Foto: Freaks and Geeks

10 Coming-Of-Age Serien, die dich durch die Pubertät bringen

Egal ob du selbst noch ein Teenie bist oder dich gerne daran zurück erinnerst: Diese Serien fangen den Geist einer so prägenden Zeit ein.

von Maxime Delcourt
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11 Juli 2019, 10:36am

Foto: Freaks and Geeks

Wie alt wir auch sein mögen: Teenie-Serien treffen immer wieder direkt ins Herz. Sie begleiten die Zuschauenden auf ihre Reise ins Erwachsensein – oder spenden Trost, indem sie zeigen, dass all das Drama und die jugendliche Zügellosigkeit ganz normal sind.

Seit den späten 80ern gab es viele Teenie-Serien, die groß aufgefahren haben mit Emotionen und Abenteuern. Einige sind unbeschwert, andere tauchen tief ein in die Turbulenzen, die uns allen in dieser absurden, chaotischen Zeit begegnen. Stranger Things, The O.C., Skins, 13 Reasons Why and Sex Education sind nicht bloß irgendwelche Fernseh- oder Netflix-Serien. Sie sind so viel mehr. Ihre Geschichten navigieren uns durch die Pubertät. Sie zeigen die Einsamkeit, das Verlangen, die Suche und Träume der jungen Charaktere, die immer wieder ein erstes Mal erleben. Sie sind durchgeknallt, hilflos, stolz, ängstlich.

Wir haben dir die zehn besten für dich zusammengebracht.

Weil Sex A) kompliziert B) komisch und C) großartig ist: Sex Education

Ehrlich gesagt, steht alles, was du wissen musst bereits im Titel. Die Sendung handelt von Otis Milburn, eine unsichere Jungfrau, die Angst davor hat, einen Orgasmus zu bekommen (selbst wenn er masturbiert). Während wir seine Abenteuer mitverfolgen, merken wir schnell, wie präsent das Thema Sex wird, sobald die Mittelstufe anbricht. Sex haben die Teens in der Serie regelmäßig, nur befriedigend ist er nicht. Genauso wenig ist er heteronormativ, was wiederum sehr gut ist.

Bei Sex Education geht es um das Scheitern und Versagen. Es handelt von den Momenten des Zweifels, peinlichen Gedanken, Herzschmerz, verborgenen Beweggründen und all die Male, in denen sich Teens ihren Ängsten stellen müssen, um vorwärts zu kommen.

Weil wir alle keinen Plan haben: Misfits

Um Misfits zu verstehen, braucht es nur dieses Zitat (in Originalversion!) von Nathan, einer der spannendsten Charaktere, der jemals erschaffen wurde:

"We're young! We're supposed to drink too much, we're supposed to have bad attitudes and shag each others brains out. We are designed to party! This is it! Yeah, so a few of us will overdose, or go mental. But Charles Darwin said, 'You can't make an omelette without breaking a few eggs.' And that's what it's all about, breaking eggs. And by eggs, I do mean, getting twatted on a cocktail of class As! If you could just see yourselves. It breaks my heart; you're wearing cardigans! We had it all. We fucked up, bigger, and better than any generation that came before us! WE WERE SO BEAUTIFUL! We're screw ups. I'm a screw up. And I plan to be a screw up until my late twenties, maybe even my early thirties. And I will shag my own mother, before I let her, or anyone else, take that away from me!"

Um endlich den Schul-Bully zum Schweigen zu bringen: 13 Reasons Why

Auf dem Papier klingt die Geschichte erst einmal furchtbar tragisch: die Schülerin Hannah Baker hat aus unbekannten Gründen Suizid begangen und hinterlässt viele Trauernde. So wie ihren letzten Willen, der aus 13 Kassetten besteht, die vom hübschen Clay Jensen gefunden wurden. Diese Kassetten sind die Verbindung zwischen verschiedenen Handlungssträngen, die alle perfekt synchronisiert zu unserer heutigen Zeit sind (der Skandal um Weinstein, die #MeToo-Bewegung und so weiter).

Doch 13 Reasons Why schwingt dabei nicht (oder zumindest nur in sehr seltenen Fällen) die Moralkeule. Stattdessen zeigt die Serie sehr nahbar, wie es sich anfühlt, wenn man mit einem Knoten im Bauch durch die Schulflure läuft und eben nicht zu den Cool Kids gehört. Sie zeigt, dass es Mut braucht, um ein Nerd zu sein. Sie macht klar, dass alle nett sind, bis sie dich dazu bringen, dich umzubringen. Hier gibt es nichts Fröhliches, du wirst hineingezogen in die dunklen Tiefen der vermeintlich so quietschsauberen amerikanischen High Schools. Und das auf sehr fesselnde Weise.

