Nana's room

was in den schlafzimmern von teen girls wirklich passiert

Lacy Wood wirft mit ihrer Kamera einen intimen Blick in die Safe Spaces junger New Yorkerinnen.

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16 Mai 2017, 3:30pm

Nana's room

Die Zimmer von Teenagern sind mystische Orte. Aus einem Zimmer, dessen Tür öfter mal zugeknallt wird (und manchmal auch mit einem "Do Not Enter"-Zeichen versehen ist), kann ein Safe Space werden. Sie sind einige der wenigen Orte, in denen junge Frauen Erwartungen und Vorurteilen entfliehen und einfach nur existieren können.

Aus genau diesem Grund hat Fotografin Lacy Wood, eine Absolventin der School of Visual Arts, Monate damit verbracht, die Jugendzimmer von jungen Frauen aus New York zu fotografieren. "Jedes Mädchen, das ich fotografiert habe, hat eine Geschichte zu erzählen, die gehört werden muss", erklärt uns Lacy. "Ich habe das Privileg, jeden Tag von so starken Frauen umgeben zu sein. Das motiviert mich."

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Viele der jungen Frauen liegen entspannt auf ihrem Bett und blicken in die Kamera. Das Zimmer von Nana ist, zum Beispiel, komplett in Pink getaucht und sieht genauso fröhlich aus wie ihr Lächeln. Auf ihrem Tisch steht ein Protestzeichen mit den Worten "Liberate the Black Woman", der Kampf für Gerechtigkeit wird durch die Leichtigkeit ihres Zimmers kontrastiert.

Wir haben mit der New Yorkerin darüber gesprochen, wie es ist, in die Zufluchtsorte dieser jungen Frauen einzudringen und warum sie die Attacken von US-Präsident Trump auf die Frauenrechte zum Weitermachen motivieren.

Victorias Zimmer

Die Serie heißt "The Girl's Room". Was bedeutet das Mädchensein für dich?
Es ist wichtig, an den Dingen festzuhalten, die einem wichtig sind. Dafür zu kämpfen, was man möchte und für sich selbst einzustehen. Es geht darum, zu entdecken, wer man ist und wer man werden möchte — egal was die anderen sagen. Als Frau sollte man es sich erlauben, groß zu träumen, hartnäckig zu bleiben und am wichtigsten: dass zu beschützen, was einem gehört.

Es gibt momentan eine Debatte um Frauenrechte. Wie nutzt du deine Kunst, um zu dieser etwas beizutragen?
Heute ist es wichtiger denn je, dass Frauen solidarisch sind und sich auf jede erdenkliche Art und Weise unterstützen. Die Fotografie ist meine Art der Unterstützung, damit zelebriere ich die weibliche Stärke. Ich habe gelernt, dass man nicht schreien muss, um gehört zu werden. Die Kunst hat ihre eigene Stimme.

Briannas Zimmer

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Meine allererste Kamera war eine Olympus Stylus Epic, die mir mein Vater in der zweiten Klasse geschenkt hat. Ich wusste nicht, wie man sie bedient und habe mich auch nicht wirklich für Fotografie interessiert. Ich habe sie einfach in den Schrank geräumt, mit 19 wieder rausgekramt und mit nach New York genommen. Dort habe ich angefangen, alles zu fotografieren. Fotografie ist mein Lieblingsmedium, weil es einen dokumentarischen Wert hat. Damit kann ich beweisen, dass meine Freunde und ich zusammen hier waren. So zeigen wir, dass wir unsere Spuren in New York hinterlassen haben.

Tiaras Zimmer

Wie hast du deine Motive gefunden?
Ich habe sie selbst ausgewählt, weil ich dachte, dass jede etwas Positives beisteuert. Die Bandbreite reicht von Wettbewerbsboxerin über Bäckerin und Psychologiestudentin bis zu einer, die in einem Obdachlosenheim für LGBTQ-Jugendliche arbeitet. Ich wollte zeigen, wie stark Frauen sind, wenn sie in ihrem persönlichsten und privatesten Raum sind. Jede Frau verfügt über einzigartige Erfahrungen, die ich mit anderen teilen wollte.

Leilas Zimmer

Ist dir ein Zimmer besonders in Erinnerung geblieben?
Das Zimmer von Sonia. Ihr Freund ist ständig rein und raus gegangen und hat sich im Wohnzimmer mit einer ihrer Freunde gestritten. Es gab so viel, was abgelenkt hat. Das mag sich vielleicht komisch anhören, aber irgendwie hat es auch für eine angenehmere Umgebung gesorgt. Ich habe fast 200 Fotos in ihrer Wohnung geschossen.

Sonias Zimmer

Wie sieht dein eigenes Zimmer aus?
Ich lebe in East Village und teile mir eine winzige Wohnung mit meinem Mitbewohner. Mein Schlafzimmer ist so groß wie ein Kleiderschrank, aber ich habe trotzdem Glück und mache das Beste daraus. Jeder Zentimeter meiner Schlafzimmerwände ist voll mit Fotos von Freunden, Artikeln aus Zeitschriften und Postkarten. Es ist fast wie eine kleine Galerie, deshalb liebe ich auch das Schlafzimmer am meisten — man ist sein eigener Kurator.

Natashas Zimmer

Wo siehst du dich in zehn Jahren?
Ich bin mir noch nicht sicher. Ich habe erst vor Kurzem meinen Uni-Abschluss gemacht und werde jetzt auf die Welt losgelassen, wie man so schön sagt. Eins habe ich mir geschworen: dass ich nie mit dem Fotografieren aufhören werde. Ich hoffe also, dass ich in zehn Jahren ein riesiges Fotoarchiv haben werde, durch das die Bandbreite an Menschen sichtbar wird, denen ich begegnet bin.

@lacywood

Credits


Text: André-Naquian Wheeler
Fotos: Lacy Wood