model diana veras über body positivity und selbstliebe

„Warum muss ich mich dann selbst als „Plus-Size-Model" oder „In Betweenie" bezeichnen? Warum kann ich nicht einfach Model sein? Warum muss es immer so eine große Sache sein? “ - Wir haben die 20-jährige Schönheit zum Interview getroffen.

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März 24 2016, 11:00am

Photography Petra Collins

Aufgewachsen ist sie mit Bildern von blonden, blauäugigen Schönheiten; jedenfalls mit keiner Frau, die auch nur entfernt so aussah wie sie. Diana Veras fühlte sich immer unzulänglich. Geboren wurde sie in einer Kleinstadt in der Dominikanischen Republik, mit sieben Jahren erfolgte dann der Umzug nach New York. Dort wurde sie von einem Modelscout entdeckt und von Casting Director Douglas Perret für die Chloë Sevigny x Opening Ceremony-Show gebucht. Seitdem war sie Teil der Kampagnen von Me + You und #mycalvins und ist gerade in Carly Rae Jepsons Musikvideo zu „Boy Problems" zu sehen. Regie führte keine Geringere als Petra Collins. Doch das allein macht sie noch zu keinem Vorbild, sondern ihre klare Ansichten zu Body Positivity und Selbstliebe tragen entscheidend dazu bei. Mit über 150.000 Followern auf Instagram wurde die New Yorkerin zu einem Vorbild für viele junge Mädchen, die nicht unbedingt den gängigen Schönheitsidealen entsprechen wollen. Letztlich wurde sie zu der Vorbildfigur, die sie sich selbst immer gewünscht hatte und inspiriert so Mädchen auf der ganzen Welt. Wir wollten wissen, wie sie gelernt hat, sich selbst zu lieben, und haben ihr dazu ein paar Fragen gestellt.

Was bedeutet dir das Modeln?
Modeln ist ein Weg, um sich selbst auszudrücken. Jedes Mal zeigt man am Set eine andere Seite von sich, die man der Welt sonst nicht unbedingt regelmäßig zeigt. Das war ein Aspekt, warum ich mich in meiner eigenen Haut so wohlfühle.

Wurdest du jemals unter Druck gesetzt, einem bestimmten Look zu entsprechen?
Als ich jünger war, ja. Als Kind habe ich zu viel Fernsehen geguckt. Alles, was ich gesehen habe, waren weiße Frauen mit perfekten Zähnen, blonden Haaren und hellen Augen. Ich habe geweint, weil ich unbedingt so aussehen wollte wie diese Frauen. Ich habe mir zu Weihnachten blaue Kontaktlinsen gewünscht, als Siebenjährige! Das zeigt doch, wie wichtig das Thema Repräsentation ist. 

Wie hat dich das Modeln verändert?
Durch das Modeln fühle ich mich stark. Dadurch, dass ich Leuten dabei helfen kann, sich gut zu fühlen, fühle ich mich selbst auch besser.

Was sind die bisherigen Höhepunkte deiner Karriere?
Das war mit Sicherheit mein Aktbild für NARS x Paper Magazine. Ich war immer strikt gegen Nacktheit, weil ich Angst vor der Reaktion der Leute auf meinen, nicht als perfekt gesehenen, Körper hatte. Auf Instagram und auf Selfies kannst du durch bestimmte Posen deine Makel verdecken. Wenn du fotografiert wirst, ist das nicht mehr möglich. Ich habe es dennoch gemacht. Ich habe mich meinen Ängsten gestellt und letztlich habe ich mich so befreit gefühlt—ich habe mich sexy gefühlt.

Was hältst du von Begriffen wie „Plus Size" und „In Betweenie"?
Ich mag nicht, dass sie uns kategorisieren, denn letztlich sind wir alle Models. Wir machen alle das Gleiche. Warum muss ich mich dann selbst als „Plus-Size-Model" oder „In Betweenie" bezeichnen? Warum kann ich nicht einfach Model sein? Warum muss es immer so eine große Sache sein?

Wie war die Zusammenarbeit mit Barbie Ferreira und Petra Collins für die Me + You-Kampagne?
Fantastisch! Barbara, Petra und ich haben uns super verstanden. Die Zusammenarbeit hat sich so angefühlt, als ob wir einfach gemeinsam abhängen würden und da zufällig eine Kamera dabei ist, die unsere besten Momente festhält.

Was hat sich in den letzten Jahren in der Branche verändert?
Also zuerst mal: ich bin jetzt Teil davon. Wenn mir jemand vor fünf Jahren gesagt hätte, dass Mädchen fotografiert werden, die wie ich aussehen, dann hätte ich dich für verrückt erklärt. Mädchen shooten, die nicht weiß, nicht 1,75 m groß sind und die nicht den perfekten Körper haben, das war doch unvorstellbar.

Und was muss sich noch ändern?
Ich möchte einfach mehr Vielfalt sehen. Ich möchte stylische Kleidung tragen können und ich möchte für Shows gebucht werden und laufen. Ich möchte alles machen, und das ist auch möglich. Nicht nur Models unterschiedlicher Körpertypen, sondern auch unterschiedlichen Alters, Leute mit Behinderungen und mehr Leute mit anderer Hautfarbe! Wir brauchen einfach mehr Repräsentation in der Modebranche.

Was denkst du über den derzeitigen Zustand der Vielfalt in der Branche?
Ich wünschte, dass es mehr Vielfalt gäbe. Jedes Mal, wenn ich mir eine Runway-Show anschaue oder Kampagnenanzeigen sehe, dann packt mich das Gefühl, dass ich dieselben Mädchen, dieselben Prominenten und dieselben Körpertypen sehe. Es sind dieselben Mädchen, die ich gesehen habe, als ich sieben war und denen ich nachgeeifert habe. Die Branche als solche ist aufgrund der fehlenden Vielfalt so uninspirierend.

Wie definierst du Schönheit?
Für mich bedeutet Schönheit, jeden Aspekt der Persönlichkeit zu lieben, sowohl körperlich als auch innerlich. Anfang diesen Jahres ging ich durch die schwierigste Phase meines Lebens und in der Zeit habe ich Seiten an mir kennengelernt, von denen ich nicht dachte, dass es sie gibt. Schönheit ist, wenn du deine Makel akzeptierst und du sie lieben lernst.

Was rätst du den jungen Mädchen, die dir nacheifern?
Es klingt zwar nach einem Klischee, aber sei du selbst, liebe dich selbst und lass dir von niemandem sagen, dass du etwas nicht schaffen kannst oder nicht die Person werden kannst, die du werden willst. Du kannst so viel erreichen, wenn du dich nur dahinter klemmst und diejenigen ignorierst, die dir Steine in den Weg legen.

Du hast viele Follower auf sozialen Plattformen. Warum bist du so beliebt, was denkst du?
Weil ich mich selbst liebe und ich mich wirklich nicht darum schere, was andere von mir denken. Das tue ich wirklich nicht.

Was ist das Beste daran, im Jahr 2016 ein Mädchen zu sein?
Ich habe das Gefühl, dass Mädchen heutzutage solidarischer miteinander umgehen. Wir sind keine Konkurrentinnen. Durch Social Media ist es auch leichter, sich mit anderen Mädchen zu identifizieren. Ich kann mir online Mädchen anschauen, die so aussehen wie ich. Dadurch fühle mich besser und wohler.

Credits


Text: Tish Weinstock
Fotos: via Instagram