Photos by Tyler Kohlhoff.

Schau den queeren Kids von Oakland in diesen Mini-Dokus beim Skaten zu

Tyler Kohlhoffs Videos fangen den freilaufenden Punk-Geist dieser jungen Skater ein—und ihre revolutionären Ideen zu Identität, Gender und Sex.

von Nicole DeMarco
|
24 März 2020, 5:00am

Photos by Tyler Kohlhoff.

Lana Jay Lackey und Tyler Kohlhoff haben es sich zur Mission gemacht, rege Außenseiter und Punk-Kids aus allen Ecken der Vereinigten Staaten auf den Seiten ihres aufrührerischen Sedition Magazine festzuhalten—ein Do-It-Yourself-Magazin zu den Themen Mode, Kultur und Fotografie, das die beiden 2016 gestartet haben. Das Paar, aufgewachsen in Portland, Oregon, ist kreativ und romantisch liiert—Lana ist Stylistin und Kreativdirektorin, während Tyler für Film und Fotografie zuständig ist. Die wunderbar leb- und sprunghaften Visuals, die sie zusammen austüfteln, sind sofort wiedererkennbar in ihrem markanten Collage-Stil. Letzten Sommer, unterwegs von San Diego nach Portland, trafen sie die aufregendste queere Skater-Crew von Oakland, um sie für die Get Up Stand Up Issue von i-D zu stylen und abzulichten.

“Lana sah so einen wild aussehenden Skater in Pleasers, diesen billigen Stripper-Heels, und dachte nur, ‘das ist der Wahnsinn’”, sagt Tyler. Sie musste ihn einfach kennenlernen. i-D war genauso fasziniert—nicht nur vom einzigartigen Stilempfinden dieser Kids, sondern auch davon, wie sie sich in der Szene der San Francisco Bay Area, die nicht gerade zu den einladendsten gehört, eine Nische schaffen. Begleitend zum Artikel in i-D machte Tyler eine Serie von Mini-Dokus, die einige der Skater porträtieren: Cher Autumn Straub, Kane Caples, Mae Ross und Triss McGowan. In den Videos besprechen sie ihre Erfahrung als Skater in Oakland, und was Identität, Gender und Sex für sie bedeuten. Wir haben Tyler erwischt, um mehr über die Videos zu erfahren, die ihr weiter unten sehen könnt.

tyler-kohlhoff-queer-skaters-film-still

Was hat dich an dieser Gruppe von Skatern in Oakland anfänglich angezogen?
Es ist unsere Mission, punkige Kids, die aus der Reihe tanzen, ausfindig zu machen und zu dokumentieren, und so haben wir angefangen Nachforschungen anzustellen, wer dieser Beschreibung entsprechen könnte und wo sie sich aufhalten, und dann sind wir auf diese Kids in Oakland gestoßen, die so anders waren als alle anderen Skater, die wir kannten. Wenn ich mir einen Skater vorstelle, dann denke ich Dickies, Vans und XXXL-T-Shirts oder sowas. Diese Kids sahen überhaupt nicht so aus. Zuerst war es nur ein visueller Anreiz—wenn du jemand siehst, der sich so ungewöhnlich anzieht, dann spürst du den Drang, das festzuhalten. Dann haben wir die Kids näher kennengelernt und festgestellt, dass sie außerdem an vorderster Front mit dabei sind, wenn es um Sexualität, Gender, Transsexualität und andere Veränderungen ihrer Identität geht.

Als Vorstadt-Hete wäre mir nie in den Sinn gekommen, dass sich eine Geschlechtsanpassung auf deine Fähigkeit zu skaten und Sport zu machen auswirken könnte. Als wir mit Cher sprachen, sagte sie, “Ich glaube, ich habe mir davor auch nie Gedanken darüber gemacht.” Diese Kids sind echte Punks. Oakland ist eine der letzten Punkrock-Bastionen in den USA, wo Kids immer noch in Punk-Häusern leben, die von einer Generation zur nächsten weitergereicht werden. Sie finden heraus, wie sich mit Kunst Geld machen lässt, stellen ihre eigenen Klamotten her—sie sind Selbstversorger und machen alles selbst. Sie brauchen niemanden, wollen niemandem irgendwas beweisen. Sie sehen nicht unbedingt nach Gammel-Punks aus. Sie sind Sex-Punks oder sowas in der Art.

tyler-kohlhoff-queer-skaters-film-still

Hast du von Anfang an geplant, dokumentarische Videos zu machen, oder kam die Idee, nachdem du ihre Geschichten gehört hattest?
Nun ja, viele meiner Fotos sind eigentlich Video-Standbilder. Ich nehme ständig Video auf und liebe Video. Wir wollten anfänglich nur ein paar coole Skate-Tricks in weirden Klamotten filmen, aber dann fing ich an, ihnen Fragen zu stellen. Ich habe nicht wirklich versucht, sie in ein Gespräch über Gender-Normen zu verwickeln, sondern einfach so Sachen gefragt wie, “Worauf stehst du?” [“Schwules Zeug!” sagt Triss.] Und so haben sich alle diese Gespräche ergeben. Ich wusste, ich will ein Video machen, das ein Fenster auf diese punkige Crew öffnet, und davon ausgehend wurde es zum Selbstläufer. Ich habe einfach versucht, von ihnen zu lernen.

