Foto: Leslie Zhang

Leslie Zhang befreit die Modefotografie von westlichen Idealen

Der in Shanghai lebende Fotograf hat etwas erschaffen, das anders ist als alles, was es derzeit in der Szene gibt.

von Ryan White
|
28 Oktober 2019, 10:07am

Foto: Leslie Zhang

"Eigentlich ist es so simpel", erzählt Leslie Zhang. "Ob Nachbildungen meiner Kindheitserinnerungen oder ein besonderes Gesicht: Ich fotografiere einfach nur Dinge, die ich schön finde."

Geboren in Yangzhou und aufgewachsen in Nanjing, zwei wohlhabende Städte im Osten Chinas, wurde Leslies künstlerische Sensibilität von klein auf durch die traditionellen Gärten, Seen und die Vielfalt der Architektur beider Orte geprägt. "Von der sozialistischen Bewegung des Landes bis hin zur zeitgenössischen westlichen und japanischen Kultur: Die Städte haben im letzten Jahrhundert enorme kulturelle und wirtschaftliche Veränderungen erlebt."


Auch auf i-D: Moderne Weiblichkeit in China


Leslie lebt mittlerweile in Shanghai und arbeitet trotz seines umfangreichen Portfolios schon lange nicht mehr als Vollzeitfotograf. Er interessiert sich für die Malerei. Inspiriert von der Arbeit japanischer Ikonen wie Shōji Ueda und Yoshihiko Ueda beschloss er, seine malerischen Fähigkeiten auch auf die Fotografie anzuwenden. "Die japanische Fotografie hat einen Grundstein für mich gelegt, um eine Sprache der Modefotografie zu entwickeln, die sich nicht nur um westliche Ideale dreht", sagt er. "Ich fühle mich den Werken dieser japanischen Meister stärker verbunden."

Mit ein wenig Hilfe von Freund_innen brachte Leslie sich alles, was er über Fotografie weiß, selbst bei. "Sie unterscheidet sich nicht groß von anderen Kunstformen. Ich glaube, es gibt eine universelle Schönheit." Von der reichen Farbpalette bis hin zur anmutigen, aber kraftvollen Positionierung seiner Motive: Auf jeder seiner Bilder ist Leslies Hintergrund der bildenden Künste zu spüren. "Das Wichtigste an meiner Arbeit ist, dass sie optisch schön ist. Ein Bild muss für mich aber auch eine Bedeutung haben, mich in seinen Bann ziehen und zum Nachdenken anregen."

@lesliezhang1992

1565947699046-8
Foto: Leslie Zhang

Leslie schwört dabei auf Film: "Ich benutze nur analoge Filmkameras. Die sind an sich nicht teuer, aber ich gebe viel für die Filmentwicklung und das Scannen aus". "Wenn es um kommerzielle Aufträge geht, mache ich keine Kompromisse, sondern gebe mein Bestes, um auf meine Vision zu bestehen. Ich glaube aber auch, dass die 'guten' Kunden zu mir kommen, weil sie meine Arbeit gesehen und verstanden haben", fügt er hinzu. "Ich lehne selten ein Jobangebot ab, aber wenn etwas völlig dem widerspricht, was ich für schön halte, mache ich es nicht."

Sehr präzise und detailreich fängt Leslies Werk poetische, manchmal absurde Momente ein. "Ich denke, alle sollten, bevor sie ihre Ideen umsetzen, zunächst die Technik beherrschen. Angewandte Kunst gehört zur Essenz der Fotografie", fügt er hinzu. "Sobald du die Werkzeuge benutzen kannst, das zu erschaffen, was du in deinem Kopf siehst, kannst du dich auf jene tiefgreifenden Ideen konzentrieren, die dich zu einem wirklich guten Fotografen machen."

1565947551579-9
Foto: Leslie Zhang
1565947582607-5
Foto: Leslie Zhang
1565947599765-4
Foto: Leslie Zhang
1565947616521-1
Foto: Leslie Zhang
1565947630599-3
Foto: Leslie Zhang
1565947649617-10
Foto: Leslie Zhang
1565947685213-2
Foto: Leslie Zhang

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei unseren Kolleg_innen aus der i-D UK Redaktion.

Tagged:
china
Weiblichkeit
Kultur