Foto: Laurence Philomene by Curated By Girls

"Curated by Girls" zeigt dir, dass Girl Power nicht nur ein Trend ist

Wir haben die Kuratorin des Künstlerkollektivs "Curated By Girls", Laetitia Duveau, gefragt, was ihr Projekt so besonders macht, warum es nicht darauf ankommt, geliebt zu werden, und was Girl Power wirklich für sie bedeutet.

|
Aug. 22 2016, 9:45am

Foto: Laurence Philomene by Curated By Girls

Who run the world? In unserer neuen Printausgabe The Female Gaze Issue zeigen Frauen, wie sie die Welt sehen. In den kommenden Wochen widmen wir uns in einem Themenschwerpunkt der Frage, was es heutzutage bedeutet, eine Frau zu sein.

Laetitia Duveau ist Singer-Songwriterin, Djane, Künstlerin und Kuratorin. Dass sich die Französin nur sehr ungern auf eine einzige Sache konzentriert, beweist sie mit ihrem neuesten Projekt Curated By Girls. Das Künstlerkollektiv kennt weder Geschlecht, Herkunft, noch Generation: Entscheidend ist lediglich die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Vielfalt. Um wirklich zu sich selbst finden zu können, legt die 29-Jährige daher jedem ans Herz, sich mit Kunst auseinanderzusetzen. Was Curated By Girls so besonders macht, warum wir mehr Girl Power brauchen und warum es nicht darauf ankommt, geliebt zu werden, erzählt sie uns im Interview.

Foto: Philippe Duval

Wie kam es zu der Idee von Curated by Girls?
Meine Freundin Ophelie kam damals mit der Idee auf mich zu. Sie hat mich gefragt, ob ich Lust darauf hätte, mich Curated By Girls anzuschließen. Ich war natürlich sofort begeistert! Wir kennen uns schon seit sieben Jahren und wollten schon immer zusammen an einem Projekt arbeiten. Vor Kurzem hat sie sich dann aber leider dazu entschlossen, die Plattform zu verlassen, um sich mehr auf ihre eigene Arbeit zu konzentrieren. Ich wollte Curated By Girls auf keinen Fall aufgeben, einfach weil ich drei Monate lang jeden Tag mein Herzblut in das Projekt hineingesteckt habe und großartige Künstler auf meiner Plattform kuratiere, die ich einfach nicht enttäuschen will. Am Ende ist es völlig egal, wer hinter der Plattform steckt: Die Künstler und deren Arbeiten sind das Wichtigste!

Was macht Curated By Girls so einzigartig?
Niemand soll ausgeschlossen werden, sondern jeder hat die Möglichkeit, ein Teil des Kollektivs zu sein. Die Vielfalt an Künstlerinnen steht dabei klar im Mittelpunkt. Deshalb versuche ich auch, alle Geschlechter, Generationen und Ethnien mit einfließen zu lassen. Aber vielleicht ist es auch gerade die Mischung aus Künstlerinnen und Künstlern, weil Curated By Girls eben nicht nur die weibliche Sicht, sondern auch die männliche einbezieht.

Foto: Laurence Philomene

Foto: Mollie Dendle

Warum glaubst du, dass diese Art von Künstlerkollektiv heutzutage so wichtig ist?
Für mich ist es wichtig, dass die Plattform junge Menschen inspiriert. Als ich jünger war, war ich wirklich schüchtern und überhaupt nicht selbstbewusst – bis ich angefangen habe, mich mit Kunst zu beschäftigen. Dadurch habe ich mich selbst entdeckt und auch, wie ich mich selbst ausdrücken kann. Mir ist es deshalb wichtig, dass sich die Leute durch Curated By Girls selbst finden können. Ich wünsche mir, dass jeder einfach etwas kreieren kann, ob durch Kunst oder durch etwas anderes. Etwas zu kreieren, kann dir dabei helfen, dich selbst zu akzeptieren und nicht einfach nur die Person zu sein, die du denkst, sein zu müssen.

