalb fühle ich mich bereit. Sie dreht sich um dieselben Themen und Inspirationen, ich habe eigentlich nur die Passform und die Qualität verbessert. Sie ist ein bisschen eleganter und erwachsener. Ich arbeite aber schon seit Februar mit diesen Referenzen, deshalb freue ich mich schon sehr, an der Herbst/Winter-Kollektion zu arbeiten.

Was sind diese Referenzen?
Es fing an mit der Ausstellung „Post Pop: East Meets West" in der Saatchi Gallery in London, in der es um sowjetische Pop Art ging, die von der amerikanischen beeinflusst war, an. Dort sah ich zwei Gemälde mit einer kitschigen, fröhlichen Farbpalette, die mir sehr gut gefiel. Dann fing ich an, mit Grafiken von sowjetischen Postern zu arbeiten und gleichzeitig meinen Blick auf amerikanische Teeniefilme zu richten. Von da aus zog ich immer größere Kreise und sah mir alles Amerikanische und alles Russische an und versuchte, Parallelen zu ziehen. Meiner Meinung nach sehen sowjetische Schuluniformen sehr ähnlich wie amerikanische Cheerleader-Outfits aus und in Russland gibt es diese riesigen Bänder fürs Haar, die wie die Pompoms der Cheerleaderinnen aussehen.

Ich habe auf deinem Instagram-Profil gesehen, dass du ein paar tolle Vintage-Teile gefunden hast.
Wenn ich die Sekundärforschung für eine Kollektion abgeschlossen habe, gehe ich immer Vintage-Kleidung shoppen—ob es nun für eine bestimmte Silhouette oder für eine bestimmte Art von Strickerei ist. Ich nehme die Sachen mit ins Studio und denke mir am Anfang immer, „Oh, diese Jacke ist lächerlich" oder „Die Farbe ist so komisch", aber am Ende der Kollektion trage ich die Hälfte des Zeugs. Vor dieser Kollektion trug ich nie irgendwelche Baseballjacken oder Cheerleader-Cop Tops!

Wo findest du diese Stücke?
Hauptsächlich in London, auf der Brick Lane und beim Portobello Market, aber besonders Sachen wie sowjetische Militärjacken und Schuluniformen auch von eBay. Ich habe schon ein paar tolle Sachen für Herbst/Winter gefunden, die auf ihren Auftritt warten. Sie sind das komplette Gegenteil von dem, was ich für die Frühjahrskollektion gemacht habe, aber ich finde, dass wichtig Vielfalt ist. Man kann nicht immer die gleichen Dinge machen und die gleichen Referenzen verwenden.

Was schwebt dir für Herbst vor?
Eine Freundin aus meinem Studiengang gab mir ein Buch über Cowboys und die Stickereien, die sie für ihre Kleidung verwenden. Es ist sehr viel besticktes Leder und wunderschöne Farben und Muster. Ich möchte auf eine richtige Forschungsreise in die Staaten gehen. Wahrscheinlich Texas—eher in die kleineren Orte als die große Städte.

Was verbindet die einzelnen Kollektionen miteinander? 
Stickerei ist eine große Sache. Von McQueen über Mary [Katrantzou] zu Balmain, dort habe ich meine Erfahrungen gesammelt. Es geht nicht um die Perlen, die Pailletten oder den Stich. Es geht um die Materialien und die Strukturen, die man damit schaffen kann; mit Quasten, Seilen, Schnüren, Macramee. Ich habe eine tolle Fabrik, die gleiche, die auch die Stickereien für Balmain macht, und ich entwickle Dinge mit ihnen zusammen.

Wie hat deine Arbeit bei Balmain deinen Designprozess beeinflusst?
Das hat alles komplett verändert. Davor war meine Ästhetik sehr, sehr minimalistisch. Aber bei Olivier [Rousteing] und anderen Designern ist Spaß extrem wichtig. Ich habe gelernt, dass ich mich für das, was ich mache, begeistern muss, anstatt mir Sorgen zu machen, ob es zu wenig oder zu viel ist. Bei Balmain entschied man sich im Zweifelsfall für noch mehr Gold. Wenn man sich nicht sicher war, ob etwas genug funkelnd war, machte man mehr Swarovski-Kristalle darauf. Man fügte immer mehr und mehr und mehr hinzu und machte das Kleidungsstück so aufregend wie möglich. Das habe ich mitgenommen.

Welche Regel behältst du im Hinterkopf, wenn du deine eigenen Kleidungsstücke designst?
Es geht immer darum, das Mädchen oder die Frau, die es trägt, von ihrer besten Seite zu zeigen.

All die Aufnäher und Girl Power-Motive in deiner Kollektion gefielen mir so gut!
Es freut mich, dass Leute die Grafiken lesen und sich die Zeichnungen anschauen und lächeln. Ich finde, es sollte viel mehr von diesem positiven Vibe in der Modebranche geben. Man sollte nicht traurig sein, wenn man etwas Wunderschönes trägt.

robertaeiner.com

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Credits


Text: Alice Newell-Hanson