Die Themen kamen selbstredend auf?
Genau. Ich wollte so kleine Porträts von diesen vier Skatern machen, mit denen wir die meiste Zeit verbracht haben. Sie waren echt schnuckelig. Einigen ist klar, dass sie eine Plattform haben, manche sind eher zurückhaltend, aber ich denke ihre Mission ist generell, sich nach außen zu wenden und ihre Geschichte zu erzählen, damit die nächste Generation, die dieselben Erfahrungen durchmachen, daraus lernen können, besser vorbereitet sind, oder einfach wissen, dass es normal ist, aus der Reihe zu tanzen.

Außerdem sind sie einfach krass gute Skater. Ich war auf einem Shooting mit Leo [Baker] und Brian [Anderson]; Leo war Teil des olympischen Skateboarding-Teams der USA und ist später ausgestiegen, weil er sich nicht länger als Frau identifiziert. Auf die Frage, wer ihn am meisten inspiriert, sagte er Cher. Leo ist einer der bekanntesten Skater auf der ganzen Welt. Diese Kids inspirieren Leute auf allen Niveaus, einfach sie selbst zu sein und für sich selbst zu skaten.

tyler-kohlhoff-queer-skaters-film-still

Sie sprechen in den Videos so offen und ehrlich über Identität, Gender und Sexualität. Und es geht weit über vorgefasste Normen hinaus.
Letzten Sommer haben Lana und ich eine Menge Projekte mit Jugendlichen in ihren frühen Zwanzigern realisiert. Wir machten einen Roadtrip von San Diego bis nach Portland. Der Halt in Oakland war auf halber Strecke; wir hatten eben mit einer Gruppe von Highschool-Abgängern über ihre Beziehungen und Sexualität gesprochen. Es kam uns so vor, als ob die Generation nach uns so viel ausgeglichener ist und Sexualität so viel besser versteht als wir, was echt interessant war. Wie Kids über offene Beziehungen reden, mit mehreren Partnern, und über Sex als etwas, das nicht immer diese bleierne Schwere haben muss—wir hatten fast das Gefühl, da zeichnet sich eine neue sexuelle Revolution ab, bei der diese Kids an vorderster Front stehen. Wir überlegen einen Dokumentarfilm darüber zu machen. Eigentlich wollten wir nur diese Mini-Dokus über Kids in Oakland machen, aber es scheint, sie sind Teil einer viel größeren Geschichte über Sexualität in Amerika.

Eine Sache, die mir an diesen Videos so gefällt, ist deine Verwendung von Wiederholungen und Collage-Elementen. Wie kommt das zustande?
Ich filme alles, dann spiele ich es auf verschiedenen Fernsehbildschirmen ab und filme es nochmal—ich verbringe also viel Zeit damit, das Material zu sichten. [Mein Stil] ist einfach sehr chaotisch, um ehrlich zu sein. Ich verschaue mich zufällig in irgendein Detail, wie ein Auge oder eine Hand, und dann fange ich an, daraus eine Collage zu machen. Ich probier einfach herum. Es ist sehr unprätentiös, ich mache Collagen, eine ganze Menge davon. Dann suche ich ein paar aus, die ich ins Video stecke. Ich liebe Bildraster. Weil ich ziemlich wirr und chaotisch bin, bieten Raster einen gewissen Widerstand, was ich sehr hilfreich finde. Ich komme immer wieder darauf zurück und bewege Dinge herum.

Du hast erwähnt, dass diese Videos deinem persönlichen Stil als Filmmacher sehr nahestehen.
Ja, wir machen alle zusammen DIY. Ich komme aus Portland, was nicht weit entfernt ist von Oakland, auch in Sachen Ästhetik. Inzwischen lebe ich in New York, was etwas ganz anderes ist, aber hier stehe ich auf rasendes, unbändiges, punkiges Zeug. Ich habe das Gefühl, mich in diesem Projekt selbst gefunden zu haben. Ich habe meinen Style gefunden.

tyler-kohlhoff-queer-skaters-film-still
Tagged:
Documentary
Sexuality
LGBT+
skating
Oakland
gender identity
Skaters
Tyler Kohlhoff
lana jay lackey
sedition magazine