10 Gründe, warum Lady Gaga die Welt verändert hat

Von Meat-Dress bis #metoo: Gaga hat der Pop-Welt ein neues Gesicht gegeben.

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Apr. 12 2018, 8:14am

Vor fast zehn Jahren veröffentlichte Lady Gaga ihre Debüt-Single "Just Dance". Seitdem ist die Popkultur eine andere. Mit Hits wie "Bad Romance", "Telephone", "Poker Face", "Born This Way" und "Paparazzi" hat sich Lady Gaga in den ewigen Pop-Olymp katapultiert. Von dem New Yorker Club-Girl mit der Haarschleife zu der Frau mit dem Meat-Dress: Keine hat mehr Kontroversen ausgelöst. Wir nehmen zehn Jahre Mother Monster zum Anlass, um dir zehn Gründe zu geben, wie Lady Gaga die Welt verändert hat.

1. Sie behandelt Popmusik als Kunstform
Um richtig verstehen zu können, was für einen Einfluss Lady Gaga auf die Popmusik hat, muss man sich erstmal vor Augen führen, wie langweilig Pop im Jahr 2008 war. Der Aufstieg der Reality-Stars und Gossip-Blogger hatte dem Promi-Status seinem Zauber genommen. Die Popmusik ­– vorher voll mit Weirdos – hatte ihren Weg verloren. Sie war nicht länger ein Ort für Glitzer und Spektakel. Pop wurde banal und gleichgültig. Deswegen fühlte sich Gaga so besonders und einzigartig an.


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Ihre Songs waren nicht nur brillant, sondern erzählten auch Geschichten, die die ganze Celebrity-Kultur auseinandergenommen hat und mit Andy Warhols Ideen von Ruhm spielten. Es gab Perücken, Konzepte, Kostüme und lächerliche Visuals; Popsongs, die meisterhaft produziert wurden, spannend geschrieben und textlich intelligent waren. Die Freude über einen Popstar, der es ablehnte, kreative oder ästhetische Kompromisse einzugehen, war groß.

2. Sie hat der Popmusik wieder Mythen gegeben
Spannend an Lady Gaga war anfangs auch, dass man Gaga die Musikerin nicht von Gaga der Privatperson trennen konnte. Wie Madonna, Michael Jackson und David Bowie auch, hatte sie eine Geschichte über ihre Vergangenheit inszeniert, die nur schwer interpretierbar war. Ihr Leben, sagte sie einmal, sei eine Performance. Ob sie nun ein normales Mädchen aus New York war, das Musicals liebt, oder wirklich vom Planeten G.O.A.T stammt – wie sie im Video zu "Born This Way" erzählt –, ist egal.

3. Ihre Performance von "Paparazzi" bei den VMAs 2009
Durch Visuals und Choreografie hat es Lady Gaga in weniger als vier Minuten geschafft, ein fatalistisches Märchen über Ruhm zu erzählen. Ironischerweise erreicht es seinen Höhepunkt in den letzten 30 Sekunden, als sie in die Mitte der Bühne rennt und Blut aus ihrem Bauch spritzt. Am Ende der Performance hängt sie blutverschmiert in der Luft, ihre Augen regungslos. Ein Meisterwerk. Und eine Erinnerung daran, wie theatralisch Popmusik sein kann.

4. Das Meat-Dress
Getragen von Gaga zu den MTV VMAs im Jahr 2010. Es ist sogar so bekannt, dass es eine eigene Wikipedia-Seite hat. Designt von Franc Fernandez zeugt das Meat-Dress von Gagas furchtlosem Zugang zu Mode. In einem Interview mit Ellen DeGeneres erklärte sie die Bedeutung hinter dem Kleid: Es war ihre Kritik an der umstrittenen "Don't Ask, Don't Tell"-Politik, die schwule, lesbische und bisexuelle Menschen im US-Militär davon abhielt, ihre Sexualität offenzulegen. Das Kleid wird konserviert und für die Nachwelt aufbewahrt.

