die musik von soft hair ist sexy, exotisch und unserer zeit voraus

Connan Mockasin und Sam Dust, die zwei sexy Posterboys, haben sich zusammengetan und bringen endlich ihr erstes gemeinsames Album raus – das bereits fünf Jahre lang fertig in der Schublade lag.

von Lisa Leinen
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24 Oktober 2016, 9:40am

Connan Mockasin und Sam Dust machen beide schon lange Musik—alleine und in diversen Projekten—und haben sich nun (endlich) unter dem Namen Soft Hair zusammengetan. Beim Interviewtermin in Prenzlauer Berg treffen wir auf zwei übermüdete Musiker, die die Schuhe längst in die Ecke geschmissen und es sich auf dem Sofa bequem gemacht haben. Es sei ihnen verziehen, denn zurzeit fliegen sie quer durch Europa und geben ein Interview nach dem anderen. Das gleichnamige Album von Soft Hair erscheint diesen Freitag, am 28. Oktober. Wir haben ihnen ein paar Fragen gestellt und mit ihnen über Heimatgefühle und ihr softes Haar philosophiert. 

Warum habt ihr fünf Jahre bis zum Release gewartet?
Sam Dust: Wir haben nicht wirklich gewartet, wir waren nur sehr, sehr entspannt. Wir haben die Songs mehreren Freunden und Labels vorgespielt und die meinten dann, dass es noch nicht fertig sei. Und das ging irgendwie eine ganze Zeit lang so weiter ...
Connan Mockasin: Einige haben uns auch ständig nach dem Rest gefragt, weil ihnen das Album zu kurz erschien.
Sam: Vielleicht war das Album auch einfach seiner Zeit voraus, deswegen hat sich sein Release erst jetzt richtig angefühlt.

Es passt natürlich gerade sehr gut in diese ganze 80er-Jahre-Hommage-Welle.
Connan: Ja, es fühlt sich jetzt richtig an. Aber ... warten wir's ab.

Wenn wir schon davon sprechen: Was war das Beste an den 80ern?
Connan: Ich kann mich noch sehr gut an die 80er erinnern, aber ich bin kein großer Fan der Musik von damals. Alle meine jungen Freunde feiern diese Musik, also vielleicht liegt es wirklich einfach daran, dass ich all diese Geräusche noch von früher kenne?
Sam: Ich glaube schon, dass es gute Musik aus den 80ern gibt, aber die wird irgendwie verdeckt von der unnötigen Post-Produktion, und dem unnötigen Styling. Aber ich mag die Tapferkeit der Musik von damals und auch die Mode aus dieser Zeit.

Ich habe gelesen, dass eure Freundschaft mit einem Streit begonnen hat.
Connan: Ah, das steht überall, ja, aber genau genommen war es ein Streit zwischen einem Bandmitglied von Sams Band und einem meiner Jungs, auf dieser Party damals vor knapp zehn Jahren. Aber wir beide haben uns nicht gestritten.
Sam: Wir haben uns damals gar nicht wirklich kennengelernt. Es war natürlich bisschen seltsam, als wir uns ein paar Monate später persönlich kennengelernt haben: „Haben sich unsere Drummer da letztens gestritten? Ah, sorry noch mal."

Wo und wie habt ihr euch dann kennengelernt?
Sam: Wir haben uns immer mal wieder irgendwo gesehen, sind aber nie wirklich ins Gespräch gekommen. Und dann sind wir am Flughafen in Stockholm ineinander gelaufen, wir hatten den gleichen Flug. Und unsere Drummer haben sich in Grund und Boden geschämt [Lacht]. Und so richtig kennengelernt haben wir uns dann ein Jahr später, als ich gefragt wurde, ob ich die Band auf der Tour supporten könne. Und mit Sam habe ich mich sofort gut verstanden—der Beginn einer fantastischen Freundschaft.

Und das war wann?
Das war ... 2008! Ich weiß das alles noch sehr genau, ich schreibe alles in mein Tagebuch.

Und dann habt ihr beschlossen, die Band zu gründen?
Connan: Nicht direkt, wir haben erst mal viel zusammen abgehangen und nur so für uns Musik gemacht.
Sam: An einem Abend waren wir dann zusammen auf einer Party und eine junge Dame hat durch den ganzen Raum gerufen: „You boys got really soft hair!" Alles haben uns angestarrt und wir dachten nur: guter Name für eine Band. Lass uns eine Band gründen.

