5 fesselnde Memoiren zum Women’s History Month

Unterstützt schreibende Frauen, indem ihr ihre Geschichte(n) lest.

von Corey Bates
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24 März 2020, 5:30am

Eine gute Möglichkeit, schreibende Frauen anlässlich des Women’s History Month zu würdigen, ist ihre Geschichte(n) zu lesen. Die folgenden fünf Memoiren decken eine große Bandbreite an Lebenserfahrungen ab: von der Muscogee-Frau, die ihr Heil in der Dichtung gefunden hat, bis zum gebrochenen Herzen infolge einer missbräuchlichen Beziehung. Obwohl die Autorinnen unterschiedliche Hintergründe haben, zieht sich das Motiv der Widerstandsfähigkeit wie ein Faden durch ihre Bücher. Es sind Geschichten des Überlebens auf allen Fronten: von häuslicher Gewalt bis zum fortwährenden Kampf mit körperlichen und psychischen Erkrankungen. Sie erzählen von Frauen, die die schlimmsten Krisen des Lebens abwettern und mit Brillanz überwinden. Trotz der Last ihrer Erfahrungen finden diese Autorinnen Leichtigkeit, Humor und Hoffnung. Hier sind fünf Memoiren von Frauen, die ganz oben auf eurer Leseliste stehen sollten.

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Die Argonauten von Maggie Nelson
In ihrer Genre-übergreifenden Autobiografie denkt Maggie Nelson neu, was Familie sein kann. Ausgehend von ihrer Liebesbeziehung mit dem Künstler Harry Dodge verwendet Nelson die Fluidität von Dodges Gender-Identität als Eckpfeiler für eine Analyse queerer Familiendynamiken und fragt, was eine “normale” oder “traditionelle” Familie ausmacht. Sie verzeichnet die Angst und die Freude darüber, Nachwuchs zu bekommen; erst Dodges Sohn aus einer früheren Ehe und dann ihr eigenes Kind. Humor und Schmerz liegen dabei so eng beieinander wie sie es im wirklichen Leben tun. Nelsons ungenierte Offenheit vermittelt mitunter ein voyeuristisches Gefühl, etwa wenn sie von häuslicher Unordnung erzählt, oder von einer überstürzten Heirat in den letzten Stunden vor “Proposition 8” [ein Antrag zur Änderung der kalifornischen Verfassung per Referendum mit dem Ziel, nur noch heterosexuelle Ehen staatlich anzuerkennen] und ihrer Hormontherapie—Testosteron für Dodge, IVF für sie. Ihr poetischer Tonfall erlaubt es ihr, zwischen philosophischem Diskurs und humorvoller Beobachtung über Sex und Sexualität hin und her zu wechseln, ohne je sperrig oder abgedroschen zu klingen. Das Buch, das einen befreienden Einblick in das Leben eines brillanten Geistes gibt, handelt von der unmöglichen Aufgabe, uns mitten im Lärm des Lebens selbst zu verwirklichen.

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Hunger von Roxane Gay
Roxane Gay erzählt (wie es im Untertitel heißt) “Die Geschichte meines Körpers”—oder wie ihr Leibesfülle zu einem Mittel wurde, um sich infolge eines sexuellen Übergriffs zu schützen. Oberflächlich geht es um Fettleibigkeit, in Wirklichkeit aber um die emotionale Beziehung, die sie zu ihrem Körper unterhält. Sie scheut sich nicht, das Wort “fett” in den Mund zu nehmen. Sie entschuldigt sich nicht für ihre Ausmaße. Sie erklärt sich einfach. Sie erklärt, dass Hunger viel mehr ist als das Bedürfnis nach Nahrung. Manchmal steckt er dir so tief in der Seele, dass nichts ihn zu stillen vermag, so sehr du es auch versucht. Und sie hat es versucht. Gay beschreibt das Gefühl von Nostalgie nach der Person, die sie vor dem Angriff war—sie trauert um die, die sie hätte sein können, wenn es nicht passiert wäre. Sie räumt ein nicht ganz geheilt zu sein, und dass sie es vielleicht nie sein wird; dass der Körper keine Festung ist, auch wenn wir das gerne glauben wollen, und dass wir nicht uneinnehmbar sind. Sie durchstreift ihr Leben: von ihrer Kindheit und problematischen Jugend bis zu ihren turbulenten Zwanzigern und dem Schritt ins Scheinwerferlicht in ihren Dreißigern und Vierzigern. Es ist keine Geschichte über das Abnehmen, oder wie du deinen Körper lieben lernst, sondern darüber, wie Traumata unbehandelt vor sich hin schwären. Aber es kann sich auch in etwas ganz anderes verwandeln, wenn du ihm die Chance gibst, und obwohl es nicht möglich ist, zurückzugehen zu der Person, die du davor warst, kannst du doch jemand anderes werden—und vielleicht sogar stärker als je zuvor.

