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"True Blood" ist die beste Serie, von der du noch nie gehört hast

In der HBO-Serie geht es um Vampire und unglaublich viel Sex.

von Alim Kheraj; Übersetzt von Michael Sader
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Aug. 17 2018, 1:51pm

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In den ersten fünf Minuten der HBO-Serie True Blood droht ein Vampir an einer Tankstelle einem betrunkenen Hetero-Pärchen damit, dass er erst Sex mit ihnen haben und dann verspeisen wird. Diese Szene beschreibt ganz gut, was dich über sieben Staffeln erwartet: Sex, Vampire, Werwölfe, Feen und Gestaltwandler.


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Hinter der Serie, die 2008 zum ersten Mal über die Bildschirme flimmerte, steht kein Geringerer als Alan Ball (das Genie hinter Six Feet Under und dem Film American Beauty). Sie basiert auf der beliebten Dark-Romance-Buchreihe von Autorin Charlaine Harris über die Abenteuer von Sookie Stackhouse. True Blood stammt aus einer Zeit, in der Vampire schwer in Mode waren. Es war die Zeit von Twilight: Edward, Bella und Jacob erreichten Fan-Status, der nur noch durch One Direction getoppt wurde. Teenager und Erwachsene begeisterten sich für die glitzernden Vampire und ihre Botschaft: keinen Sex vor der Ehe zu haben.

True Blood war ein krasser Gegenentwurf dazu. Die Macher entschieden sich gegen das Konservative und für die Darstellung von Problemen wie Rassismus und Diskurse über sexuelle und geschlechtliche Identitäten. True Blood ist eine wunderbare Allegorie dafür, was es bedeutet, vom Mainstream marginalisiert zu werden.

Das Konzept der Serie ist simpel: Nachdem japanische Wissenschaftler mit True Blood einen synthetischen Blutersatz entwickelt haben, outen sich die Vampire der Welt. Schnell beginnt ein Kampf um die Ergänzung der US-Verfassung, damit auch Vampire dieselben Rechte erhalten wie Menschen. Im Gegensatz zu diesen besitzen Vampire übernatürliche Kräfte, sind oft sehr attraktiv und verdammt gut im Bett. Sogenannte "Fang Banger" erlauben einem Vampir, dass er sie beim Sex beißen und von ihrem Blut trinken darf – wenn sie diesen überleben.

Ein bisschen weniger spektakulär ist die Liebesgeschichte zwischen der telepathischen Kellnerin Sookie Stackhouse, gespielt von Anna Paquin, und dem Vampir Bill Compton, gespielt von Stephen Moyer. Die Beziehung zwischen den beiden bildet zwar die Rahmenhandlung, ist aber auch der konservativste Handlungsstrang in True Blood. Gerade zum Ende der Serie wird die Beziehung zwischen Sookie und Bill immer mehr an heteronormativen Idealen ausgerichtet.

Auch Vampir Eric entzieht sich einer eindeutigen Kategorisierung seiner sexuellen Identität. Er experimentiert in der Serie mit Männern und Frauen. Lafayette, gespielt von viel zu früh verstorbenen Nelsan Ellis, ist die eindrucksvollste queere Figur in der Serie. Er ist Koch in einer Bar und zugleich der menschlichste Charakter: scharfer Verstand, charismatisch, weise und brillant geistreich. Lafayette war die queere Person of Color, die seine Femme-Persönlichkeit ausgelebt hat. Eine Lücke, die bis heute nicht geschlossen wurde. Die Darstellung seiner Beziehung zu Jesús, auch eine queere PoC, war echt und aufregend. Leider wurde Jesus am Ende der vierten Staffel als Opfer einer homofeindlichen Hassgruppe in den Serientod entlassen.

Die beiden schwarzen Hauptfiguren, Lafayette und Tara, waren die spannendsten Figuren in der ganzen Serie. Auch wenn Tara in True Blood oft die Opferrolle zugeschoben wurde. Sie starb fast beim Versuch, eine Weiße zu retten und wird am Ende selbst zur Vampirin. Auch der Charakter von Lafayette litt unter Klischees.

Und genau das war das Problem von True Blood: Die Serie hat sich im Klein-Klein verloren. Vielversprechende Ansätze wie das Thema Repräsentation und queere PoC-Charaktere wurden zu schnell und zu sehr mit Stereotypen überfrachtet. Genauso wie LGBTQ-Menschen gelten Vampire in der Serie als gierig, sexhungrig und unmoralisch – und das wurde auch eindrucksvoll gezeigt.

Die Macher haben die Grundregel des Fernsehens missachtet, das Publikum zu halten. Nach einer brillanten dritten Staffel haben die Verantwortlichen offenbar vergessen, dass Fernsehen auch unterhalten und Spaß machen soll. Die Handlungsstränge wurden zu viel und True Blood büßte seine Identität ein. Was als exzellente Unterhaltung mit großem Budget, einem fantastischen Cast und sexy Vampiren begann, entwickelte sich zu einem unschaubaren Unsinn. Leider gehört das Ende zu den schlechtesten Serienfinalen in der jüngeren TV-Geschichte.

Trotzdem ist es keine Übertreibung, wenn man feststellt, dass es ohne True Blood heute nicht so erfolgreiche Genre-Serien geben würde. Trotz der negativen Aspekte ist die Serie dank des Casts und dem geschickten Einsatz der Kinematographie die beste Genre-Serie seit Buffy, die Vampirjägerin. Auch wenn True Blood nie den Durchbruch in Deutschland geschafft hat, steckt heute in jeder Fernsehserie etwas von ihr.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.