die mode, kunst und pop des brennan olver

Wir trafen den australischen Ausnahmekünstler Brennan Olver und sprachen mit ihm über Gender, Liebe und Arbeit.

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Mai 6 2015, 12:40pm

Foto: Michelle Huynh

Der australische Künstler und Musiker Brennan Olver macht unter dem Künstlernamen Wet Kiss experimentellen Pop und Low-Fi, spartenübergreifende Kunst mehr oder weniger unter seinem Namen. Zwischen der Ausübung seiner Kunst, erkundet er - wie jeder junge Erwachsene auch - Liebe, Tiere, Erinnerungen, Sex und Politik. Er ist erst kürzlich von Australien nach New York gezogen und traf dort auf die Stylistin Hali Christou, die Eindruck im Big Apple machen wollen. Hali interviewte Brennen für i-D kurz nach seiner US-Tour.

Du hast kürzlich als Model in New York gearbeitet, davor warst du für Pageant, Centre For Style und Bill Henson tätig. Du wirst immer in einer männlichen Rolle gecastet, aber du hast früher erwähnt, dass du es nicht magst, als „er" oder „sie" bezeichnet zu werden.
Ich weiß nicht genau, was es ist, aber wenn mich jemand als „er" bezeichnet, kann ich mit damit nicht identifizieren. Schon als Kind war ich an Frauenkleidern interessiert. Meine Familie hat mich wirklich unterstützt, ich konnte alles tragen, was ich wollte. Ich denke, dass mir die Kleidung dabei hilft, mich selbst zu finden. Es gibt eine starke Trans-Community in Melbourne, die ich liebe und unterstütze und die mich in meinen Entscheidungen unterstützen.

Sobald ich damit begann, vom Männlich-Sein zu entfernen, habe ich mich viel besser mit mir selbst gefühlt. Es war erst kürzlich, dass mich ein enger Freund ermutigt hat und mich dabei unterstützt, offen darüber zu sein. So war es aber mein ganzes Leben. Es gibt viele Communitys außerhalb von „Männlich" und „Weiblich", mit denen du dich identifizieren kannst, gender-queer ist nur eine davon.

Was interessiert dich an Mode am meisten?
Mich interessiert der individuelle Stil der Leute, aus welchen Gründen Leute bestimmte Dinge tragen, was Leute an einem bestimmten Stoff anzieht. 

Wie überschneiden sich die verschiedenen künstlerischen Disziplinen, in denen du arbeitest?
Ja, ich bin Künstler. Ich habe die Kunsthochschule besucht, aber ich habe schon immer Musik gemacht. Auch bevor ich zum Künstler ausgebildet wurde.

Also war Musik die Konstante in deinem kreativen Leben?
Ja. Kunst ist ein fester Teil meines Lebens. Ich werde immer Künstler sein und weiterhin Arbeiten produzieren, aber Musiker zu sein und auf der Bühne zu stehen, ist ein anderes Gefühl. Es fühlt sich an, als ob alle verschiedenen Aspekte meiner Arbeit dort zusammenkommen.

Was sind deine größten musikalischen Einflüsse?
Definitiv viele Bands aus Melbourne, mit denen ich spiele, wie Waterfall PersonCheap PresentSimona Kapitolina und KT Spit. Außerdem liebe ich David Bowie.

Ist das neue Album von Wet Kiss Brennan eine Pop-Platte?
Mich beeinflusst die Goth-Ästhetik und meine Musik klingt irgendwie immer sehr dunkel. Diese 80er Goth-Bands wie Malaria waren immer so ironisch und ich kann mich mit dieser Energie identifizieren. Ich liebe die Musik der 70er und ich möchte diese Energie in meine Musik und meine Auftritte übertragen. Nico sagte mal in einem Interview: „Ich wünschte, ich könnte auf der Bühne leben". Das möchte ich auch, aber ich fürchte mich vor dem Auftritt.

Gibt es Themen in deinen Texten?
Meine Texte handeln von Liebe, von Träumen, von Tod und über Walfischen in Japan. Sie thematisieren die globale Erwärmung und handeln von gar nichts. Sie sind echt peinlich, aber ich muss sie einfach rausbringen, weil das aus mir strömt, wenn ich schreibe.

Du schreibst auch Gedicht, oder?
Jeder schreibt Gedichte.

Wo können wir dein Album hören?
Auf wetkissing.bandcamp.com. Ich veröffentlichte auch Tapes, die man bei Band Camp bestellen kann oder bei meinen Live-Auftritten kaufen kann.

Credits


Text und Interview: Hali Christou
Fotos: Michelle Huynh