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In the Dream House von Carmen Maria Machado
Roh, wunderschön und voller Schmerz erzählt Carmen Maria Machado die Geschichte einer queeren Beziehung und erkundet in einer Reihen von Vignetten, wie es sich anfühlt von einer Person desselben Geschlechts missbraucht zu werden. Beginnend mit einer Variation des Titels “Dream Houses As…”, machen die einzelnen Kapitel diesen Schmerz beschreibbar, indem sie ihm einen äußerlichen Raum zuweisen. Manchmal geht es direkt um Machados Beziehung—um ihre erste gemeinsame Reise, ihren ersten Streit oder das ersten Mal, als ihr der Gedanke kam, sie könnte in diesem Haus sterben. Dann wiederum wählt sie einen eher indirekten Zugang. Ein Kapitel ist Machados schauerliche Version einer “Choose-Your-Own-Adventure”-Geschichte, wo jede Entscheidung in einen anderen Missbrauchsfall mündet—so präsentiert sie die wiederkehrende und scheinbar ausweglose Natur häuslicher Gewalt. Machado nennt ihre Memoiren einen Beitrag zu dem “Archiv”, das die Möglichkeit und Häufigkeit von Missbrauch unter gleichgeschlechtlichen Partnern dokumentiert—was uns daran erinnert, dass Frauen zwar beigebracht wird Männer zu fürchten, aber niemand uns lehrt, dass Frauen zu demselben Übel fähig sind. Machado behandelt die Sehnsucht nach dem Guten ebenso wie die Traumatisierung durch das Schlechte, und sie bespricht, wie Heilung aussehen kann. Sie stapft durch den Morast des Lebens, um am Ende auf sicherem Boden zu stehen.

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The Collected Schizophrenias von Esmé Weijun Wang
Esmé Weijun Wang teilt in einer Reihe von Essays ihre Erfahrungen mit chronischer Zeckenborreliose und schizoaffektiven Störungen. Sie bemerkt, dass wir die Geschichten von Menschen mit geistigen Erkrankungen nur selten direkt von der Quelle zu hören bekommen, anstatt aus der Perspektive von Außenstehenden. Sie diskutiert wie schwierig es ist, wenn deine Identität als Person an eine Diagnose gebunden ist, und wie das jeden Aspekt deines Lebens überschatten kann—wie eine ominöse schwarze Wolke, die nie verklingt. Wang verbindet trostlose Geschichten aus einer Zeit, da sie dachte sie sei tot, mit einer erschütternden Liebesgeschichte, die im College ihren Anfang nahm und nie endete. Sie findet Stärke in ihrer Mutter, ihrem Verlobten, einem Heiler in New Mexico und in der Gemeinschaft anderer, die mit denselben chronischen Erkrankungen leben. Wang scheut sich nicht, ihre Diagnose direkt anzusprechen: Sie findet Frieden darin, ihre Heimsuchung beim Namen zu nennen. Sie stellt sich allen Problemen: von einem Gesundheitssystem, das chronisch Kranke im Stich lässt, bis zum gesellschaftlichen Stigma einer psychischen Erkrankung, dem sie durch ihre äußere Erscheinung entgegentritt. Es sind Geschichten über Schmerz, Liebe und Beharrlichkeit.

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Crazy Brave von Joy Harjo
Joy Harjo erzählt in ihren Memoiren ihre Lebensgeschichte—von ihrer Geburt bis zur Wiedergeburt als Dichterin. Geboren als Angehörige der Creek Nation in Tulsa, Oklahoma—am Endpunkt des Pfads der Tränen—schreibt Harjo über ihr Heranwachsen im Schatten missbrauchender Männer, von ihrem Vater zu ihrem Stiefvater und schließlich bis zu ihrem Ehemann. Ausführlich beschreibt sie den Kreislauf des Missbrauchs, der sich von einer Generation zur nächsten fortsetzt; sie erwähnt Missbrauchsfälle in ihrem eigenen Leben sowie in ihrer Familie und unter Freunden. Inmitten ihrer stürmischen Lebensgeschichte findet sie Schutz bei ihrer Vorstellungskraft und in ihrer spirituellen Verbindung zur Natur. Selbst wenn sie über ihren Schmerz schreibt, bleibt stets ein Unterton der Hoffnung. Sie scheint nichts zu bereuen oder sich zu bemitleiden, trotz großen Leids. Ihre Kreativität ist schon in jungen Jahren offensichtlich—von bildender Kunst zu Schauspiel und Gesang bis zu ihrer Entdeckung der Freiheit, die in Gedichten liegt. In traumartiger, poetischer Prosa verfasst, steht Harjos Erzählung an der Schwelle zwischen Traum und Wirklichkeit, gezeichnet von Kummer, Geburt, Unterdrückung, Rassismus und Tod.

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