Tauch' ein in Kiews einzigartige Underground-Szene

Das Künstler-Kollektiv "Join the Cool" steht für Originalität, die nichts mit (Post-)Sowiet-Referenzen zu tun hat.

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Juni 18 2018, 11:20am

Ganz Europa wirft gerade ein Auge auf die ukrainische Kreativszene. Das ist vor allem dem Kiewer Künstlerkollektiv Join the Cool zu verdanken, das aus dem Videografen Genia Volkov und den Fotografinnen Anastasia Lazurenko, Kristina Podobed und Daria Svertilova besteht. Jedes Jahr arbeiten sie gemeinsam an einem Projekt, das sich mit gesellschaftlich relevanten Themen und dem Menschsein auseinandersetzt – dazu gehören unter anderem Dinge wie Liebe, das Leben als Teenager, das Vermächtnis der älteren Generationen, Traditionen und Klischees.


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Mit Hilfe ihres multimedialen Ansatzes versammeln sie die "vielversprechendsten Ukrainer ihrer Generation". Dafür verbinden sie Vergangenheit und Gegenwart: die kulturelle Vielfalt des Landes, die von den vorherigen Generationen vererbt wurde und einen neuen Aktivismus, der sich vor allem global orientiert. Die Geschichten geben einen kritischen Einblick in ein Land, das einst durch den Eisernen Vorhang abgeschirmt und in der USSR verborgen wurde. Um es mit ihren eigenen Worten zu sagen: "Versöhnend und sich integrierend, erlaubt uns dieser Konflikt, kulturelle und spirituell weiterzumachen – und versteckte Aspekte des Lebens in der Ukraine preiszugeben."

Join The Cools neuestes Projekt ist eine Fotoserie, die sich mit dem Bildungssystem des Landes auseinandersetzt und die Bedeutung von Individualität und Kreativität in den Mittelpunkt rückt. Hier erfährst du mehr.

Wie würdet ihr die Kreativszene in Kiew beschreiben?
Wie mit jedem anderen Aspekt im Leben auch wird die Kreativszene des Landes von der Globalisierung beeinflusst. Der Eiserne Vorhang existiert nicht mehr, was uns genauso konkurrenzfähig macht wie die Künstler in New York, Paris, Tokio und sonst wo auf der Welt.

Glaubt ihr, dass die politische und ökonomische Situation des Landes die Leute kreativer gemacht hat?
Wir leben im Augenblick. Dank allem, was gerade in unserem Land passiert, können wir etwas Einzigartiges schaffen, das nicht im geringsten so aussieht wie irgendetwas zuvor. Wir stehen für Originalität – und die hat nichts mit (Post-)Sowiet-Referenzen zu tun. Für dieses Projekt haben wir vor allem Leute fotografiert, die fast alle nach den 2000ern geboren wurden – also fast 10 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion.

Was stimmt euch hoffnungsvoll für die Zukunft?
Ein Morgen gibt es nicht. Wir sind für das Hier und Jetzt verantwortlich. Das Projekt ist den ukrainischen Schulen und allgemein dem Bildungswesen gewidmet. Bildung beeinflusst die Zukunft direkt. Wir sollten den Kids beibringen, sich menschlicher zu verhalten und sich nicht dem System anzupassen. Fast jeder, den wir fotografiert haben, wurde in der Schule gehänselt oder gemobbt. Es ist ein echtes Problem, wie eine Kultur der falschen Werte eine Persönlichkeit zerstören kann. Wir setzen uns für mehr Respekt ein, jeder sollte sich akzeptiert fühlen. Deswegen haben wir die Fotos symbolisch am 24. August geschossen, dem Unabhängigkeitstag der Ukraine.

Wer ist die Stimme eurer Generation in der Ukraine?
Die Künstler. Trotzdem brauchen wir noch mehr junge Unternehmer, die sich für unsere Generation einsetzen, weil es keine andere Möglichkeit ohne sie gibt, um die Leute in die Kunstszene zu bekommen. Wenn wir fotografieren, bauen wir uns eine utopische Realität zusammen, die die Menschen zusammenbringt.

Das ist eure Chance, was möchtet ihr der Welt sagen?
Join the cool.

@jointhecool

Credits


Fotos: Anastasiya Lazurenko, Kristina Podobed und Daria Svertilova.
Video: Genia Volkov.
Styling: Stas Soulkeeper.
Make-up: Yulya Zalesskaya.
Fotografie-Assistenz: Anton Izhakevich.
Models: Cat-b agency.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.