diese „london fashion week: men’s“-labels solltest du dir merken

Alle kennen Vivienne Westwood. Das sind die Londoner Menswear-Designer, die man sich neben der Queen of British Fashion merken sollte.

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09 Januar 2017, 2:35pm

vivienne westwood spring/summer 17. photography piczo

Dass die Londoner Männermodewoche, seit diesem Jahr offiziell London Fashion Week Men's Anfang Januar stattfindet, hat seine positiven Seiten. Was signalisiert einen (modischen) Neustart besser als eine ganz neue Garderobe? Und welcher Zeit wäre besser dafür geeignet, die alten Geister aus dem Kleiderschrank zu verbannen und neu anzufangen?

Neben diesen eher abstrakten Gedanken, ist eine Entwicklung unleugbar: die Menswear-Industrie verändert sich im Moment rasant. Der Schauenkalender erlebt einen regelrechten Exodus: globale Marken wie Gucci, Burberry und Bottega Veneta, um nur ein paar zu nennen, haben sich davon verabschiedet, eine eigene Menswear-Show in London zu zeigen und präsentieren nun während der Womenswear-Woche eine Unisex-Show. Braucht es da überhaupt noch Modewochen für Menswear?

Gerade vor dem derzeitigen weltpolitischen Hintergrund, in dem die London Fashion Week Men's stattfindet. Das ist die erste Saison nach dem Brexit. Wird der Rest Europas überhaupt noch Interesse an Designern haben, die in London leben und arbeiten? Nicht zu vergessen die Wahl Donald Trumps, dessen Vereidigung zeitlich in die Pariser Männermodewoche fällt.

Trotzdem sollte man die Tage der Menswear-Schauen noch nicht abhaken. Denn wie sich im letzten Jahr gezeigt hat, hat die Menswear viel von dem vorweggenommen, was in den nächsten folgenden Womenswear-Shows präsentiert wurde. Diese Saison könnte wichtiger denn je werden. Wie interpretieren die Menswear-Designer die Welt jetzt? Kann Kleidung zu einer politischen Waffe werden? Vivienne Westwood würde dem sicherlich zustimmen. Schon seit Jahren verwandelt sie ihre Schauen in politische Veranstaltungen, so nah wie man mit Mode kommen kann jedenfalls. Dieses Jahr zeigt sie statt in Mailand wieder in London. Das ist nicht nur eine Heimkehr für das britische Label, sondern kann auch als politischer Aufruf verstanden werden. Und wo könnte sie ein besseres, politisches Zeichen setzen als in der Stadt, in der die Karriere der Ikone ihren Anfang genommen hat?

Abseits von den großen Namen wird die Londoner Menswear von den Jungen und ihrer Energie geprägt. Die Kreativität der Londoner Mode- und Kunstschulen wird in so vielen Kollektionen, die Designer in der britischen Hauptstadt präsentieren, sichtbar. Sie zeigen auf ihre jeweils ganz eigene Art und Weise, wie sie durch Kleidung die Gegenwart verstehen. Wir stellen euch einige der besten davon kurz vor.

Foto: Mitchell Sams. Wales Bonner Spring/Summer 17.

Wales Bonner
Grace Wales Bonner ist die Sorte von Designerin, die bereits schon nach ein paar Jahren die Strahlkraft hat, die sonst normalerweise Designer erst nach zehn Jahren erreichen, wenn überhaupt. Ihre erste eigene Schau in der letzten Saison war ein intimes Treffen der mächtigsten Personen der britischen Modeszene und hat die Vorliebe der Designerin für das Storytelling gezeigt. Die Kollektion war ein emotionaler Blick zurück und ein hoffnungsvoller Blick nach vorne, geprägt durch den Filter ihrer eigenen Herkunft. Dass Männer (und viele Frauen) ihre Sachen tragen wollen und sie auch tatsächlich tragen, ist letztlich der Grund, warum sie so erfolgreich ist. 

Craig Green Spring/Summer 17. Foto: Piczo.

Craig Green
Was kann man noch über den jungen britischen Designer sagen, das nicht schon längst gesagt worden wäre? Er hat den Preis in der Kategorie Bester Menswear-Designer gewonnen hat und hat Lady Gaga ein Küsschen auf der Bühne gegeben. Im Jahr davor hat er den BFC/GQ Designer Menswear Fund erhalten. Craig Green, aka Mr. Green, ist durch und durch Teil des neuen Mode-Establishments auf der Insel geworden. Das bedeutet aber nicht, dass ihn das in irgendeiner Form definieren würde, denn der Designer arbeitet schon lange so, wie er will. Seine Designs sind unvergleichlich. Sie sind wunderbare Interpretationen von Workwear und die perfekte Mischung zwischen Innovation und Tragbarkeit. 

Martine Rose Spring/Summer 17. Foto: via Instagram.

Martine Rose
Martine Rose gehört auch zu den Designern, die die Dinge schon immer auf ihre eigene Art und Weise angegangen sind. In ihrer letzten richtigen Fashionshow, das war in der Saison Frühjahr/Sommer 15, hat sie nur einen einzigen Look präsentiert. Unter Demna Gvasalia hat sie bei Balenciaga beratend tätig, was kaum öffentlich bekannt ist. Ihre Kollektionen hat sie selbstredend nicht auf traditionelle Art und Weise gezeigt, stattdessen hat sie ihre Kreationen in Form eines Lookbooks, eines Videos oder in einem Pariser Verkaufsraum gezeigt. Das hat der Anziehungskraft des Labels nicht geschadet, im Gegenteil, es hat sie eher noch erhöht. Ihr T-Shirt, das mit einem Ring, der von der Saumnaht hängt, war ohne Zweifel eines der It-Piece der letzten Saison. In dieser Saison präsentiert sie ihre neueste Kollektion bei Seven Sisters Market, weit abseits der bekannten Veranstaltungsorte in London.

