Diese Jungdesignerin macht Mode für Tomboys

Wir stellen dir Eftychia Karamolegkou genauer vor.

von Elli Weird
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30 Januar 2018, 9:03am

Eftychia Karamolegkou ist ein sehr nachdenklicher Mensch. In ihrer Freizeit sitzt sie am liebsten in Cafés und versucht, Leute zu analysieren. "Mode ist Soziologie mit Elementen aus der Kunst", sagt sie selbst. "Sie ist ein Mittel für mich, zu fühlen, was ich um mich herum sehe."

Aufgewachsen ist die Designerin auf der griechischen Insel Santorini, was für sie eher einer kreativen Vereinsamung glich, die frustrierend und einschränkend war. Doch Eftychia hat sich von ihrem Bauchgefühl leiten lassen: "Ich habe mich dafür entschieden, Mode zu machen, weil ich mit 80 nicht plötzlich aufwachen und mich fragen will 'Was wäre gewesen, wenn?'"

Die Abschlusskollektion ihres Studiums an der Central Saint Martins bestand aus einer Reihe locker geschnittener Damen-Looks, mit der die Jungdesignerin gekonnt die Grenzen zwischen Mann und Frau verwischt: "Ich wollte Haute Couture für Tomboys machen. Es ging mir schon immer darum, männliche und weibliche Merkmale miteinander zu vermischen."

Es ist die unabhängige Frau, die sich von den Absurditäten des modernen Lebens nicht verrückt machen lässt, für die sie designen möchte. Mit ihrer Garderobe schottet sie sich gewissermaßen von der Außenwelt ab: "Sie hält die Leute auf Abstand, und nur die, die interessiert sind, werden einen Schritt näher kommen, um sie kennenzulernen." So als ob sie uns sagen möchte, dass wir unseren Instagram-Account auf privat setzen, oder, noch besser, überhaupt keinen haben sollten, um nicht übermäßig viel von uns preiszugeben. Unaufdringlicher Minimalismus schützt deine vielfältige Identität, so das Motto.


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Aber auch Eftychias gegensätzliche Persönlichkeit spiegelt sich in der Kollektion wieder: bodenständig und ehrgeizig; rastlos und nachdenklich zugleich. Sie selbst kleidet sich schlicht und praktisch. "Ich filtere die Dinge zuerst durch mich selbst", erklärt sie, "dadurch wird das Ergebnis auch so persönlich."

Die Mehrdeutigkeit ihrer Designs kommt durch eine Vielfalt an Anspielungen zustande. So kann die Kollektion nicht auf eine einzige Referenz oder Zeit festgemacht werden. Auf ihrem Moodboard finden sich unter anderem Nicolas Cage, Winona Ryder und Jodie Foster, aber auch Fotos ihrer Großeltern.

Obwohl Eftychias immer wieder betont, dass sie keine gelernte Schneiderin ist, versteht die begabte Designerin ihr Handwerk, kennt aber auch ihre Grenzen. Etliche Kleidungsstücke wurden getestet, bis die perfekte Form langsam Gestalt angenommen hat: "Ich wollte, dass sie von Weitem ein bisschen langweilig aussieht, aus der Nähe betrachtet aber Details zum Vorschein bringt, durch die sie sich vom Rest abhebt.”

Ihre alternative Weiblichkeit beruht nicht auf Schnörkeln und Schnickschnack. Laut Eftychia ist "Weiblichkeit das, was man fühlt, und nicht das, was man anzieht." Auch ihr Heimatland Griechenland hat ihre Arbeiten beeinflusst: eine starke weibliche Tradition und ein fest verankertes griechisches Patriarchat. In ihrer Kollektion widersetzt sie sich dem System, in dem sie aufgewachsen ist: "Meine Frau muss nicht auf ihre Sexualität zurückgreifen, um das zu erreichen, was sie will."

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.