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jonas lindstroem skizziert in "truth or dare" die heutige jugend

In 21 Momentaufnahmen wird das Leben unserer globalen Generation dargestellt.

von Alexandra Bondi de Antoni
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20 Februar 2017, 2:05pm

Vor Johann Königs ursprünglichem Galerie-Standort auf der Dessauer Straße ist es laut und eine Menschenmenge drängt sich auf dem kleinen Platz: Die Berliner Mode- und Kulturblase hat sich versammelt, um die Premiere des neuen Videos von Fotograf und Filmemacher Jonas Lindstroem zu feiern. Hat man sich einmal durch die Eingangstür und an der Bar vorbeigeschoben, findet man sich in dem dunklen Raum wieder, in dem das 15-minütige Video auf Dauerschleife läuft. Vor der Leinwand sitzen einige Leute auf dem Boden und starren wie gebannt auf den Screen, hinten lehnen manche an der Wand und im Gegensatz zum Trubel vor der Tür herrscht hier eine angenehme Stille.

Truth or Dare - 21 Performances heißt das Video, das es hier zu sehen gibt. 21 Momentaufnahmen aus den Leben einer globalen Generation, die mehr durch ihr Bildschirme lebt, als wirklich in den Situationen anwesend zu sein, die mit Informationen bombardiert wird und dabei immer und immer einsamer wird. Lindstroem, der Kenzo und Uniqlo zu seinen Kunden zählt, verfremdet Alltagssituationen, treibt sie so auf die Spitze und lässt einen nachdenklich zurück. "Mich hat eine ganz eigene Art von Angst interessiert. Dieses Gefühl, ständig mit Informationen zugeschüttet zu werden, während man sich eigentlich immer einsamer fühlt. Gleichzeitig aber auch was wir gegen dieses Unruhe machen — emotionale Beruhigung durch körperliche Erfahrung", erzählt er im Interview mit 032c.

Die einzelnen Szenen sind sehr verschieden und trotzdem nicht nur durch die klare und für Lindstroem typische Bildsprache zusammenhängend: Da sieht man ein Paar beim Rummachen, hier eine wilde Party, da steht ein junger Mann vor einem großen Feuer und macht ein Selfie, hier fliegt ein Mensch vom Himmel — kleine Handlungen werden auf eine Ebene mit großen gesetzt, der Grad zwischen totaler Ekstase und Einsamkeit ist klein, die Surrealität mancher Sequenzen wirkt plötzlich ganz normal; alles eben so wie im echten Leben auch, in dem der ständige Datenstrom einen manchmal die Echtheit von Informationen nicht mehr erkennen lässt.

Verlässt man den dunklen Raum und die angenehme Stille, ist man wieder mittendrin im Trubel, blickt sich um, sieht die Charaktere, die sich hier tummeln, und versteht auch plötzlich das Zitat "What's the voice of this generation? - Maybe there isn't one" von Mike Kelley, das Lindstroem als eines seiner Inspirationen nennt, ein bisschen besser.

Credits


Text: Alexandra Bondi de Antoni
Fotos: via Jonas Lindstroem