Diese Frau hat Selfies mit allen Männern gemacht, die sie auf der Straße belästigt haben

Die Männer aus Noa Jansmas Projekt #DearCatcallers haben keine Ahnung, dass sie sie bloßstellen wollte — und genau das ist das Problem.

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Okt. 6 2017, 7:19am

Screenshot von Instagram

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

"#Dearcatcallers, es ist kein Kompliment", schrieb Noa Jansma, eine 20-jährige Studentin aus Amsterdam, in ihrem ersten Post. "Dieser Instagram-Account soll dabei helfen, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie häufig Frauen im Alltag objektifiziert werden. Weil viele Leute nicht wissen, wie oft und in welchen Kontexten das passiert, werde ich einen Monat lang Fotos mit den Männern posten, die mich auf der Straße anmachen und die Geschichten dazu erzählen." Auf den folgenden 24 Fotos sind Männer verschiedenen Alters zu sehen, die alle fröhlich in die Kamera grinsen, winken und hinter Noa die Daumen hochhalten; manche schauen sie mit einem lüsternen Blick an, andere fassen sie sogar an. Noa hat trotz ihres Vorhabens nicht mit jedem Mann, der sie belästigt hat, ein Foto gemacht. Manchmal hatte sie zu große Angst, ihn zu konfrontieren.


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Einen Monat lang hat sie mit jedem Mann, der ihr hinterher gepfiffen hat, ein Selfie gepostet. In den Überschriften beschreibt sie meistens, wie es zu der jeweiligen Situation gekommen ist, und was derjenige gesagt hat: "Nachdem er mir zehn Minuten lang gefolgt ist, sagte er 'Hey schöne Frau, wohin gehst du? Kann ich mitkommen?'", "Er folgte mir und rief 'sexy!' und 'willst du zu mir ins Auto steigen?'", "Ey sexygirl, wohin gehst du so ganz alleine?", "Hey Girl, wo wohnst du? Wir könnten zusammen viel Spaß haben", "Ich weiß schon genau, was ich mit dir anstellen würde, Baby."

In Amsterdam, Noas Heimatstadt, soll dieses Verhalten ab dem 1. Januar 2018 mit einer Geldstrafe in Höhe von 190 Euro bestraft werden. Und obwohl Noa der niederländischen Tageszeitung, Het Parool, gegenüber gesagt hat, dass sie das Gesetz für schwer durchsetzbar hält, beschrieb sie es gleichzeitig als ein gutes Zeichen.

Nur einer der Männer hat übrigens gefragt, warum Noa ein Selfie machen möchte. "Sie sind überhaupt nicht misstrauisch, weil sie ihr Verhalten ganz normal finden", erklärt sie weiter. Wie so viele andere Männer auf der Welt denken sie, dass sie ein Anrecht auf die Aufmerksamkeit und die Körper von Frauen haben. Es kommt ihnen nicht mal in den Sinn, dass diese Frau vielleicht gerade ihre Belästigung auf einem Foto festhält. Sie schämen sich kein bisschen für das, was sie getan haben, und das ist das Problem.

Indem sie auf mutige Weise die Kontrolle über die Situation übernimmt und ihren Verlauf in eine andere Richtung lenkt, fordert Noa den Besitz ihres Körpers zurück. "Durch das Selfie sind der Objektifizierer und das Objekt zusammen auf einem Foto zu sehen", erklärt sie. "Ich selbst, das Objekt, stehe vor dem Mann — das symbolisiert das umgekehrte Machtverhältnis, das dieses Projekt bewirken soll."

Und obwohl der besagte Zeitraum vorbei ist, ist es das Projekt #dearcatcaller noch lange nicht. In einer letzten Nachricht schreibt sie "Der Monat, in dem ich die Fotos gepostet habe, ist zu Ende gegangen, aber das bedeutet leider nicht, dass auch das Hinterherpfeifen und die Belästigungen der Vergangenheit angehören. Um zu zeigen, dass es ein weltweites Problem ist und dass es in diesem Projekt nicht nur um mich geht, werde ich den Account jeden Monat an eine andere Frau übergeben. Schließt euch mir in meinem Kampf an und postet eure eigenen #dearcatcallers oder schickt mir die Fotos per DM."

Liebe Männer dieser Welt, euch gebührt kein Preis dafür, dass ihr Frauen auf der Straße nicht belästigt. Das ist selbstverständlich und jeder anständige Mensch sollte das wissen. Das sollte nicht mal mehr erklärt werden müssen. Catcalling auf der Straße ist ein Machtspielchen, mit dem Männer zeigen wollen, dass sie die Macht über Frauen und ihre Körper haben, es ist die Unterdrückung durch das Patriarchat. #Dearcatcaller, es ist kein Kompliment. Das ist es nie. Ihr besitzt uns nicht und werdet das auch nie.

@dearcatcallers