Diese Woche steht ganz im Zeichen von Haaren. In unserer i-D Hair Week erkunden wir, wie Haare eine Konversation über Identität, Kultur und Gesellschaft starten. 

Ein visueller Liebesbrief an Typen mit Pferdeschwänzen

Fotograf James Eisen will, dass wir Männer mit langen Haaren endlich als das sehen, was sie sind: majestätisch.

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Juni 19 2017, 10:44am

Diese Woche steht ganz im Zeichen von Haaren. In unserer i-D Hair Week erkunden wir, wie Haare eine Konversation über Identität, Kultur und Gesellschaft starten. 

Nüchtern betrachtet sind Pferdeschwänze nichts Spektakuläres, und trotzdem gibt es wohl kaum einen anderen Hairstyle, der mehr Emotionen auslösen kann. Weltweit von Frauen geschätzt, die es eilig haben, lassen besonders Pferdeschwänze bei Männern die Gefühlswellen höher schlagen.

Wir reden nicht von den Typen auf Festivals mit Man Buns, die denken, dass man damit auch noch im Jahr 2017 ein Style-Statement setzen kann (Spoiler: Falsch gedacht). Wir reden hier vom alten Mann mit ausgewaschenen Jeans, dessen Haare seit 30 Jahren keine Schere mehr gesehen haben. Genau da liegt das Mysteriöse für den Fotografen James Eisen. In seinem neuen Bildband P*O*N*Y geht es um diese vernachlässigte (Rand-)Gruppe, die er über sieben Jahre lang dokumentiert hat. Wir haben ihn gefragt, was das eigentlich genau heißt, wenn er sagt, dass er am Ende des Projekts, "die Freiheit von Männer mit Pferdeschwänzen" zu schätzen wusste.


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Warum hast du ein Buch über Männern mit Pferdeschwänzen herausgebracht?
Ich habe Heat von Michael Mann geschaut. Val Kilmer spielt einen Kriminellen mit Pferdeschwanz. Das war das erste Mal, dass mich diese Frisur bewusst fasziniert hat. Man muss sich doch nur mal die Geschichte anschauen: so unterschiedliche Personen wie Napoleon, Marlon Brando, Prince, Danny DeVito und Karl Lagerfeld tragen den Look oder haben ihn getragen. Ich fand den Gedanken spannend, wie sie – bewusst oder unbewusst – durch Haare eine gewisse Androgynität verkörpern. Das Projekt ist so vor sich hingelaufen, ich musste gar nicht viel machen. Ich musste auf Reisen einfach eine Kamera dabei haben und wenn mir ein Mann mit einem Pferdeschwanz vor die Linse gekommen ist, dann habe ich auf den Auslöser gedrückt.

Um eins klarzustellen: Du bist Fan vom Pferdeschwanz.
Ja!

Hast du selbst mal einen Pferdeschwanz getragen?
Als ich jünger war, hatte ich längere Haare. Ich erinnere mich daran, wie mir ein Lehrer in der Grundschule aus den langen Haaren einen Pferdeschwanz gebunden hat. Ich glaube, die Haare durften damals maximal schulterlang sein. Also ich hatte genau genommen einen Pferdeschwanz, ja.

Gerade im Zeitalter vom Man Bun ist es äußerst interessant, diesen Look näher zu beleuchten. Es scheint aber so, dass du aber kein Fashion-Statement mit den Fotos gesetzt hast.
Ich wollte die Männer, die ihn aus modischen Gründen tragen, nicht diskriminieren. Ich habe lediglich die Männer mit Pferdeschwänzen fotografiert, die mir begegnet sind. Es gibt so viele Gründe, warum Menschen Pferdeschwänze tragen. Es ist schwierig zu sagen, was die Gründe dafür sind. Seitdem das Buch veröffentlicht wurde, habe ich ganz unterschiedliche Argumente gehört: für manche ist es eine Art Schmusedecke, andere fühlen sich in der Glaubwürdigkeit ihrer Persönlichkeit bestärkt.

Für dich geht "die Freiheit von Männern mit Pferdeschwänzen" über die eigentliche Frisur hinaus. Was repräsentiert er für dich?
Ich glaube, dass es eine weitere Möglichkeit ist zu sagen: Ich meine es ernst.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den Männern?
Ich habe auf den ersten Blick keine festgestellt. Einige Leser dachten allerdings, dass ein und dieselbe Person immer wieder fotografiert wurde.

Männer mit Pferdeschwänzen sind immer wieder Gegenstand von Witzen. Möchtest du die Wahrnehmung dieser Gruppe Männer ändern?
Ich möchte einfach, dass wir das zelebrieren. Manchmal ist es ja auch ironisch gemeint. Wenn du also das nächste Mal einen Mann mit Pferdeschwanz siehst, dann sollst du nur denken: was für ein schönes Pferd.

"P*O*N*Y" ist bei Diane Inc. erschienen und ab sofort erhältlich. Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der australischen Redaktion.

Credits


Fotos: James Eisen