wie prince die mode geprägt hat

Von Schlaghosen über extravagante Bühnenoutfits und High-Heels bis hin zu Glitzer und lilafarbenen Anzügen, wir werfen einen Blick zurück auf die besten Outfits des Ausnahmekünstlers.

von Lisa Riehl
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22 April 2016, 3:20pm

Das Internet ist seit gestern lila eingefärbt. Die Welt betrauert den Tod von Prince Rogers Nelson, der im Alter von 57 Jahren unerwartet verstorben ist. Während die Radiosender ab heute ein Best-of seiner größten Hits spielen (womit sie seit den Achtzigerjahren eigentlich ohnehin nie aufgehört haben), darunter eben jenes farbgebende „Purple Rain", widmen wir uns einem Best-of seiner Looks. Denn: Beide Perspektiven des Zurückblickens auf Prince haben ihre Berechtigung. Sein Beruf mag die Musik gewesen sein; seine Berufung war es, als Modeikone so ewig fortzuleben so wie seine Songs.

Genauso wenig wie sich Prince musikalisch in ein klar definiertes Genre pressen ließ, ließ er sich in eine geschlechtliche, kulturelle Kategorie einordnen. Seine Songs klangen wie eine Mischung aus durch Pop, Rock, Soul, Funk, Rap und Gospel. Seine Mode dafür bewegte sich durch die Kleidernormen dessen, was allgemein hin als „maskulin" oder „feminin" stereotypisiert wird. Dass Prince anders war als alle anderen, hat er nicht nur in übersexualisierten Texten besungen, sondern auch mit seiner Kleidung unterstrichen. In seinen exzentrischen Looks war er niemals einfach nur da. Er erschien.

„I'm not a woman, I'm not a man, I am something that you'll never understand" sang er 1984 in „I would die 4 you". Was das bedeutet, beginnt ein Großteil der Gesellschaft erst heute, mehr als zwanzig Jahre später, zu verstehen. Prince bezeichnete sich, ob seiner Outfits, jedoch niemals als Transgender oder Crossdresser. Vielmehr manifestierte sich das Testosteron seiner Zeilen in Satin und Samt, weil er der festen Überzeugung war, dass Frauen das an Männern genauso mögen wie die High Heels, die er trug. Vielleicht war das tatsächlich der Grund. Vielleicht wollte diese offensichtlich eitle Person auch seine Körpergröße von 1,58 Metern um einige Zentimeter wachsen lassen. Auf der Bühne jedenfalls ließ er die Absätze zu seiner Gitarre im Takt klacken. Als er Anfang der Achtzigerjahre nicht mehr in schicken Unterhosen—in Liebesrot oder verführerischem Zebraprint—Musik machen wollte, ironisierte und verweiblichte er die männliche Uniform, den Anzug, schließlich derart, dass Dandys wie Beau Brummell und Charles Baudelaire ehrfürchtig ihre reich geschmückten Hüte gezogen hätten.


Seine wohl bekanntesten Looks hat er 1984 zu seinem wohl bekanntesten Album und gleichnamigen Song „Purple Rain" geschaffen, so das Urteil der Modewelt. Davon zeugen auch die zahlreichen in densozialen Netzwerken geteilten Bilder, die seiner seit gestern gedenken. Prince trug von nun an schmal geschnittene Anzüge, die seine ebenso schmale Taille wie Korsetts akzentuierten und aus schimmerndem Brokat oder glitzernden Pailletten gefertigt waren—oft in der für ihn angemessen majestätischsten aller Farben: Lila. Dazu ein aufwendiges Styling aus rosa Plüsch, Spitze, dicken Goldketten und viktorianisch-opulenten Hemden mit gerüschten Ärmeln und hohen Kragen. Wenn er denn überhaupt mal Hemden trug. Prince demonstrierte zumeist viel lieber seinen Oberkörper samt männlichem Brusthaar in tiefen Ausschnitten, bauchfreien Oberteilen oder eben gar keinem Oberteil. Das alles blieb bis zuletzt Teil seiner Uniform, mit der er sogar dem Purismus der Neunzigerjahre kunterbunt funkelnd in Versace trotzte. Noch 2014 war er zu einem Tennisspiel so dekadent wie aufmerksamkeitsstark mit einem Juwelen besetzten Gehstock erschienen.

Dass er seinen imposanten Stil nie grundlegend veränderte, ist das, was Prince von vielen Künstlern unterscheidet. In einem Interview mit dem Guardian 2011 begründete er mit seinem beständig auffälligen Look sogar seinen Erfolg: „Viele machten damals gute Platten, aber sie zogen sich an, als gingen sie in den Supermarkt". Ein extravaganter Look funktioniert auch heute noch als Erfolgsrezept im Showgeschäft. Hier stellte Prince im gleichen Interview jedoch die berechtigte Frage: „Wie viele dieser Leute haben Substanz, oder ziehen sie einfach nur verrückte Kleider an?"

Die Welt hat dieses Jahr bereits zwei Ikonen verloren, die nicht nur die Musik sondern mit ihrer Mode auch die Gesellschaft veränderten, wie es zukünftig vermutlich wohl kein Künstler mehr tun wird. Erst David Bowie. Und knapp fünf Monate später, am 21. April 2016, Prince, auch genannt: The Artist formerly known as Prince. Oder viel richtiger: The Artist FOREVER known as Prince.

Credits


Text: Lisa Riehl
Fotos via Imago 

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