Nicholas Welvere // Radical Beauty Project

Das "Radical Beauty Project" räumt mit Fehlvorstellungen rund um das Down-Syndrom auf

... und zwar durch ästhetische Shootings von bekannten Modefotografen

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Dez. 4 2018, 1:42pm

Nicholas Welvere // Radical Beauty Project

Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Fotos von Radical Beauty Project nicht wirklich von den Avantgarde-Inszenierungen, die du in internationalen Hochglanz-Magazinen findest. Die größten Fotografen der Industrie stehen hinter der Kamera, extravagante Make-up-Kreationen schmücken die Models und experimentelles Styling findet sich in jedem Editorial. Dennoch wirst du eine Sache dagegen eher selten in den Standard-Modezeitschriften finden: Models mit Down-Syndrom.

Hinter dem Radical Beauty Project steht das Kunst-Kollektiv von Drag Syndrome, eine Underground-Drag-Night von Performern mit Down-Syndrom und Culture Device Dance Project, eine experimentelle Tanzgruppe für professionelle Tänzer mit Down-Syndrom. Bei ihrem neuesten Projekt geht es darum "Meinungen und das Verständnis von Schönheit in unserer kontemporären Kultur herauszufordern." Wir wollten mehr wissen und haben Art Director Daniel Vais ein bisschen ausgefragt.


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Woher kam eigentlich die Idee?
Seit einer ganzen Weile arbeite ich mit Menschen mit Down-Syndrom, aber die Idee kam mir, als ich durch die Straßen von Hackney lief und plötzlich eine Vision hatte, in der ich das komplette Buch vor mir sah. Ich hatte das gesamte Konzept vor Augen! Also ging ich sofort nach Hause und schrieb das nieder, was meine Fantasie bereits produziert hatte. Für eine Weile ließ ich es liegen, auch wenn ich bereits wusste, dass ich dieses Projekt unbedingt umsetzen wollte. Das war vor ungefähr drei Jahren.

Samuli Karala for Radical Beauty Project
Samuli Karala / Radical Beauty Project

Warum hast du dich dazu entschlossen, ausschließlich mit Models mit Down-Syndrom zu arbeiten?
Ich bin Choreograph und vor ein paar Jahren organisierte ich einen Workshop für Menschen mit Down-Syndrom. Es folgten ein paar kleinere Projekte, doch schon bald habe ich gemerkt, dass sich meine Arbeit nur auf diese Menschen konzentrieren sollte. Es war nicht unbedingt meine Absicht, sondern hat sich einfach so ergeben.

Wie funktioniert das Casting?
Ich halte meine Augen offen und frage Leute. Ich scoute auf der Straße oder starte Aufrufe. Ich suche nicht nach einem bestimmten Look, jeder kann das richtige Model sein. Jetzt, da das Projekt etwas bekannter geworden ist, kontaktieren mich Menschen mit Down-Syndrom auch direkt. Einige der Models haben keinerlei Erfahrung, manche, wie Sarah Gordy, hingegen schon. Aber selbst, wenn die Models das erste Mal posieren, entspannen sich alle nach zehn Minuten und sind sehr professionell. Mir ist aufgefallen, dass die meisten immer gewisse Erwartungen von Menschen mit Down-Syndrom haben oder denken, dass sie bestimmte Sachen nicht könnten – aber die Realität sieht anders aus.

Roger Weis for Radical Beauty Project
Roger Weis / Radical Beauty Project

Willst du diese Missverständnisse durch deine Arbeit aus der Welt schaffen?
Das ist eher eine Nebenerscheinung. Mein Ausgangspunkt ist die Kunst, mit einem starken Fokus auf die extraordinären Qualitäten von Menschen mit Down-Syndrom. Es war nie meine Absicht, die Gesellschaft damit zu konfrontieren, aber durch meine Arbeit wurde ich Zeuge der vielen Fehlvorstellungen, die Leute mit dem Down-Syndrom verbinden. Meine Arbeit soll genau diese Menschen in den Mittelpunkt stellen und zeigen, dass sie alles können, was sie wollen.

@radicalbeautyproject

Eva Losana for Radical Beauty Project
Eva Losada / Radical Beauty Project

Auf der Website des The Radical Beauty Project findet ihr weitere Shoots. Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.