grelle farben, glitzer und ein bisschen blut als zutaten für die identitätsfindung

Inspiriert wird die in Los Angeles lebende Fotografin Parker Day zu ihren kunterbunten Bildern von ihren Instagram-Heldinnen, Macht und einer guten Portion Wahnsinn.

von Hannah Butterworth
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15 April 2016, 11:10am

Die in L.A. lebende Fotografin Parker Day erkundet mit ihren Arbeiten unsere Empfindungen um das Thema Identität. Mit ihrer Kamera, Glitzer und ab und zu ein paar Spritzer Kunstblut erschafft sie Porträts, die hinterfragen, wie wir uns selbst und andere sehen. Ihre Models lernt sie auf Partys und im Internet kennen (unter ihnen Molly Soda, Jarae Holieway und Lexi Laphore). Die Ergebnisse kann man nun in ihrer neuesten Reihe ICONS bestaunen. In 100 Porträtstudien kreiert sie ein surreales, Cartoon-haftes und magisches Bild unserer Generation. Wir wollten mehr wissen und haben der Künstlerin ein paar Fragen gestellt.

Alle Fotos: Parker Day

Wenn man deine Arbeiten mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es intuitiv.
Meine Arbeiten sollen den Betrachter auf den ersten Blick einen Schlag versetzen und dann eine sanfte Message vermitteln.

Fotografierst du deswegen analog?
Ja, weil es sich echter anfühlt. Das Körnige, der Staub und meine Markierungen, das alles signalisiert: Die Fotos sind echt und nicht retuschiert.

Du scheinst dich aber trotzdem nicht sonderlich darum zu bemühen, mit deinen Arbeiten die Realität zu zeigen. Steckt hinter dem Eklektizismus Methode?
Ich arbeite eng mit meinen Models zusammen und entscheide vieles aus dem Bauch heraus. Ich mag es nicht so gerne, Leute in vorgefertigte Konzepte zu zwängen. Ich arbeite mit den Schwingungen, die ich von einer Person empfangen, und versuche sie dann zu überhöhen und pervertieren. Dann spreche ich mit ihnen über meine Ideen, um zu sehen, wie sie darauf reagieren. Das ist meine Arbeitsweise. Letztlich muss es sich einfach richtig—und auch ein bisschen schlecht—anfühlen, damit ich in der passenden Stimmung für den Shoot bin. Meine ganze Kreativität steckt in diesen Fotos, der Rest meines Lebens ist dafür in kreativer Hinsicht Brachland.

Das glaube ich dir nicht. Dein Haus ist bestimmt total crazy.
Da muss ich muss dich leider enttäuschen. Es ist nicht der Acid-Trip, den du dir vorstellst. Mein Verlobter steht auf minimalistisches Design—wie die Wohnung von Patrick Bateman. Wir müssen deswegen Kompromisse finden. Weiße Wände, aber mit so viel Kunst und Nippes wie ich im Haus nur verstecken kann. Ich sollte erwähnen, dass ich in einem Comic-Buchladen aufgewachsen bin. Meinem Dad gehört der Comic Collector Shop in San Jose. In meinem Kopf geht es bunt zu. 

Hast du eine Lieblingsfarbe?
Das ist so, als ob du mich nach meinem Lieblingskind fragen würdest. Aber ich kann meine Liebe zu Violett nicht verhehlen. Jemand hat mir mal gesagt, dass es die Farbe von Genies und Königen ist. Wie kann man sie nicht mögen?

In deinen Arbeiten scheint Identität ein großes Thema zu sein. Hast du durch die Zusammenarbeit mit den Models einen anderen persönlichen Zugang zum Thema gefunden?
Definitiv. Kunst ist immer ein Spiegelbild des Künstlers. Ich fühle mich gut. Ich kann mich selbst und meine Arbeit in allen Bereichen sehr authentisch auf intuitive Art und Weise ausdrücken. Die Zweifel und das Neurotische, das mich geplagt hat, als ich ich jünger war, ist fast verschwunden.

Deine Reihe heißt ICONS. Was macht jemanden deiner Meinung nach zu einer Ikone?
Sie müssen das gewisse Etwas haben. Eine Eigenschaft, die mein Interesse weckt, und etwas, was ich nicht greifen kann. Mich fasziniert Macht und unterschwellige Wut. 08/15-Models sind für mich nicht interessant. Ich suche die Art von Leuten, die man bei sich haben möchte, wenn die Welt zu Ende geht. Die Leute, die so hart im Nehmen sind wie Kakerlaken und die man nicht totkriegen kann.

@heyparkerday


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Credits


Text: Hannah Butterworth
Alle Fotos: Parker Day

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