Wir haben mit Kristen McMenamy über ihren neu gewonnenen Instafame gesprochen

Das 90s Supermodel hat die App erst spät für sich entdeckt, aber dort schnell viel Aufmerksamkeit bekommen.

von Osman Ahmed
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07 Oktober 2021, 11:36am

Kristen McMenamy wusste schon früh, dass sie es in der Mode schaffen wollte, aber ihr Erfolg kam nicht über Nacht. Bereits als Teenager in Pennsylvania verfolgte sie ihren Traum, der sie schließlich nach Paris bringen sollte. Doch bis dahin war es ein weiter Weg, immer wieder wurde sie abgewiesen oder ihr dazu geraten, sich einer Schönheitsoperation zu unterziehen. Kristen ließ sich davon nicht beirren und schaffte es schließlich in den späten 80ern, von der Modeindustrie wahrgenommen zu werden und schon bald für jeden wichtigen Designer über den Laufsteg zu flanieren.

Einige Jahrzehnte später ist sie Mutter von drei Kindern, lebt mit ihrem Mann in London und ist seit April auch Social-Media-Star. Für ihre Bilder stylt sie sich selbst, posiert in oder vor ihrem Haus und trägt ihre eigenen Klamotten. Ihre Looks sind ein gekonnter Mix aus leuchtenden Farben, Streetwear und High Fashion, immer umrahmt von ihren silbernen Rapunzelhaaren. Mit uns hat sie über ihre neue Karriere gesprochen.

Kristen, warum hast du dich entschieden, einen Account bei Instagram anzulegen?
Ich habe mich ja offensichtlich recht lange geweigert Instagram beizutreten und bin kein besonders technischer Typ. Sogar ein Telefon habe ich mir erst spät angeschafft. Social Media fand ich ziemlich lame, viel spannender ist es doch, weniger von sich preiszugeben und geheimnisvoll zu bleiben, dachte ich mir lange. Irgendwann habe ich meine Einstellung geändert und überlegt, dass ich nicht darauf warten sollte, bis ich von einer Zeitschrift gebucht werde, um Klamotten zu präsentieren. Es ist doch das, was ich mein ganzes Berufsleben getan habe und worin ich gut bin! Durch Instagram kann ich selbst die Kontrolle übernehmen.   

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Du hast eine unglaubliche Karriere hinter dir und mit den spannendsten Modefotografen, Stylisten und Designern gearbeitet. Durch Instagram hast du nun die Möglichkeit, dich selbst zu inszenieren. Andererseits musst du jetzt auch alles selbst machen und hast kein Team um dich herum.
It’s stressful as hell! Es wäre so viel einfach, ich hätte jemanden, der meine Haare richtet, mir bei meinem Make-up hilft und die Treppen hoch- und runter läuft, um meine Outfits zusammenzustellen. Ich mag es, mich einfach ins Studio zu setzen und dann kümmern sich andere um meinen Look. Wenn ich dann aufschaue, denke ich mir manchmal: „Mein Gott, das bin ich!“ Dann gibt es auch noch einen Fotografen, der mich perfekt ausleuchtet. Purer Luxus. Für meine Social Media-Fotos hätte ich auch gerne jemanden, der mich jeden Tag in eine neue Person verwandelt und sich um mein Make-up kümmert. Aber das habe ich nun mal nicht, deshalb trage ich so oft eine Sonnenbrille.

Instagram ist aber schon nähr an der Realität, als die Hochglanzbilder, die du früher gemacht hast, oder?
Nun, es ist ein Schritt zwischen Fantasie und Realität. Ich versuche einfach Spaß zu haben. Ich lebe hier nicht wirklich mein Leben. Ich tue nur so, als wäre ich ein kleines Mädchen, das sich verkleidet und sich von seinem Vater fotografieren lässt.

Wenn ich mir deinen Account anschaue, ist Spaß wahrscheinlich auch das Wort, mit dem ich die Bilder am ehesten beschreiben würde. Du nimmst dich darauf nicht zu ernst, deshalb wirken sie viel entspannter, als die Fotos von dir in den Magazinen.
Oh ja, alles ist sehr DIY. Wenn ich eine Decke wäre, wäre ich auf jeden Fall gehäkelt, wenn du verstehst, was ich meine. Ich habe ein paar Leute, die mir bei den Bildern helfen, aber sie tun es alle nur ungern. Da gibt es meine Tochter, die mich am Anfang fotografiert hat, aber jetzt sofort wegläuft, wenn ich sie frage. Mein 15-jährigen Sohn assistiert mir nur, wenn ich ihn bezahle und mein 18-jährigen Sohn weigert sich eigentlich immer. Also frage ich die Sekretärin meines Mannes, ob sie meine Bilder machen kann, aber das macht meinen Mann wütend, weil er sie braucht, und ich frage: „Kannst du ein Foto machen?“