Vivienne Westwood Spring/Summer 17. Foto: Piczo.

Vivienne Westwood
Sie ist das Gegenbeispiel zu der These, dass sich die Londoner Modeszene immer nur um die Jungen dreht. Dame Vivienne ist mit 75 Jahren die Grand Dame der Londoner Modewelt und kehrt diese Saison in die Stadt zurück, in der ihr Label gegründet wurde. Sie hat in den letzten Jahrzehnten immer wieder die Grenzen dessen, was Mode sein kann, verschoben. Sie ist keine, die mit ihrer Meinung für sich allein bleibt. Die Show beschließt das Ende der London Fashion Week Men's mit einer kombinierten Menswear- und Womenswear-Präsentation. Der Einfluss dieser Show wird weiter über die Grenzen Londons hinaus sichtbar sein. Lang lebe die amtierende Queen of British Fashion.

Kiko Kostadinov Spring/Summer 17. Foto: Piczo.

Kiko Kostadinov
Vor einem Jahr war Kiko Kostadinov noch weitgehend unbekannt, nur einer kleinen Gruppe an Modeinsidern war er durch die Kollaboration mit Stüssy ein Begriff. Diese Kollaboration wurde in Läden wie dem Machine-A verkauft und ist neben seinem Master-Abschluss am Central Saint Martins entstanden. Nach einem echten Londoner Modedebüt—eine Kollektion, in der er mit modernen Stoffen wie Tyvek oder Stoffen, die das bulgarische Militär benutzt, mutig experimentiert hat—, hat er diese Saison sein Augenmerk auf cleane, moderne Workwear gelegt. Seine Show gehört mittlerweile zu den eindeutigen Highlights im Schauenkalender. Langsam werden auch die Label auf sein Talent aufmerksam. Ende letzten Jahres wurde er zum Creative Director der neuaufgestellten Marke Mackintosh berufen.

John Lawrence Sullivan Spring/Summer 17. Foto via Instagram.

JOHN LAWRENCE SULLIVAN
John Lawrence Sullivan war ein amerikanischer Boxer der Jahrhundertwende und ist jetzt der Name einer japanischen Menswear-Marke, die von einem ehemaligen Boxer Arashi Yanagawa geleitet wird. Doch der Sport spielt—ganz entgegen den Erwartungen—in den Designs keine große Rolle. Stattdessen steht JOHN LAWRENCE SULLIVAN für eine neue Männlichkeit, die die Herrenmode momentan fest im Griff hat. Dabei spielt bestimmt auch der Umstand eine Rolle, dass er mit Lotta Volkova zusammenarbeitet, der Stylistin, die neben anderen mit Balenciaga, Vetements und Gosha Rubchinskiy, arbeitet. Daher überrascht es nicht, dass die Silhouetten unproportional sind, entweder geschrumpft oder vergrößert, es militärische Applikationen gibt und Slogan-auf T-Shirts gedruckt werden. Zum ersten Mal zeigt das Label eine Kollektion außerhalb Japans.

Charles Jeffrey Spring/Summer 17. Foto: Piczo.

MAN
Gibt es einen lauteren Designer als den fantastischen Charles Jeffrey? Das ist natürlich auf die positivste Art und Weise gemeint. Seine Kollektionen versprühen den Vibe seines LOVERBOY Clubs: frech und rotzig, und dabei immer mit dem Bewusstsein, was davor alles kam: die Blitz Kids und Madame Gres. Da es seine letzte Saison mit Fashion East's MAN ist, drängt sich die Frage auf: Was passiert jetzt? Wenn das letzte Jahr ein Indikator ist, dann kann die Antwort nur viel lauten. Ebenfalls im Rahmen von MAN zeigen zwei Designer zum zweiten Mal. Per Götesson, der in der letzten Saison Denim-Kreationen mit einem skandinavischen Twist präsentiert hat, und der Chinese Feng Chen Wang, der mit seiner geräumigen, aber romantischen Sportswear überzeugt.

Art School

Fashion East
Viel muss nicht mehr über Fashion East gesagt werden. Der Durchlauferhitzer hat in den letzten zehn Jahren so viel für einige der talentiertesten Jungdesigner in Großbritannien getan. Neben der Catwalk-Show „MAN" wird auch diese Saison wieder frischen Talenten eine Plattform geboten. James Thesues Buke und Luke Brook, aka Rottingdean Bazaar, liefern den Nachfolger zu ihrer hochgelobten Debütkollektion, für die sie Sweatshirt mit Strumpfhosen, BHs und Ballons versehen haben, und ihrem „Badge Taste", Buttons mit wirklich allem, was man sich vorstellen kann, dekoriert haben, unter anderem Schamhaaren und Zigarettenstummeln. Zu dem Duo gesellt sich mit Art School ein weiteres Team, das aus den Designern Eden Loweth und Tom Barratt besteht. Mit ihrem Label wollen sie queere Kulturen und den nicht-binären Körper erkunden. 

Credits


Text: Jack Moss