Weil sie in den 90ern einige Leben gerettet hat: Daria

Daria ist definitiv eine Kultserie. Nicht nur wegen des zerstörenden Humors, sondern auch wegen der Verehrung für Außenseiter*innen und einer Fülle an Themen, die in der häufig oberflächlichen Welt von (Teenie-)Serien keinen Platz finden: Mobbing, Einsamkeit und Depressionen. Außerdem war Daria eine der ersten animierten Serien, in denen über Gleichberechtigung gesprochen wurde – und deren Hauptfigur eine Intellektuelle war, ohne den Archetyp des frustrierten, strengen Einzelgänger-Mädchens zu entsprechen, das Kant zitiert und Cheerleader hasst.

Anders gesagt: Daria ist eine Anti-Heldin, eine lebensmüde, junge Frau, die ihre Weiblichkeit so auslegt, wie sie möchte, vor nichts und niemandem Angst hat – ganz besonders nicht vor Männern in Machtpositionen. Nimm das, Patriarchat!

Um sich zu verbünden und Monster zu bekämpfen: Stranger Things

In einer Szene aus 13 Reasons Why sagt Jessica Davis: "Wir waren keine Freundinnen, Freundinnen sagen sich die Wahrheit. Sie wenden sich nicht gegen die andere Person." Diese Aussage passt perfekt zu den Kids aus Stranger Things, die ihr Leben nach dem "Freunde lügen nicht"-Mantra führen. Stranger Things ist keine Sci-Fi Serie, die ein bisschen zu besessen von den 80ern ist, sondern eine über Freundschaft. Es geht um Kinder aus verschlafenen Vororten, die plötzlich mit dem Außergewöhnlichen konfrontiert werden – nämlich die Ankunft von Eleven und die Entdeckung des Demogorgon. Alles konzentriert sich auf das Gefühl von Zusammenhalt. Etwas, das die Jugend schöner, vielseitiger und vor allem unvergesslich macht.

Für eine einwandfreie Indie-Pop-Ausbildung (selbst wenn deine Freund*innen denken, du bist ein Loser): The O.C.

The O.C. respektiert, so wie keine andere Serie, die Codes und Sitten einer Teenie-Sendung: unbedingt braucht es die Tage rund um den Schulabschluss, verrückte Partys, Nacktbaden, Liebe und ganz viel S-E-X. Ohne jemals zu sehr zu übertreiben, bietet The O.C. immer wieder etwas von jeder Schlüsselzutat. Außerdem dürfen deine liebsten Indie-Gruppen der frühern 00er natürlich nicht fehlen – mit ihren unverzichtbaren Hits, die die Geschichten der Protagonist*innen nur noch verstärken. Death Cab for Cutie, Syd Matters, The Walkmen, Modest Mouse, The Killers und Imogen Heap kommen alle in mindestens einer Folge vor.

Für den vernünftigen Konsum psychoaktiver Substanzen (lol): Skins

Während der sieben Staffeln blieb Skins überraschend konsequent darin, die unbändige jugendliche Freiheit zu erforschen, die Generation nach Generation immer wieder erlebt. Sex, Liebe, Drogen, Drama, Streitereien: alles mit der einmaligen Intensität der Jugendjahre. Hier wirst du garantiert keine reichen amerikanischen Barbies finden. Stattdessen triffst du auf 'echte' Teenager mit Akne, billigen Neon-Klamotten und dem überwältigenden Bedürfnis, ihre Wut mit Alkohol und Partydrogen zu betäuben.

Skins ist eine Ode an geheime Partys, die erste Ekstase und Vans mit Schachbrettmuster. Außerdem sollte kurz wertgeschätzt werden, dass Skins als erstes Fernseh-Format Dubstep in den Soundtrack integrierte. Sechs Jahre nach dem Ende der Serie sind tausende Teens noch immer gefesselt von den Charakteren und ihrem unvergleichbaren Drang nach Grenzenlosigkeit.