Wie genau laufen die Shootings bei dir zu Hause ab?
Es ist ein riesiges Durcheinander. Eigentlich ist es der pure Stress. Ich sehe mir dann die Bilder an und denke: „Oh nein, die Schuhe sind ganz falsch.“ Also renne ich die Treppe hoch und komme mit fünf Optionen wieder runter. Wenn ich endlich die richtigen Schuhe habe fällt mir auf, dass mein Make-up ganz falsch ist und meine Haare auch. Manchmal gibt es natürlich auch Momente, wo ich mich selbst überrasche und einen tollen Look kreiere. Aber oft sind es auch keine guten Überraschungen. Das sieht man natürlich nicht, weil ich diese Bilder nicht poste.

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In den 90ern wurde dein Look oft mit Grunge und einer gewissen Anti-Mode-Ästhetik in Verbindung gebracht.
Es war ein Blick auf die Mode, wie man ihn bis dahin noch nicht kannte. Das lag aber auch an dem fantastischen Fotografen Steven Meisel, der unglaublich schöne Bilder von uns gemacht hat, obwohl wir nichts weiter als zu große Karohemden trugen. Ich denke auch an Richard Avedon, der so glamouröse, coole Bilder für Versace inszeniert hat.

Wer inspiriert dich momentan im Bezug auf Mode?
Nun, man muss Donatella einfach lieben. Ich habe die 90er mit ihr erlebt und sie hat nach dem schrecklichen Tod ihres Bruders solche Stärke bewiesen. Donatella trägt den Namen Versace mit so viel Stil. Natürlich bewundere ich Kate und Naomi. Madonna ist auch großartig. Viele lästern darüber, dass sie sich zu vielen Schönheitsoperation unterzogen hat, aber wenn sie auf natürliche Weise älter werden würde, gäbe es ja genauso viele Leute, die sich beschweren würden. Was soll sie also machen? Sie macht eben einfach, was sie will. Ich mag mutige Menschen.

Du bist jetzt in deinen 50ern und bist mit deinen silbernen Haaren auffällig wie eh und je. Viele Frauen sagen ja, dass sie weniger Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie älter werden. Bei dir scheint das Gegenteil der Fall zu sein.
Ich habe mich immer unsichtbar gefühlt und nie wie ein besonders sexuelles Wesen. Mir haben Männer nie auf der Straße nachgepfiffen. Ich würde sagen, ich bin wie eine leere Leinwand. Ich war kein sexy Model, ich war sehr androgyn, aber genau das hat mir gefallen.

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Die Klamotten, die du auf deinen Fotos trägst, sind die alle von dir?
Ja, alles meins. Sie sind oben auf dem Dachboden gelagert und ich krieche dort herum, um mir in diesem stickigen, kleinen Raum meine Outfits zu überlegen.

Du gehst sicher gerne einkaufen.
Yeah. Ich bekomme auch einige Sachen geschenkt. Was mir keinen Spaß macht, sind Klamotten nur für ein Bild zu leihen und sie dann wieder zurückzuschicken. Ich supporte gerne Designer und stelle etwas auf Instagram, aber nur, wenn ich es auch behalten kann!

In den sozialen Medien neigen die Menschen dazu, nostalgisch zu sein und jede Menge alte Fotos zu posten. Bist du nostalgisch?
Ganz und gar nicht. Null. Ich möchte nicht zurückblicken. Ich erzähle ab und zu Geschichten aus der Vergangenheit, wenn ich gefragt werde, sonst nicht. Ich möchte nach vorne schauen. Ich wurde schon oft gefragt, ob ich ein Buch über mich machen will, aber das würde bedeuten, die ganze Zeit nach zurückzublicken. Also mache ich es nicht. Ich gehöre auch nicht zu den Leuten, die überall im Haus Bilder von sich aufhängen. Ich mag es, mich weiterzuentwickeln, das ist einfach meine Denkweise. Ich werde also bestimmt keine Bilder aus den 90er Jahren posten.

Magst du es, wenn dich jemand eine Ikone nennt?
Bist du verrückt, ich liebe es. Eine Ikone oder Legende zu sein, das ist doch eine tolle Sache. Als ich neulich ein Kompliment für meinen Account bekommen habe, sagte mein Sohn: „Mom, das gefällt dir, oder?“ Es stimmt, ich freue mich wirklich darüber. Es macht mich demütig, aber gleichzeitig gibt es mir auch ein großartiges Gefühl.

Credits


Alle Bilder von Kristen McMenamy @kristen_mcmenamy

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