Ihr habt das Album dann an verschiedenen Orten und in verschiedenen Ländern aufgenommen, richtig?
Connan: Ja, schon, aber die meiste Zeit über waren wir zusammen in England, in Sams Haus.

Zurück zu eurem Namen. Neben eurem soften Haar, was mögt ihr besonders an dem jeweils anderen?
Sam: Connan erinnert mich immer ein bisschen an Willem Dafoe, das mag ich. Hab ich aber erst soeben festgestellt [Lacht].
Connan: Das klingt jetzt etwas seltsam, aber das Einzige, an das ich mich erinnern kann, ist dieser riesige Insektenstich über deinem Ellenbogen.
Sam: [Lacht] Das war wirklich absurd, ja. Ich bin allergisch und mein Ellenbogen ist auf eine unvorstellbare Größe angeschwollen. Wir waren in einem Botanischen Garten, weißt du noch? Und irgendwie haben wir uns wahnsinnig in Vampir-Sagen reingesteigert. Sorry, wir driften ab in alte Erinnerungen, das passiert uns gerne mal, wenn wir zusammen sind.

Und charakterlich?
Connan: Sam bringt mich zum Lachen, immer.
Sam: Ja, das schätze ich auch an Connan. Wir haben zwar auch ernste Momente, aber die meiste Zeit sind wir sehr albern zusammen und lachen viel. Connan ist immer entspannt, das schätze ich auch. Wenn man auf einer Insel strandet, wäre er die perfekte Begleitung.

Wie oft seht ihr euch?
Connan: Leider nicht so oft, wie wir gerne würden.
Sam: Ja, aber wenn man so gut befreundet ist, dass man füreinander wie eine Familie ist, dann spielt es ja keine Rolle, wie oft man sich sieht. Sobald man sich wiedersieht, ist alles ganz schnell wieder so wie immer.

Das funktioniert aber nur mit sehr guten Freunden so.
Connan: Ja, weil man sich gegenseitig keine Vorwürfe macht, dass man sich zu wenig gemeldet hat oder so was.
Sam: Ja, und genau das ist das Problem bei mir. Ich melde mich dann automatisch noch weniger bei den Leuten, die mir Vorwürfe machen.

Connan, du lebst mittlerweile in L.A., Sam, du lebst jetzt in Wales. Wo fühlt ihr euch zu Hause?
Sam: Ich fühl mich, ehrlich gesagt, gerade ganz zu Hause hier, in Berlin.
Connan: Ja, hier ist es wirklich entspannt. Für mich ist das schwer zu sagen ... Ich komme aus Neuseeland, von einem Dorf direkt am Strand, da war es immer sehr ruhig. Aber ich bin schon vor Jahren weggezogen, und ich merke, dass es jetzt immer länger dauert, mich dort zu Hause zu fühlen, wenn ich dorthin zurückkehre. Ich lebe einfach seit Jahren in großen Städten und habe mich an dieses Leben gewöhnt. Aber ja, ich schätze, es ist trotzdem der Ort, wo ich mich zu Hause fühlen.
Sam: Ich wurde in einem Teil von England geboren, wo mehr die Industrie als die Natur im Vordergrund steht. Wenn ich daran denke, denke ich nicht an Poesie, so viel ist klar. Ich mag viel lieber diese dramatischen Landschaften, wie jetzt an meinem Wohnort in Wales. Da fühle ich mich frei. Das klingt jetzt vielleicht etwas prätentiös, aber wenn ich Berge sehe, dann sehe ich Treppen in den Himmel. Dann sehe ich keine Grenzen.
Connan: Je länger ich darüber nachdenke ... Irgendwie fühle ich mich auch in Japan sehr zu Hause. Als ich das erste Mal da war, habe ich auf dem Rückflug geweint, weil ich nicht weg wollte. Seitdem reise ich regelmäßig dorthin.

Ein Song auf dem Album heißt „Jealous Lies". Was bedeutet das? Und wann sollte ich sie benutzen?
Sam: Das sind die schlimmsten Lügen! Wir wissen auch nicht viel darüber, das ist ein sehr mysteriöser Begriff, deswegen haben wir einen Song darüber geschrieben.
Connan: Ich würde sie benutzen, um Menschen zu manipulieren. Was das Schlimmste ist, wenn wir ehrlich sind. Hör' dir den Song immer wieder an, aber ... benutz' sie besser nicht. 

@SoftHair

Credits


Text: Lisa Leinen
Foto: via Off The Record 

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