© Hyun Lee

Der Film 'Asian Girls' leitet Pornhub-Nutzer in die Irre

Zwischen ASMR und Horrorfilm: Die Regisseurin Hyun Lee kritisiert die Fetischisierung asiatischer Frauen.

von Briony Wright
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25 März 2019, 11:34am

© Hyun Lee

Hyun Lee hat erst vor drei Jahren mit dem Filmemachen begonnen, doch schon jetzt hat sie eindrücklich ihr Talent bewiesen. Ihr erster Kurzfilm Asian Girls wurde nun endlich auch online veröffentlicht. Momentan arbeitet sie bereits an dem Nachfolger, French Girls, und an einem Werk in Spielfilmlänge, über das sie sich bisher allerdings noch ausschweigt.

Man könnte sagen, Hyun hat ihre Bestimmung gefunden. In ihrem Debüt spielt Musikerin und Künstlerin Rainbow Chan neben der übersinnlichen Künstlerin Stellar Leuna die Hauptrolle, die zufälligerweise auch noch ihre Zwillingsschwester ist. Der Film ist bedrückend, wunderschön, sexy, eindringlich und lähmend – alles zur selben Zeit. Im Zentrum stehen Stereotype, mit denen asiatische Frauen regelmäßig konfrontiert werden.

Wir haben mit Hyun Lee gesprochen, um mehr über den Film und ihren Weg in der Industrie zu erfahren.


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Dein Film Asian Girls wurde auf Festivals in Australien, Amerika und England gezeigt. Nur nicht in Asien, warum?
Vielleicht weil die Filminstitutionen in Asien versuchen, ihren Platz in der internationalen Community zu suchen und eher nach anglozentrischen Inhalten suchen? Ich weiß es nicht, aber es ist wirklich traurig. Dafür freue ich mich, dass der Film jetzt für alle online zugänglich ist. Ich möchte, dass asiatische Zuschauer den Film sehen – notfalls poste ich ihn auf einer asiatischen Meme-Pages.

Welche Geschichte steckt hinter dem Film?
Ich wollte schon immer einen Film mit dem Titel Asian Girls machen, damit Typen, die nach Pornos suchen, auf einmal auf meinen komischen Horrorfilm stoßen. Letztens habe ich sogar einen Account auf Pornhub gemacht und dort den Trailer gepostet ... irgendwann veröffentliche vielleicht sogar den ganzen Film auf der Plattform. Die Fetischisierung asiatischer Frauen interessiert mich sehr.

Und wie greifst du diese Thematik in dem Film auf?
Eine der Hauptrollen ist sehr eurozentrisch. Sie steht auf Luxusmarken und fetischisiert alle Dinge aus dem Westen. Mit der anderen Rolle wollte ich beleuchten, wie asiatische Menschen von anderen Personen fetischisiert werden – sei es in einer sexuellen Art oder wie sie missverstanden werden. Diese beiden Rollen repräsentieren die zwei Stereotype asiatischer Frauen. Auf der einen Seite gibt es die Fabrikarbeiter, die wir kennen, weil sie ungefähr alles gefertigt haben, was wir besitzen. Auf der anderen steht die ultra-heiße Asiatin, die die westliche Kultur fetischisiert.

Du bist noch recht neu im Filmgeschäft. Wie bist du in die Industrie geraten?
Ich wollte immer Filme machen, dachte aber, dass es ein Männerverein sei. Also habe ich zunächst das Interesse verloren. Auch in Anbetracht von Diversität ... darüber möchte ich wirklich sprechen, ohne das Thema jedoch zu stark meine Arbeit definieren zu lassen. Glücklicherweise gab es in den letzten Jahren einen ziemlichen Wandel, der die Branche zugänglicher und offener gemacht hat. Als wir uns auf Fördergelder beworben haben, gab es Extrapunkte für Diversität. Das ist also ein weiterer Witz, warum der Film Asian Girls heißt ... Ich wollte unbedingt dieses "Diversity-Kästchen" abhaken.

Wie würdest du Asian Girls in deinen eigenen Worten beschreiben?
Einige Leute sind verwirrt von dem Film oder denken, sie müssen ihn häufiger schauen, um ihn zu verstehen. Den Film zu schauen und sich zu denken "What the fuck?", ist Teil des Konzepts. Mir gefällt die Idee, dass die Leute ausrasten oder angeekelt sind. Als ich den Film gemacht habe, habe ich viel über Rassismus und den Kulturkrieg nachgedacht. Bestes Beispiel: Das Kind, das gemobbt wird, weil es Essen mit zur Schule bringt. Es wird von den anderen als "komisch" angesehen, nur weil sie es nicht kennen. Klar, wir können uns alle vor dem Essen anderer Kulturen ekeln, aber es geht darum, etwas gegen diese Impulse zu unternehmen.

Essen spielt eine zentrale Rolle in dem Film.
Mir ist erst im letzten Schritt aufgefallen, dass es in meinem Film ein ganzes ASMR-Untergenre gibt, das sich auf asiatische Nahrung konzentriert. Diese schönen, jungen Frauen mit den perfekten Fingernägeln und den roten Lippen, die köstliches Essen verspeisen. Die Kamera schneidet häufig die obere Hälfte des Gesichts ab, damit nur ihr Mund zu sehen ist – ziemlich ähnlich zu den Aufnahmen in meinem Film. Ich dachte nur: "Oh mein Gott, mein Film ist ein langes ASMR-Video!" Das ist wirklich beunruhigend. Und gleichzeitig sehr interessant, da auf YouTube gerade eine neue, sehr organische Art des Filmemachens entsteht. Ich wollte eigentlich keine Referenz ziehen, es ist einfach passiert.

Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der australischen Redaktion.

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