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Diese Künstlerin verwandelt die vermeintlichen Entschuldigungen von Weinstein & Co. in starke Gedichte

Isobel O’Hare liest zwischen den Zeilen und rückt die Opfer der Übergriffe in den Vordergrund, indem sie den Nonsens der Männer einfach wegstreicht.

Hannah Ongley

Screenshot von Instagram

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

Es wird immer schwieriger, den Überblick über die ganzen Missbrauchsvorwürfe in Hollywood zu behalten. Das gilt besonders für die unnötig langen Entschuldigungen der Männer, die wir uns jedes Mal aufs Neue mit mit Augenrollen durchlesen. Harvey Weinstein schrieb davon, dass er "in den 60ern und 70ern großgeworden ist" und zitierte Jay-Z – jedoch falsch. Kevin Spacey hat Homosexualität und Pädophilie wieder in Verbindung gebracht, als er sich als schwul outete. Bill O’Reilly möchte, dass die New York Times an seine Kinder denkt. Bei Louis C.K. hätte "Die Geschichten sind wahr" genügt, aber stattdessen verstieg er sich in einen selbstverliebten Essay darüber, wie sehr Frauen seinen Penis lieben.

Zum Glück gibt es die amerikanische Künstlerin Isobel O’Hare, die diesen Entschuldigungen ihren wahren Kern zurückgibt, indem sie die Statements der beschuldigten Männer ausdruckt und alle Wörter schwärzt, die keine Bedeutung für sie haben. So werden aus den angeblichen Entschuldigungen wirkungsvolle Erasure Poems. Indem sie die Selbstbeweihräucherung und Besserungsversprechen weglässt, gibt sie Raum für die Stimmen der Opfer. Die Entschuldigung von Louis C.K. liest sich dann so: "my dick / has / given me / a / long and lucky career". Aus Kevin Spaceys Tweet wird einfach: "Die Geschichten über mich sind durch mein eigenes Handeln entstanden". Jeremy Pivens Statement wird auf eine Frage zusammengekürzt: "Are / Women / Real".

"Ich möchte, dass die Leute sehen, was diese Statements wirklich bedeuten", erklärt Isobel O’Hare gegenüber Mashable. "Sichtbar wird ein sehr männlicher Narzissmus, der ständig nach Aufmerksamkeit, Lob und Vergebung schreit. Ich hoffe, dass meine Form des Weglassens darauf aufmerksam macht, dass diese Männer die Stimmen der Opfer über so viele Jahre selbst weggelassen haben. Einige Männer gehen dabei besonders gezielt und überlegt vor."

In der Verkürzung wird auch deutlich, was in diesen Entschuldigungen fehlt: Viele der Männer, denen sexuelle Belästigung vorgeworfen wird, haben versucht, ihre Opfer durch außergerichtliche Vereinbarungen und Verschwiegenheitsklauseln zum Schweigen zu bringen. Diese Verträge gibt es aber leider noch nirgends zu sehen, auch wenn sie eine Veröffentlichung mehr als wert wären und ein großes Stück zu der Debatte beitragen würden. Bis dahin zeigt uns Isobel, was wir von den Entschuldigen von Weinstein & Co. halten: nicht wirklich viel.