Weil Freaks und Geeks ziemlich cool sind: Freaks and Geeks

In einem Interview aus dem Buch Comédie, mode d'emploi von Emannuel Burdeau beschreibt Judd Apatow die Rolle des Geeks als "existentiell hilflos". Freaks and Geeks handelt von dem Aufeinandertreffen zweier Gruppen – Überraschung, es sind Freaks und Geeks –, die ihres Soziallebens beraubt werden und nicht mit dem Verhalten ihrer Mitschüler*innen klarkommen. Zumindest scheint es auf den ersten Blick so. Hier stürzen sich die Charaktere nicht in alkoholreiche Partys, sondern finden ihren Exzess in selbstgemachten Burgern, die am liebsten verdrückt werden, wenn sie eine Comedy Show ansehen oder I'm One von The Who hören.

In einer der bedeutendsten Szenen sehen wir Bill Haverchuck, ein Geek mit großer Brille und ein bisschen vernachlässigtem Haar. Diese Szene ist so besonders, da sie unbewusst den Anbruch der Nerd-Ära prophezeit. Der Nerd, der seit dem Beginn der 00er zum Held unserer Zeit wurde und sich solcher Beliebtheit erfreute, dass Pharrell sogar eines seiner Musikprojekte N.E.R.D. nannte und Hollywood Produzenten dazu brachte, ihr Geld in Nerd-zentrierte Serien zu stecken (The Big Bang Theory).

Weil es – so lange es Teens gibt – immer auch Punk geben wird: This Is England

Die Welt, die Shane Meadows in der dreiteiligen Mini-Serie This Is England ('86, '88 und '90) darstellt, ist dieselbe, die er auch in seinem gleichnamigen Film aus dem Jahr 2006 zeigt. In jeder Äußerung, Szene und Aufnahme erleben wir das England der 80er, den Einfluss der brutalen und repressiven Politik von Margret Thatcher sowie die dazugehörige Verzweiflung der Bevölkerung. Nur die Musikkultur hat sich weiterentwickelt: die Skinheads in Fred Perry Polo-Shirts und Doc Martens haben Platz gemacht für eine neue Generation, Fans von The Cure und New Order.

Im Laufe der Serie bleiben Shane und seine Leute alles andere als leidenschaftliche Optimisten. Gewalt, Zukunftsängste und Misstrauen dominieren, alle wirken angespannt, die Armen kämpfen um bessere Lebensumstände. Das komplette Gegenteil zu Riverdale und ihre wohlhabenden Held*innen. This Is England liefert einen Punk-Blick auf die Jugend. Die Art von Jugend, die vor Wut brüllend in dunklen Gassen steht, gegen die in siffigen Bars angetrunken wird. Dort, wo die Stammgäste Legenden sind und die Säufer Poeten.

Weil Geschwister (und Mütter) das Leben manchmal zur Hölle machen: Malcolm Mittendrin

Die gesamten neun Staffeln von Linwood Boomers Serie waren, ehrlich gesagt, eine ziemliche Katastrophe: die regelmäßigen Ausraster von Vater Hal, die zügellose Wut von Mutter Lois, die Launen des jüngsten Bruders Dewey, die Spielchen zwischen Malcolm und Reese und so weiter und so weiter ... Doch bei Malcolm geht es auch um Francis, einen "dummen Typ mit unglaublichem Aussehen", der – mehr als alle anderen Charaktere – den Teenager in all seiner Schönheit, mit seinen Träumen und Widersprüchen personifiziert. Er ist nicht einfach ein komödiantisches Mittel der Autoren: er ist der ultimative Rebell. Einer, der dazu verdammt ist, sich gegen eine dominante, schlaue und hinterhältige Mutter behaupten zu müssen. Außerdem gehört er zu den politisch aufgeklärtesten Teens im TV.

Man lasse sich nur seine Aussage auf der Zunge zergehen, in der er darüber sinniert, welche Berufe uns Menschen zerstören: "Hast du irgendeine Ahnung, welche Auswirkungen diese Art von Aktivität auf dein Hirn hat? Sie zerstört deine Seele, macht deine Intelligenz zu Porridge und zermalmt dein Herz zu Staub." Und dann gibt es noch diese Referenz zur Flower Power in Folge 9, Staffel 2: "Du verstehst es nicht – es geht über diesen Planeten hinaus. Ich kämpfe gegen Tyrannei, Faschismus und Unterdrückung. An dem Tag, an dem Spangler diese Blume sieht, wird er wissen, dass er uns nicht brechen kann. Nicht jetzt, niemals."

Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der französischen i-D Redaktion.

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