Mittlerweile findet man Künstlerkollektive im Internet wie Sand am Meer. Glaubst du, dass es sich dabei lediglich um einen Trend handelt?
Auf eine bestimmte Art sicherlich. Ich mache das aber nicht aus Eigennutz, sondern um Künstlern zu helfen – und nicht, weil es gerade zu einem Trend geworden ist. Obwohl ich nur rein zufällig in die Sache hineingerutscht bin, habe ich einiges für mich selbst gelernt. Es ist zum Beispiel unheimlich befriedigend, andere Menschen und ihr Talent zu entdecken und ihnen mit dieser Plattform helfen zu können. Mittlerweile ist es für mich eine Art Leidenschaft geworden, diese Plattform zu kuratieren. Es inspiriert mich einfach, nicht nur die Kunst, sondern auch den Werdegang, die Botschaft und die Geschichte hinter den Künstlern mitzuerleben.

Foto: Dafy Hagai

Besonders in der kreativen Branche herrscht Konkurrenzkampf und permanenter Vergleich. Wie wichtig ist es dir daher, miteinander statt gegeneinander zu arbeiten?
Sehr wichtig! Ich habe auch Kontakt zu ähnlichen Plattformen wie zum Beispiel School of Doodle, eine amerikanische Online-Plattform, die versucht, deine Fantasie und Vorstellungskraft zu schulen. Curated By Girls ist Teil davon und darauf bin ich wirklich stolz! Für mich ist geben am wichtigsten. Die Leute denken immer, dass sie geliebt werden müssen. Ich habe das auch mal gedacht, aber zu lieben und zu geben ist viel wichtiger. Für mich muss ein Künstler auch ein guter Mensch sein.

Foto: Chloma Nwana

Foto: Pixy Liao

Würdest du sagen, dass es eine female gaze gibt?
Ich würde eher sagen, dass es eine human gaze gibt. Für mich haben alle Menschen sowohl eine feminine als auch eine maskuline Seite. Manchmal sind Männer weiblicher als Frauen und manchmal ist es genau andersrum. Frausein bedeutet deshalb für mich in erster Linie, einfach nur Mensch zu sein. Natürlich bin ich nicht blind und sehe, wie das Frauenbild in den Medien ausgebeutet wird und ich hasse das. Die Welt dreht sich permanent um Ausbeutung und Konsumdenken. Wir müssen endlich etwas in der Gesellschaft ändern, um eine bessere Welt zu schaffen. Es ist ein Kampf um Gleichberechtigung – und zwar für jeden!

Was heißt Girl Power für dich?
Einfach Spaß zu haben und dabei auch etwas zu vermitteln: Frauen sind genauso viel wert wie Männer. Die Spice Girls verkörpern das zum Beispiel besonders gut für mich. Als Kind habe ich ihre Message zwar nicht so ganz verstanden, aber je älter ich wurde dafür umso mehr.

Foto: Evangeline Davis

Foto: Laurence Philomene

Du möchtest Curated By Girls auch außerhalb des Internets eine Plattform bieten. Hast du schon konkrete Pläne?
Im Oktober soll die erste Ausstellung im Blender & Co in Berlin stattfinden. Ich bin mir zwar noch nicht ganz sicher, welche Arbeiten von Curated By Girls-Künstlern ich dafür aussuchen werde, aber ich bin wirklich schon gespannt und auch ein wenig aufgeregt! Am liebsten würde ich das Ganze vierteljährlich mit unterschiedlichen Schwerpunkten veranstalten. Im Oktober wird sie Freer In Berlin heißen und unter dem Motto New Femininity laufen. Die meisten der Arbeiten behandeln Reaktionen auf die ausbeuterische Repräsentation von Frauen mit dem Ziel, Weiblichkeit von der stereotypisierten Sicht des Mannes zu trennen und neu zu definieren.

curatedbygirls.com

Foto: Ophelie Rondeau

Foto: Megan Doherty

Hier findest du alles aus unserer The Female Gaze Issue.