5. Ihre Unterstützung für die LGBTQ-Community
Dass sich weibliche Popstars für die LGBTQ-Community engagieren, ist kein neues Phänomen. Sie hat sich öffentlich gegen diskriminierende Gesetze engagiert und sich mit einer mitreißenden Rede für die Abschaffung von "Don't Ask, Don't Tell" eingesetzt. Nach dem Anschlag auf den Club Pulse in Orlando im Jahr 2016 hat Gaga die Namen der Verstorbenen auf einer Mahnwache vorgelesen. Mit der Born This Way Foundation hat sie sogar ihre eigene NGO, mit der sie sich gegen Mobbing engagiert.

6. Das Vermächtnis von "Born This Way"
Was auch immer du künstlerisch von diesem Song halten magst, eines steht fest: Dass Lady Gaga einen Song wie "Born This Way" im Jahr 2011 herausbrachte, war ein Risiko. Ein weltweiter Superstar auf dem Höhepunkt seiner Karriere geht das Risiko ein, alles für die Unterstützung von Minderheiten und der LGBTQ-Community aufzugeben. Es ist leicht, die Motivationen von Popstars zu kritisieren, aber die Botschaft hinter "Born This Way" ist eine sehr ernste. Trotz der hektischen Produktion und dem High-Concept-Musikvideo geht es darin um etwas sehr Reales. Damit hat Lady Gaga LGBTQ-Kids auf der ganzen Welt geholfen und dafür gesorgt, dass das Thema Gleichberechtigung in den Mainstream gelangte.

7. Ihre Little Monsters
Es gibt ein Vorher und Nachher im Umgang von Musikern mit ihren Fans. Als Lady Gaga ihre Little Monsters hervorbrachte, war das die Stunde Null. Gaga hat sich mit ihren Fans auf einem persönlichen Level beschäftigt, ihnen Nachrichten geschickt und sichergestellt, dass die Beziehung zu ihren Fans gepflegt wird. Im Gegenzug beförderten sie ihre Fans in einen Göttinnen-Status. Gaga-Fan zu sein, wurde zu einer Religion. Die Little Monsters bildeten eine Gemeinschaft für alle Außenseiter, die endlich das Gefühl hatten, irgendwo dazuzugehören.

8. Ihr Artpop kann alles sein
Artpop war ein mutiges Experiment in Sachen Popmusik, das sich leider nicht richtig ausgezahlt hat. Es wurde als "umgekehrte Warhol-Erfahrung" beschrieben. Die Aversion gegen dieses Album geht leider an seiner Aussage komplett vorbei. Von großen Metaphern über Kunst und Popkultur über Geständnissen darüber, wie narzisstisch die Promis sind bis hin zu der Verarbeitung von Traumata mit Drogen und sexuellem Missbrauch. Das Album war der Anfang vom Ende der Kunst-Figur Lady Gaga.

9. Joanne sorgte für eine Renaissance des Americana-Styles
Vor Justin Timberlakes Ausflug in den Wald und Kylie Minogues Besuch in Dollywood, haben Lady Gaga und Mark Ronson ein Americana-Album geschaffen, das persönlich und performativ zugleich ist. Zwar hat Gaga mehrfach gesagt, dass das Album ihre persönlichste Seite zeige, und doch fühlt es sich wie Artpop an. Man weiß nie, wie viel Fassade ist und wie viel wirklich der Wahrheit entspricht. Unabhängig, wie wahr das nun alles ist, ist Joanne ein fesselndes Album, das dafür gesorgt hat, dass viele in der Popmusik heute zurück zu den Wurzeln wollen.

10. Sie inspiriert mehr als nur die Popkultur
Lady Gagas Einfluss auf die Popkultur über die letzten 10 Jahre ist – wie Madonnas, Janets, Britneys und Beyoncés – unumkehrbar. Um wirklich zu verstehen, wie groß ihr Einfluss wirklich ist, muss man aber weiterdenken. 2012 entdeckten Wissenschaftler der Duke University in North Carolina zwei neue Farn-Arten. Sie trafen die Entscheidung, eine nach Gaga zu benennen. Mother Monster kennt eben keine Grenzen.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.